Pokémon Platin führt Raubkopie-Charts an

Die Pokémon-Spiele haben in der Vergangenheit bereits viele Rekorde geknackt. Inbesondere die Pokémon-Editionen haben nach ihrem Erscheinen stets die Verkaufscharts wochenlang dominiert. Einen weniger erfreulichen Rekord hat nun Pokémon Platin aufgestellt. Die Pokémon Platin-Edition soll unter allen NDS-Spielen nun der neue Spitzenreiter bei den verbreiteten Raubkopien sein.

Dies ist zumindest das Ergebnis einer Studie von der japanischen Organisation CESA (Computer Entertainment Supplier’s Association). Insgesamt soll Pokémon Platin geschätzte 2,07 Millionen mal illegal verbreitet worden sein. Das kann etwa der Download einer ROM (eine Kopie, welche über Emulatoren auf einem Computer gespielt werden kann) sein, oder die Verbreitung über Flashcards (dabei wird ein Spiel auf ein leeres Modul überspielt).

Hinter Pokémon Platin sind auch noch weitere Pokémon-Editionen prominent vertreten. Pokémon Diamant folgt auf Platz 2 (wesentlich stärker betroffen als Pokémon Perl) und Pokémon Soulsilver blieb auch nicht verschont:

Spiel geschätzte Raubkopien
Pokémon Platin 2.071.006
Pokémon Diamant 1.862.899
Dragon Quest IX 1.551.085
Mario Party DS 1.470.231
New Super Mario Bros. 1.455.577
Mario Kart 1.447.781
Pokémon Perl 1.441.273
Pokémon SoulSilver 1.129.469

Bei derartigen Zahlen handelt es sich naturgemäß nur um eine Schätzung anhand gewisser bekannter Parameter. Bei solchen Studien von der Gaming-Industrie sind die genannten Zahlen stets kritisch zu hinterfragen — es besteht die Gefahr, dass die Zahlen bewusst in die Höhe getrieben werden, um damit bessere Argumente beim politischen Lobbying in der Hand zu haben. Der konkrete Schaden lässt sich nicht realistisch beziffern. Es ist unklar, wie viele Mehrverkäufe es tatsächlich gegeben hätte (ein raubkopiertes Spiel weniger bedeutet nicht automatisch ein verkauftes Spiel mehr, auch wenn dies manchmal fälschlicherweise von Vertretern der Industrie suggeriert wird).

Unbestreitbar sind unerlaubte Vervielfältigungen der Spiele (sei es über ROMs oder Flashcards) zu einem für die Entwickler schmerzhaften Einnahmen-Rückgang führen. Zugleich ist das Problem auf Spielekonsolen (noch) bei weitem nicht so drastisch wie etwa im Bereich von Musik, PC-Software oder Filmen.

Auffällig an der Liste ist, dass hauptsächlich Spiele für Hardcore-Game auf den vorderen Plätzen zu finden sind. Die populär gewordenen Gelegenheitsspiele (Casual Games) wie Gehirnjogging oder English Training sind viel weniger betroffen. Dies stützt die These, dass hauptsächlich versierte Gamer zu Bezugsquellen abseits des legalen Kaufs greifen. Zugleich sagt es wenig über die Neigung zu Raubkopien aus, denn Gelegenheitsspielern fehlt in den meisten Fällen wohl nur das Know-How.

Die Popularität der Originale dürfte auch nicht der einzige Grund sein, warum gerade die Pokémon-Editionen so stark in den Raubkopie-Charts vertreten sind. Gerade wenn ein Spiel (so wie es eben bei den Pokémon Editionen der Fall ist) keine besonderen Touchscreen-Features bietet, geht nicht sonderlich viel vom Spielerlebnis verloren, wenn dieses als ROM mit einem Emulator am PC gespielt wird.

An diesem Inhalt haben The Libertine, Anomaly und Birne94 mitgearbeitet.

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