Adventskalender: Tag 1

Für das erste Türchen unseres Adventskalenders haben Storm_Nightmare und Sekibanki eine Geschichte bzw. ein Fanart erstellt. Wir wünschen euch eine besinnliche Adventszeit!

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Ein etwas anderer Mistelzweig

„Das macht dann 8,50$.“. Naibu reichte der Kassiererin das Geld, wünschte frohe Weihnachten und verlies mit ihren Einkäufen die kleine Bäckerei, welche vor kurzem in Gavina eröffnet worden war. Draußen wurde die gemütliche und warme Atmospäre durch die winterliche Kälte verdrängt. Naibu zog schnell ihre Handschuhe an, drückte die Tüte mit den Backwaren an ihre Brust und folgte der Straße Richtung Route 2.

Dieses Jahr erlebte Einall einen sehr stürmischen und kalten Winter. Die Nachrichten warnten täglich vor starken Schneestürmen und in Berggebieten galt erhöhte Lawinengefahr, weshalb Naibu den Skiurlaub, den sie mit ihrem Freund gebucht hatte, storniert hatte. Sie wollte weder sich noch Ibito unnötigen Gefahren aussetzen, doch da Weihnachten vor der Tür stand konnte dieser Umstand ihre Laune auch nicht vermiesen. Eigentlich war sie sogar froh, dass sie ein paar entspannte Tage mehr vor dem Kamin sitzen, heiße Schokolade schlürfen und draußen, vor dem großen Wohnzimmerfenster ihrer Wohnung, den Schneeflocken beim Fallen zusehen konnte, da sie das ungemein beruhigte.

Naibu seufzte leise. Trotz der angehmen Stunden vor dem Kamin und dem Weihnachtsfest war ihre Adventszeit wie fast jedes Jahr sehr einsam. Ibito musste länger arbeiten als sie und Heiligabend, sowie die Weihnachtsfeiertage verbrachte er bei seiner Familie in Sinnoh, wohin Naibu ihn wegen ihrer Flugangst nicht begleiten konnte. Andere hatten ihre Pokemon, doch sie war kein Trainer und hatte somit niemals eines erhalten, da ihre Eltern sich geweigert hatten, sie auf eine Trainerschule gehen zu lassen. Naibu war niemals glücklich mit dieser Entscheidung gewesen, da sie Pokemon über alles liebte und auch ihre Freunde alle auf die Trainerschule gegangen und nun, während sie im Restaurant in Orion City kellnerte, auf großer Weltreise waren.

Gedankenverloren passierte Naibu das schneebedeckte Schild, auf welchem groß „Tipps für Trainer“ geschrieben stand, als sie etwas kleines blaues im sonst komplett weißen hohen Gras entdeckte. Mit dem Gedanken, dass es dabei um ein verletztes Pokemon handeln könnte, lief sie darauf zu und musste feststellen, dass ihr erster Gedanke richtig gewesen war. Dort im Gras lag ein kleines blaues Pokemon. Seine Augen waren schmerzverzerrt zugekniffen, auf den sonst so saftig hellgrünen Blätter an seinem Kopf haftete Eis und Schnee, der Körper fast leblos, nur ein leichtes Zucken in den zarten Füßchen.

Hastig, aber dennoch behutsam hob Naibu das kleine Wesen auf ihren Arm. Sie wusste, dass sie schnell handeln musste. Es schien in einer wirklich schlechten Verfassung zu sein, da es tatsächlich schlimmer aussah, als die Pokemon, welche bei der Liveübertragung des Pokemon World Tournaments von ihren Gegnern besiegt wurden. Deshalb stapfte Naibu, die Tüte aus der Bäckerei unter den Arm geklemmt, so schnell sie konnte den Fußweg der Route entlang, um nach Orion City zu gelangen. Dort gab es schließlich ein Pokemoncenter, in welchem dem armen Ding geholfen werden konnte. „Da bin ich mir ganz sicher…“ murmelte Naibu, um sich selbst ein wenig zu beruhigen.

In Orion City angekommen, stürzte Naibu nahezu durch die Eingangstüren des Pokemoncenters. „Bitte, Schwester, sie müssen mir helfen!“, rief sie, auf den Empfang zulaufend, „Dieses Pokemon ist stark unterkühlt und sein Puls schlägt sehr langsam!“. Die Krankenschwester kam ihr sofort entgegengeeilt, dicht gefolgt von dem ihr zugeteilten Ohrdoch. Sie nahm Naibu das immer noch zuckende Pokemon ab und reichte es ihrem Helferpokemon. Dieses verschwand sofort wieder hinter den Empfang und durch die Tür, welche zu den Behandlungsräumen führte. „Beruhigen Sie sich erstmal, das Myrapla ist jetzt in Sicherheit. Ich verspreche, dass unser Personal sein bestes geben wird, um ihrem Pokemon zu helfen.“ wandte sich die Schwester wieder Naibu zu. „Oh, nun… um ehrlich zu sein… gehört es mir nicht. Ich… ich habe es draußen am Wegrand von Route 2 gefunden.“ entgegnete diese, immer noch ganz außer Atem. Die Schwester legte eine Hand auf die Schulter der jungen Frau. „Dann haben Sie genau das richtige getan und diesem Pokemon wahrscheinlich das Leben gerettet. Sie können jetzt nach Hause gehen, um alles weitere werden wir uns kümmern. Wenn wir Glück haben, dann wird es dem kleinen Ding schon in ein paar Stunden wieder bessser gehen.“. Naibu schüttelte den Kopf. „Ich würde gerne hier bleiben und warten. Ist das in Ordnung?“. „Natürlich.“, die Krankenschwester lächelte verständnisvoll, „Kommen Sie, ich bringe Sie in unser Café, dort können sie sich bei einem schönen heißen Getränk erst einmal wieder aufwärmen. Ich werde Ihnen Bescheid geben, wenn es etwas Neues gibt.“.

Ungeduldig saß Naibu an dem runden, mit Weihnachtsdekoration verzierten, Tisch und las eine Zeitschrift. Vor ihr stand bereits ihre dritte Kaffeetasse, leer. Obwohl sie versucht hatte, sich so gut wie möglich abzulenken, kamen ihre Gedanken einfach nicht von dem kleinen Pokemon weg, welches sie vor anderthalb Stunden hergebracht hatte. „Hoffentlich können sie ihm helfen.“. Dieser Satz spukte ihr durchgehend im Kopf herum.

Eine Hand von der Zeitschrift lösend, nahm sie ein weiteres Plätzchen aus der Backwarentüte und kaute nervös darauf herum. Irgendwie schmeckten sie nicht. Naibu stöhnte und strich sich durchs Haar. „Was ist, wenn ich nicht rechtzeitig gekommen bin? Was, wenn es zu spät ist, um ihm zu helfen?“ fragte sie sich leise selbst. Sie hasste sich dafür, dass sie überhaupt an so etwas dachte, aber der Tod dieses Pokemon würde ihre Weihnachtszeit in eine sehr melancholische Zeit verwandeln. „Ein egoistischer Gedanke, nicht wahr?“ belächelte Naibu sich selbst, als sie ein Geräusch vernahm, welches ihre Ohren sofort hellhörig werden lies.

Sie sah neben sich und entdeckte das Ohrdoch der Krankenschwester, welches sie scheinbar wieder zum Empfang führen wollte. Naibu konnte den Ausdruck in den Augen des Pokemons nicht richtig lesen, aber es wirkte erschöpft. „Wahrscheinlich, weil es seine Heilkräfte sehr strapaziert hat. Das muss es sein… es darf kein Ausdruck von Trauer sein, bitte nicht!“ flehte sie innerlich und stand auf, um dem rosa Pokemon zu folgen. Schon von etwas weiter weg erkannte Naibu allerdings, dass die Schwester etwas in den Armen hielt, etwas was ihr Herz vor Freude erglühen lies.

Das kleine blaue Pokemon schmiegte sich an die Schürze der Frau. Es zitterte zwar immer noch ein bisschen, doch es ging im deutlich besser. Als es Naibu bemerkte, blickte es sie mit großen Augen an und gab ein schwaches „Myra!“ von sich. „Es hat die Behandlung gut überstanden. Pflanzenpokemon sind generell etwas anfällig für Kälte, deswegen sind Sie gerade rechtzeitig gekommen. Wenn Sie es nicht gefunden hätten… wer weiß, wie es sonst geendet hätte.“ erklärte die Schwester und das Myrapla blickte ein wenig verwirrt um sich. „Oh Gott seih Dank! Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr ich…“ begann Naibu, doch die Schwester streckte ihr das Myrapla entgegen. „Im Winter kann es auf gar keinen Fall alleine draußen bleiben und da Sie sich so gut um es gekümmert haben… dachte ich mir, dass es bei Ihnen sicherlich in guten Händen ist.“ meinte diese und zwinkerte ihr zu. Fassungslos nahm Naibu das kleine Pflanzenpokemon in die Arme. Dieses schmiegte sich mit geschlossenen Augen an sie. Naibu dankte der Schwester und verlies das Pokemoncenter. Es war noch nicht mal Heiligabend und dennoch hatte sie schon das schönste Geschenk bekommen.