Am nächsten Morgen, es war etwa 14 Uhr, stand F. nach einiger Gegenwehr seitens seines noch halb verschlafenen Körpers, auf und ging in die Küche. Er schaltete den PC an. Erneut grinste ihn G.I.R an. F. ging eben auf das direkt im Nebenzimmer befindliche WC und bereitete sich schließlich seine Mahlzeit zu. Nebenbei startete er schonmal das Programm "Magix Musik Maker 2005" mit welchem er seine musikalischen Ergüsse zu produzieren pflegte. Er hatte sich geschworen, wenigstens einen Song heute aufzunehmen.
Während er sich ein Toast quer in den Mund schob um abzubeißen zog er mit der Maus ein paar Samples willkürlich in das Hauptfenster und fügte sie ebenso willkürlich aneinander. Mit selbiger Willkür öffnete er einige Synthesizer und begann das gleiche Spielchen: Auswählen, reinschieben und einfach irgendwas zufälliges einstellen. Nachdem er den Toast hinuntergeschluckt hatte nahm er sich die Samples erneut vor und öffnete die Menüs. Er klickte einfach irgendetwas an. In diesem Falle, fiel die Auswahl auf "Amplifier Simulation", bei welcher er einfach irgendetwas einstellte was halbwegs vernünftig passte. Auf diese Weise verzerrte er sämtliche Samples und Synthesizer. Teilweise mit Vocodern, Amplifiern oder auch mit massivem Einsatz von Dissortion. In der Regel aber einfach alles was irgendwie nützlich aussah um die Töne zu zerstören. Am Ende waren die Töne teilweise so extrem verfremdet, dass selbst F. sich über so manches Resultat verwundert zeigte. Seine Arbeit wurde eigentlich nur durch das ständige Nachladen des Toasters, welcher hinter ihm auf dem Boden stand, sowie das Essen selbst unterbrochen. Nach gut drei Stunden herumbasteln und gleichzeitig essen, war F. mit seinem knapp 14 Minuten langem Auswurf fertig. Zwar wollte er es ursprünglich als Instrumental belassen, doch er entschied sich kurzfristig anders, suchte eine gespeicherte Seite auf seinem Rechner, welche er nach einigen Klicks auch fand und nahm das Mikrofon in die Hand. Die aufgerufene Seite enthielt eine der Nachrichten, von denen er meinte, dass sie extrem deprimierend und niederwerfend sei. Es ging um die Vorratsdatenspeicherung, besser gesagt um ein neues Gesetz dazu - Eines der Dinge in diesem Land, die F. so sehr beschäftigten und gleichzeitig so aggressiv machten, dass er einfach seine Wut loswerden musste. Er startete die Aufnahme und las den Artikel langsam vor. Nach jedem Satz beendete und speicherte er die Aufnahme. So hatte er Satz für Satz, Stück für Stück und konnte sie nach belieben durcheinander würfeln. Nachdem er auch dies fertig hatte bearbeitete er letztlich noch die Samples dahingehend, dass sie etwas verzerrt, rauschend und aggressiver wirkten und exportierte schließlich den Song als .wav-Datei welche er letztlich auch nocheinmal als mp3-Datei konvertierte. Er nannte den Song einfach "Retrospective", um es als "unangenehme Erinnerung" zu behalten.
Er brannte seine bisherigen Lieder auf eine CD-Rom und zog sich Jacke und Schuhe an. Nach einiger Vorbereitung, wie etwa das Ausschalten des Computers oder das Wegräumen der Nahrungsmittel, verlies er schließlich, mit der CD in der Tasche das Haus und ging Richtung Innenstadt. Nach etwa 40 Minuten Fußmarsch kam er bei einem Haus in einer Seitenstraße an. Er klingelte ein paar mal, bis ihm schließlich die Tür geöffnet wurde. "Ach du bist es" ertönte eine Stimme, "Ich dachte schon du wärst einer von den Bullen!" Die Stimme gehörte Flo, einem engen Freund von F.. Seit in letzter Zeit einige Hausdurchsuchungen im Bekanntenkreis vollzogen wurden, wurde Flo allmählich paranoid. Ähnlich seine Frau Eva, wenngleich Flo um einiges schlimmer war.
F. trat in die Wohnung. Diese Wohnung war nicht so steril wie die von F., sondern eher farbenfroh und warm und kuschelig. F. grinste und drückte Flo die CD in die Hand. "Was ist das?", fragte Flo zurecht etwas verwirrt. "Krach" antwortete F. plump. Doch bevor Flo die CD einschob fragte er "nebenbei vielleicht eine rauchen?". "Ja gern", antwortete F. und ging schon in Richtung Balkon. Seit einiger Zeit war die Wohnung zu einer Rauchfreien Zone erklärt worden, weswegen auf dem Balkon geraucht werden sollte. So gingen die beiden hinaus und steckten sich je eine Zigarette an, während aus dem Wohnzimmer die fertigen Lieder drangen. Nebenbei unterhielten sie sich über Dichtungen und Liedtexte, die sie einst geschrieben haben. Auch über die Eigenart der Subjektivität und das dadurch ausgeschlossene Vorhandensein einer Objektivität. Schließlich war die CD durchgelaufen. "Das ist total verrückt" gab Flo entnervt von sich und gab F. den Tonträger zurück. "Ja!", entgegnete F. grinsend, "Das ist in der Tat verrückt..."
Das war sie. Eine kleine kurze Geschichte über einen Jungen der seine Träume tötete, sich selbst entlang eines Abgrundes schlitterte. Aber nichts von all dem durfte man hier erfahren. Denn hier war nur die Rede von dem was wirklich zählt: Den Interaktionen mit anderen. Wer mehr erfahren will soll sich eingeladen fühlen, den Rest der Apogäum-Seiten zu besuchen. Wer dies nicht möchte, nun auch gut.
Hier noch einmal eine Kurzzusammenfassung all der Unterseiten dieses Zyklus