Quantifizierbarkeit der Pokémon-Stärke

Ein Profi-Artikel rund um die Frage, wie man die Stärke eines Pokémon in Zahlen ausdrücken (quanitifizieren) kann.

Viele Fans fragen sich, welches Pokémon das beste bzw. stärkste ist. Bei dieser Frage gehen wir natürlich vom Nutzen in strategischen Kämpfen aus. Als Antwort darauf bekommt man meisten zu hören: Das ist Geschmackssache, das kann man gar nicht bestimmen, eine Rangliste kann man nicht erstellen. Diese Antworten sind aber kaum zufriedenstellend.

Damit man eine Rangliste erstellen kann, müsste man die Stärke eines Pokémons in Zahlen fassen. Genau darum geht es bei der Quantifizierbarkeit der Pokémon-Stärke. Unter Quantifizierbarkeit versteht man, etwas in Zahlen zu beschreiben. Natürlich ist das nicht besonders einfach, denn zahlreiche Faktoren bestimmen die Stärke. Seien es nun Attacken bzw. Movepools, Charakteristiken, Typeneffekt, Statuswerte, Counter und Alternativen. Die Gewichtung der Faktoren ist subjektiv. Dennoch wollen wir dir Ansätze zur Quantifizierung der Pokémon-Stärke aufzeigen.

Beispiel: Bewertung eines Filmes

Um dir zu zeigen, worum es geht, werden wir zuerst die Qualität eines Filmes quantifizieren. Wie gut ein Film ist, darüber kann man sich ewig streiten. Es ist zu einem großen Teil Geschmackssache. Und dennoch kann man relativ objektiv sagen, welcher Film gut ist, und welcher nicht.

In diesem Beispiel vergleichen wir die drei empfehlenswerten mexikanischen Filme Children of Men, 21 Gramm und Pans Labyrinth sowie die weniger guten Filme Pearl Harbour und Notting Hill. Wobei du vielleicht anderer Meinung bist ...

Intersubjektivität

Wie gesagt treffen bei Filmen ebenso wie bei Musik oder Literatur zahlreiche subjektive Bewertungen aufeinander. Eine einzelne Meinung ist daher nicht viel wert. Aber wenn 90% der Meinungen positiv ausfallen, ist das bereits ein Zeichen, dass der Film sehenswert ist.

Intersubjektivität bezeichnet eine Übereinstimmung in gewissen Aspekten der Wahrnehmung bzw. Rezeption. Intersubjektivität ist also ein Zwischending zwischen Subjektivität und Objektivität. Dabei gilt: Je mehr Meinungen einbezogen wurden, desto mehr geht es in Richtung Objektivität.

Bei Filmen gibt es zahlreiche Seiten, wo die Besucher Filme bewerten dürfen. Die größte Seite mit den meisten Bewertungen pro Film ist die Internet Movie Database, kurz IMDb. Schauen wir uns die durchschnittlichen Bewertungen dieser Filme in der IMDb an. Bewertungen gehen von 1 (schlechteste Wertung) bis 10 (beste Wertung).

Film Bewertung Anzahl Stimmen
21 Grams 7,9 40783
Children of Men 8,4 38517
Notting Hill 7,1 39093
Pans Labyrinth 8,7 34810
Pearl Harbor 5,6 49859

All diese Filme haben so viele Bewertungen, dass die Intersubjektivität nahe bei objektiv angesetzt werden kann. Man kann sich hier noch immer streiten ob Pans Labyrinth besser ist als Children of Men - aber es lässt sich eindeutig sagen, dass Pans Labyrinth viel besser als Pearl Harbor ist.

Auszeichnungen

Jetzt kann man noch weiter gehen und behaupten: Manche Meinungen sind mehr wert als andere. Die Meinungen von einem Film-Freak, der jährlich 50 Filme ansieht sagt mehr aus als die Meinung eines Gelegenheits-Filmsehers. Da könnte man dann Auszeichnungen hernehmen, in denen Experten die Filme bewerten so wie es bei Auszeichnungen gemacht wird. Die zwei wichtigsten Filmauszeichnungen sind der Oscar und die Golden Globes:

Film Oscars Golden Globes Award Gewinne Award Nominierungen
21 Grams 0 0 20 45
Children of Men 0 0 16 33
Notting Hill 0 0 12 26
Pans Labyrinth 3 0 35 94
Pearl Harbor 1 0 9 41

Bei den Oscar-Gewinnen schneidet Pearl Harbor offenbar nicht so schlecht ab - allerdings wurde nur der eher unbedeutende Oscar für Sound-Effekte gewonnen. Wenn man aber nicht nur eine einzelne Auszeichnung hernimmt, sondern alle bedeutenden Preisverleihungen zusammen, spiegelt sich ungefähr die Wertung von der Intersubjektivität wieder.

Wenn ein Film gut ist, so wird das sowohl bei Experten als auch bei der Gesamtheit registriert. Eine Diskrepanz entsteht erst dann, wenn ein Hype um einen Film entsteht oder viele Fanboys abstimmen.

Faktoren gewichten

Zum Quantifizieren sollte man verschiedene Faktoren heranziehen. Das Entscheidende daran ist, die richtigen Faktoren zu nehmen und diese entsprechend zu gewichten.

Man könnte zum Beispiel die Anzahl der verkauften Kinotickets einbeziehen. Doch wie viel sagt das aus? Harry Potter Filme werden etliche Millionen Besucher haben, selbst dann, wenn der Film schlecht ist. Es hängt viel mit Marketing und Erwartungshaltung zu tun. Mäßige Filme werden, wie man zum Beispiel bei Superman Returns gesehen hat, viel mehr beworben als wirklich exzellente Filme. Wie viele von euch haben (vor der Oscar-Verleihung) von Pans Labyrinth gehört - der Film kam Anfang 2007 in die Kinos.

Als Gewichtung könnte man ausmachen: die intersubjektive Wertung macht 80% der finalen Bewertung aus, die gewonnenen Awards 15% und die verkauften Kinotickets 5%. Und damit eine nahezu objektive Zahl angeben, die aussagt, wie gut ein Film ist.

Pokémon Stärke

So, nachdem hoffentlich jeder das Prinzip verstanden hat, wenden wir uns wieder den Pokémon zu. Wichtige Faktoren sind, wie ganz am Anfang gesagt:

  • Attacken bzw. Movepool (Offensive Attacken und Support-Attacken)
  • Statuswerte
  • Typ bzw. Typeneffekt
  • Charakteristik
  • Anzahl der Konter
  • Anzahl der gleichwertigen oder besseren Alternativen

Das alles zu bewerten wäre sehr schwierig. Die verschiedenen Faktoren hängen ja teilweise voneinander ab. So müssen die Attacken ja zu Typ und Statuswerten passen. Abhängig davon lassen sich wiederum Counter und Alternativen bestimmen. Das wäre genau so, als müsste man bei einem Film einzelne Faktoren wie Schauspiel, Handlung, visuelle Effekte usw. bewerten. Beim Film ist das Endergebnis schließlich mehr als die Summe der Teile. Deswegen greifen wir auf andere Daten zurück, aus denen wir schließen können, wie diese Pokémon bewertet werden.

Bewertung

Pokémon kann man ganz einfach bewerten. Man kann jeden Besucher unserer Seite ein Pokémon bewerten lassen. Dadurch findet man einfach heraus, welche Pokémon als gut befunden werden. Aber: Viele der Besucher haben von taktischen Belangen her sehr wenig bis keine Ahnung? Deswegen könnte man zum Beispiel sagen, nur Benutzer mit Turniererfahrung dürfen bewerten. Die Anzahl der Bewertungen wird dadurch zwar geringer, dennoch ist das Ergebnis hochwertiger.

Verwendungshäufigkeit

Die Verwendungshäufigkeit (im Bereich der strategischen Kämpfe) sagt aber noch mehr aus. Denn wir können davon ausgehen, dass bessere Pokémon auch häufiger benutzt werden - denn jeder möchte gewinnen, und das geht nur mit guten Pokémon.

Dazu können wir die offiziellen Daten von Pokémon Global Link oder Tier-Listen (=eine spezielle Häufigkeits Liste) ebenso heranziehen wie die Statistiken der Teamanalyse. Je nach Format unterscheiden sich die Nutzungshäufigkeiten, da einzelne Pokémon im Einzel sehr schwach sein können, im Doppe jedoch aufblühen, oder umgekehrt. Derzeit sind die folgenden Pokémon die am häufigsten in Teams Vorkommenden:

Dies sind sehr gute Aufstellungen über die besten Pokémon. Es zeigt sich, dass einige Pokémon nur in bestimmten Formaten stark sind (Knakrack im Einzel), während bspw. Demeteros in jedem Format stark ist. Aber die Verbote in den einzelnen Formaten (Keldeo auf Global Link; Kangama auf Smogon) führen nach wie vor zu geringen Verzerrungen. Die verbotenen, weil zu starken, legendären Pokémon wie Mewtu, Deoxys und Kollegen sind hier ausgenommen.

Popularität

Was man noch einbeziehen könnte, ist die Popularität, die man zum Beispiel durch die Anzahl der Aufrufe in unserem Pokédex sehen kann.

Einziger Haken: Pokémon wie Pikachu, häufig gesuchte und niedliche Pokémon, sind auch in diesen Listen recht weit vorne. Deswegen ist auch Pikachu auf dem ersten Platz. Dahinter kommen mit Arceus, Metagross, Despotar, Relaxo und Brutalanda aber wieder ausnahmslos starke Pokémon.

Statuswerte

Einen der früher genannten Faktoren, die die Stärke eines Pokémons ausmachen, nämlich die Statuswerte, sollte man gesondert herausstreichen:

Dinge wie Movepool oder Charakteristiken müsste man erst selbst bewerten und wieder mit einer Zahl ausdrücken. Der Gesamt-Statuswert ist aber schon ein ziemlich eindeutiger Wert: Die Pokémon mit den besten Werten findest du in jeder Aufzählung der besten Pokémon wieder. Eine kleine Ausnahme ist es, wenn Pokémon extra hohe Statuswerte hat, die aber von den Entwicklern durch hindernde Charakteristiken aufgewogen wurden (Letarking oder Regigigas).

Resümee

Als abschließendes Resümee lässt sich sagen: Man kann so ziemlich alles, sei es noch so subjektiv, mit Zahlen objektivieren. Wichtig ist es, etwas zu finden, das indirekt die Stärke, die Qualität bewertet und relativ leicht zu erheben ist.

Bei den Pokémon Editionen gab es immer Uneinigkeit, welches Pokémon das Beste ist. In der ersten Generation lässt sich noch sagen, es ist Mewtu. In der zweiten und dritten Generation kann man ewig streiten. Aber eines ist den Meisten klar: Das beste Pokémon aller Zeiten ist eindeutig Arceus.

An diesem Inhalt haben The Libertine, Delirium und Gischa mitgearbeitet.


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