Stall in BW

Stall galt in BW weit verbreitet als "ausgestorben" und "unspielbar", doch obwohl mittlerweile bewiesen wurde, dass solche Behauptungen schlichtweg falsch sind, hält sich die Meinung über Stall hartnäckig. "Zu schwierig", "schwer zu bauen" oder auch "langweilig" und "amateurhaft" sind Prädikate, mit denen man den defensivten aller Spielstile heute beschreibt. In diesem Guide wird diesen Spielstil näher erforscht und vor allem Richtlinien zum Teambau und der korrekten Benutzung beleuchtet.

Wichtig zu erwähnen ist, dass für diesen Guide gewisse Voraussetzungen vorhanden sein sollten. Ohne das Vorhandensein wichtiger Grundkenntnisse der Strategie ist es nicht möglich, alle Teile dieses Guides zu verstehen. Des Weiteren sei zu erwähnen, dass sich der Guide im Wesentlichen auf das BW OU Metagame bezieht. Einige Aspekte kann man auf auch auf andere Modi beziehen, prinzipiell sollte man das hier vermittelte Wissen aber nicht verallgemeinern.

Allgemeines

Definition und Abgrenzung

Stall bezeichnet einen Spielstil, der hauptsächlich durch Passivschaden in Form von Entry Hazards, Statusveränderungen, manchmal auch Wetter oder Egelsamen verursacht und dabei meist 5-6 Walls (also Staller) benutzt. Man versucht also, zu verteidigen und zu verhindern, dass gegnerische Sweeper durch die eigene Verteidigung brechen. Man kann Stall auch als Zermürbungstaktik bezeichnen, indem man langsam, aber konstant das gegnerische Team schwächt. Wichtig ist die Abgrenzung zu den Begriffen Semi-Stall und TSS. Semi-Stall-Teams besitzen im Gegensatz zu Full-Stallteams meist etwas mehr Offensivpotential, z.B. in Form eines Bulky-Setup-Sweepers (z.B. Jirachi oder Latias mit Gedankengut), welche zum einen Defensivaufgaben übernehmen können, zum anderen am Ende des Kampfes dank der Unterstützung durch den Passivschaden die Möglichkeit haben können, das gegnerische Team zu sweepen. Auch werden in Semi-Stall-Teams oft Revenger verwendet, die selbst häufig kaum Defensivfunktionen haben. TSS hingegen ist eine Abkürzung und steht für Toxic, Spikes, Sandstorm. TSS war zu Zeiten der 3.Generationen eine beliebte Strategie, bei der man mit eben jenen Mitteln versucht, den Gegner zu besiegen. Zum einen sind im Gegensatz zu Stall aber viele verschiedene, auch offensive Elemente, möglich. Zum anderen sind Strategien, wie das Einbauen möglichst vieler Sandsturmimmunitäten, schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. Wichtig: TSS in dieser Form ist nur in Gen3 möglich und sollte nicht in Gen4 und Gen5 gespielt werden, da es in den neueren Generationen viel wichtiger ist, Resistenzen einzubauen, außerdem wird es dem Stallspieler erleichtert, Schaden zu verursachen, da dank Tarnsteinen und Leben-Orb viele Sweeper leichter zu besiegen sind (in Gen3 ist es viel schwieriger, an Pokémon wie Aerodactyl "heranzukommen").

Warum Stall für unspielbar gehalten wird

Nun, zum Beginn einer neuen Generation gibt es meist auch obligatorische Diskussionen, ob und inwiefern Stall erfolgreich zu spielen möglich ist. Stall hat dabei mit verschiedenen Problemen zu kämpfen:

  • Der Power-Creep, also die Entwicklung, dass Pokémon, Items und Attacken insgesamt immer stärker werden.
  • Die erhöhte Anzahl von Pokémon insgesamt, die es immer schwerer werden lässt, möglichst alles mit nur 6 eigenen Pokémon zu kontern.
  • Die Vielseitigkeit von möglichen Grundstrategien (z.B. Wetter, offensive Teams mit Stacheln, andere Stallteams), die es für Stall schwer macht, sich effektiv auf alles wichtige vorzubereiten.

Obwohl alle diese Argumente mit Sicherheit ihre Berechtigung haben, lassen sie sich z.T. auch entkräften:

  • Nicht nur Sweeper, sondern auch Staller werden immer stärker und erhalten neue Wege, ihre Strategie umzusetzen. Pokémon mit den Defensivqualitäten von Tentantel, Demeteros-T oder Hippoterus wären in früheren Generationen extrem stark gewesen, genauso wie es z.B. Panferno mit Leben-Orb oder Lucario in Generation 3 gewesen wäre.
  • Zwar erhöht sich die Gesamtzahl der Pokémon, doch im OU sind in jeder Generation meist nur konstant etwa 50 Pokémon, wovon auch nur etwa 30 wirklich oft benutzt werden. Dadurch genügt es durchaus, wenn man beim Teambau alle wichtigen Pokémon kontert und sich damit begnügt, gegen andere, dafür aber seltener benutze Pokémon etwas Probleme bekommt.
  • Genauso wie Stall müssen auch andere Strategien damit kämpfen, in möglichst vielen verschiedenen Fällen zu funktionieren.

Man sieht also, dass Stall auch in Gen5 noch eine Existenzberechtigung hat. Betrachtet man zudem den Smogon-WCup 2013, bei dem hochklassige Simulatorenspieler der ganzen Welt aufeinander trafen, so zeigte sich, dass die dort benutzten Teams recht häufig Stallteams waren. Somit ist Stall als Spielstil auch unter den besten Spielern verbreitet und gut benutzbar.

Warum sollte ich Stall spielen?

Stall hat einige interessante Vorteile gegenüber einigen anderen Spielstilen. Du musst selber entscheiden, ob du gerne Stall spielen möchtest oder nicht, jedoch solltest du es zumindest einmal ausprobieren und dich nicht von dem Ruf, Stall sei langweilig und schwer zu spielen, abschrecken lassen. Zum einen wird deine Prediction minimiert, du musst wenig Risiko eingehen. Das bedeutet, du musst nicht unbedingt Vorhersagen treffen, was der Gegner als nächstes tut, sondern solange der Gegner nur einen geringen Druck auf deine Defensive ausübt, kann es reichen, einfach immer einen Counter einzuwechseln. Zwar ist es eindrucksvoll, wenn man die gegnerischen Züge alle durchschaut, aber es handelt sich dabei immer nur um Vermutungen, man kann sich nicht zu 100% sicher sein, wie der Gegner reagiert. Deshalb ist es von Vorteil, Walls zu besitzen, die unabhängig vom gegnerischen Zug einwechseln können. Während offensive Teams sich dies oft nicht leisten können, weil sie keinen Counter einbauen können, sondern nur Checks, haben Stallteams den Vorteil, dass sie hierbei sehr sicher sind. Das gilt insbesondere, wenn man gegen schlechtere Offensivteams spielt, bei denen Sweeper einfach bunt zusammengewürfelt sind. Hier hat Stall den Vorteil, dass kaum Druck auf die Defensive ausgeübt wird und man auf lange Sicht den Kampf leicht gewinnt.

Dies führt und zum zweiten Punkt: Stall fördert das Langzeitdenken. Das bedeutet, du musst gegen bessere Gegner etwas weiter vorausplanen und deine Resourcen, also die KP deiner Walls, gut einteilen. Behält man den Überblick, womit man wen countern kann und welche Pokémon in einem spezifischen Matchup wichtig sind, erleichtert dies oft auch die Prediction! Wird man als Stallspieler jedoch zunehmend in eine Situation gedrängt, in der man gut predicten muss, ist man oft dabei, den Kampf zu verlieren, da hier ein wichtiges Pokémon zu verlieren oft bedeuten kann, den Kampf zu verlieren. Noch ein wichtiger Hinweis: Prediction sollte nicht mit Momentum und Spielkontrolle verwechselt werden! Hat man die Kontrolle in einem Kampf, muss man oft nicht mehr predicten, sondern kann einfach ganz normal sein Spiel spielen. Beispiele dafür wären, wenn man Stall spielt und im Gegensatz zum Gegner Tarnsteine ausgelegt hat, ohne dass dabei die eigenen Staller signifikant geschwächt wurden oder man spielt als Offensivspieler gegen Stall und zwingt den Gegner ständig zum Einsatz von Heilungsattacken, weil man zu viel Schaden verursacht.

Teambau

Grundlagen

Stallteams verwenden im Allgemeinen Pokémon, die sehr viel aushalten und über Heilungattacken, Attacken zur Unterstützung des Teams und Statusattacken verfügen. "Normale" Angriffsattacken sind zwar auch nötig, stehen aber eher im Hintergrund. Bei der EV-Verteilung werden fast immer zuerst die KP aufs Maximum gebracht, da dies meistens fast genauso effizient ist, als würde man stattdessen beide (!) Verteidigungswerte maximieren. Ausnahmen sind lediglich Heiteira oder Relaxo. weil hier der Basis-KP-Wert extrem hoch ist, hat man hier auch andere Möglichkeiten. Anschließend konzentriert man sich meist auf einen der Verteidigungswerte. Man hat aber auch die Möglichkeit, etwas in die Offensive oder die Geschwindigkeit zu stecken, je nach Bedarf des Teams. Die defensiven Werte sollten aber im Vordergrund stehen. Das beste Item für die meisten Staller ist Überreste. Es gibt aber Alternativen, z.B. Giftschleim (siehe "Trickbetrug"), Wechselhülle (siehe "Trapping"), Evolith für nicht voll entwickelte Pokémon und einige andere. Vor allem die Notfallabsicherung erhält oft einen Wahlschal oder ein anderes "offensives" Item.

Einige bekannte Staller bzw. Walls: (Hinweis: Es handelt es sich nur um einige Beispiele, es sind natürlich viele weitere Pokémon möglich)

Der Startpunkt

Stallteams bieten viele verschiedene Möglichkeiten. Oftmals fällt es schwer, den Start zu finden. Daher gibt es hier einige Anregungen, Ideen bzw. Fragen, die ihr euch beim Bau eines Stallteams überlegen solltet?

Hat man erst einmal 1 bis 2 Pokémon zusammen, ergibt sich der Rest häufig recht schnell. Überlegt, welche Schwächen ihr noch abdecken müsst, welche Pokémon ihr noch countern müsst und fügt Schritt für Schritt eure Pokémon hinzu.

Redundanz

Sehr wichtig bei Stallteams ist es, nicht zu viele Konter für bestimmte Pokémon einzupacken. Denkt daran, dass ihr nur 6 Pokémon einpacken könnt, deshalb müsst ihr effizient möglichst viele Probleme lösen. Bei manchen Pokémon kann es nicht schaden, mehrere Absicherungen je nach Set zu haben (z.B. bei Setup-Sweepern wie Dragoran oder vielseitigen Pokémon wie Jirachi), achtet aber darauf, dass eure beiden Konter nicht komplett dieselben Dinge abdecken. Beispiele für redundante Kombinationen wären Forstellka und Panzaeron, Hippoterus und Skorgro und Demeteros-T, Celebi und Hutsassa. Die meisten dieser Kombinationen werden nicht verwendet, benutzt entweder das eine oder das andere Pokémon.

Hazardkontrolle

Eine wichtige Aufgabe eines Stallteams ist, dass der Stallspieler in der Lage ist, mithilfe verschiedener Hilfsmittel eigene und gegnerische Hazards (Tarnsteine, Stachler, Giftspitzen) kontrollieren zu können. Dazu ist Folgendes nötig:

  • Eigene Tarnsteine, ein absolutes Muss! Tarnsteine sind für jedes Team nahezu unverzichtbar und das gilt insbesondere für Stall, ein Spielstil, bei dem man auf Passivschaden angewiesen ist.
  • Falls möglich: Stachler und/oder Giftspitzen, welche den Gegner bei Wechseln umso mehr unter Druck setzen.
  • Ein Spinner (Ein Pokémon mit Turbodreher), welcher gegnerische Auslegerware wieder loswerden kann. Wichtig ist hier: Man kann ein Stallteam ohne Spinner oft sehr leicht mit seinen eigenen Waffen schlagen, da viele Sweeper leichter bestimmte Walls OHKOn/2HKOn, wenn zusätzlich der Schaden beim Einwechseln vorhanden ist.

Zusätzlich sind die folgenden Komponenten zwar nicht unbedingt nötig, aber durchaus sehr hilfreich:

  • Ein Spinblock (Geistpokémon, welches gegen möglichst viele Spinner gewinnt), um den Gegner daran zu hindern, Turbodreher einzusetzen.
  • Eine effiziente Möglichkeit, die gegnerischen Komponenten effektiv auszuschalten. Dieser Begriff ist natürlich sehr umfassend. Hier sind z.B. Voltwechsel/Kehrtwende-Cores (z.B. Forstellka + Demeteros-T), Verfolgung (Despotar, Bissbark) oder sogar richtige Trapper (Digdri in Sunstall) möglich. Auf diese Weise kann man unter Umständen die wichtigen Komponenten für die Hazardkontrolle des Gegners schwächen oder komplett lahmlegen.

Beispielteamkerne zur Hazardkontrolle:

Hier sind verschiedene Teamkonzepte zu sehen, die man als Grundlage für ein Stallteam verwenden kann. Betrachtet man zunächst den Sandstallcore, sieht man, dass Forstellka gleichzeitig Stacheln auslegt und mit Turbodreher gegnerische Stacheln wieder wegwirbelt. Zudem verfügt es über Voltwechsel, dadurch kann man z.B. auf den gegnerischen Spinner oder Spinblocker effizient reagieren und ihn mit Despotar, welches meist mit einem Wahlschal oder Wahlband in solchen Stallteams gespielt wird, dank Verfolgung besiegen (funktioniert v.a. gegen Starmie oder Apoquallyp). Die eigene Qualle verhindert zudem den gegnerischen Einsatz von Turbodreher.

Der Regencore funktioniert etwas anders. Quaxos Niesel sorgt in der 5. Generation noch für endlosen Regen, von dem sowohl Tentantel, als auch Tentoxa profitieren. Tentantel kann wahlweise Tarnsteine, Stachler oder beides benutzen, Tentoxa ist im Regen ein extrem langlebiger Spinner und kann entweder Giftspitzen auslegen oder mithilfe von Toxin + Delegator / Schutzschild vor allem Apoquallyp besiegen und so den Einsatz von Turbodreher ermöglichen.

Sunstall ist ein wenig ungewöhnlich, kann aber dennoch effektiv sein. Xatu sorgt mithilfe seiner Fähigkeit dafür, dass der Gegner keine Tarnsteine oder andere Hazards benutzen kann. Zudem können wichtige Komponenten des Gegners, z.B. Despotar oder Heatran, sowie Spinner oder ähnliches von Digdri sicher besiegt werden, falls man es schafft, Digdri sicher einzuwechseln und gegebenenfalls die Komponente des Gegners bereits schwächt, sodass Digdri diese besiegen kann.

Wichtig ist, dass solche Cores häufig nicht vollständig sind. So fehlen z.B. im Sandcore die Tarnsteine und im Suncore gibt es keinen Stachler oder Giftspitzen, zudem kann Xatu nicht gegen alles die Auslegerware verhindern.

Durch die andere Teampokémon sollte man daher versuchen, den Core optimal zu unterstützen und möglicherweise fehlende Komponenten zu ergänzen.

Scarfer oder nicht? / Notfallabsicherung

Häufig muss man sich gegen Ende des Teambauens bei Stall fragen, ob man eine Notfallabsicherung einbauen möchte oder darauf verzichtet. Beide Optionen sind dabei möglich und haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile.

Vorteile einer Notfallabsicherung:

  • Stallteams sind oft anfällig gegen Volltreffer und andere Glücksfaktoren. Eine Notfallabsicherung ist dabei in der Lage, den Stallspieler zurück ins Spiel zu holen.
  • Stallteams leiden oft an Problemen, die eine Wall nicht lösen kann. Hat der Gegner zum Beispiel ein Crocune als letztes Pokémon, so ist Trickbetrug von einem Scarfer eine sehr gute Möglichkeit, dieses zu besiegen.

Vorteile einer 6.Wall:

  • Sechs komplett defensive Pokémon halten mehr aus als fünf.
  • In Stallwars ist die Notfallabsicherung häufig nutzlos und kann nicht sehr viel bewirken, außer unter Umständen mit Trickbetrug eine gegnerische Wall zu schwächen.

Beispiele für Notfallabsicherungen:

Der Begriff der Notfallabsicherung ist sehr umfassend. Generell sind dabei entweder Scarfer, Pokémon mit Prioritäts-Angriffen oder manchmal sogar sehr schnelle, eher offensive Pokémon möglich. Hier einige Beispiele:

Moveset: Jirachi

Moveset: Despotar

Moveset: Demeteros-T

Alle diese Pokémon haben eines gemeinsam: Sie können viele verschiedene Sweeper, insbesondere Setup-Sweeper, als letzter Check aufhalten. Zudem können sie meist noch einige andere Probleme lösen, so kann Despotar z.B. mit Verfolgung Unterstützung leisten, während Jirachi mit Trickbetrug Gefahren wie Crocune als letztes Pokémon beseitigen kann. Ein Wahlschal ist übrigens keine Pflicht, es funktionieren manchmal auch Pokémon mit Prioritätsattacken (z.B. Scherox) oder sehr schnelle Pokémon, die trotzdem Defensivaufgaben oder Unterstützung bietet können.

Probleme und Lösungen

Natürlich reicht es nicht, nur ein paar wichtige Sweeper zu countern. Bestimmte Strategien können sehr gefährlich gerade für Stallteams sein. Deshalb ist es wichtig, sich nach Möglichkeit Ideen auszudenken, die solche Strategien bekämpfen:

Gegnerische Entry Hazards

Eine der größten Gefahren für den Stall ist es, mit den eigenen Waffen geschlagen zu werden. Wichtig ist, das eigene Feld immer sauber zu halten, gegen andere Stallteams und gegen offensive Teams mit Stacheln. Denn hat der Gegner Tarnsteine oder Stacheln, können einige Counter ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen, da der Schaden durch die Hazards kombiniert mit dem Schaden durch die gegnerischen Sweeper zu hoch wird. Siehe dazu den Unterpunkt Hazardkontrolle.

Stallbreaker

Dieser Begriff ist sehr umfassend und bezeichnet fast alles, womit Stall große Probleme bekommt. Populäre Stallbreaker sind z.B. Toxin-Skorgro, gemixte Angreifer wie Panferno, Kyurem-B oder Mixdragoran, SpVert-Heatran, Iksbat, Xatu, Zobiris und einige andere. Diese Pokémon werden oft in offensiven oder ausbalancierten Teams speziell gegen Stallteams verwendet. Wichtig ist: Obwohl alle diese Pokémon Stall Probleme bereiten, gibt es meist solide Lösungen, mit denen man sie entweder countern oder umspielen kann. Iksbat und Zobiris werden z.B. von einem eigenen SpVert-Heatran gewallt, SpVert-Hippoterus kann es mit vielen Drachen aufnehmen, SpVert-Jirachi gewinnt gegen viele Kyurem-Versionen, Panzaeron ist gegen Skorgro ohne Verhöhner erfolgreich usw. Allgemein sollte man gegen Stallbreaker etwas aufpassen, allerdings verliert ein Stallteam bei weitem nicht nur deswegen, weil der Gegner einen Stallbreaker hat. Er muss ihn auch effektiv benutzen, um im Kampf zu gewinnen.

Trapping ("Einfangen")

Trapping kann gerade für Stallteams ein sehr großes Problem sein, da der Gegner ziemlich effizient ein oder mehrere Schlüsselpokémon besiegen kann. Dadurch haben die gegenrischen Sweeper dann freie Bahn, da der Counter besiegt wurde. Details zum Trapping findet ihr hier. Wichtig: Durch die Wechselhülle kann man sich vor den meisten Arten des Trappings schützen, wenn man es für erforderlich hält. Allerdings verliert man dadurch die Möglichkeit, dank Überreste KP wiederherzustellen. Eine Notfallabsicherung verhindert, dass man sofort nach Beseitigung eines Counters gesweept wird.

Baton Pass (Staffette)

Eine seltene und oft verpönte Strategie, die aber extrem gefährlich für Stallteams ist, ist ein Staffette-Team, welches Boosts an einen sehr starken Sweeper weitergibt oder eine ganze Kette bildet. Gegen Ketten-BP-Teams hilft Abgesang, ansonsten sind Wirbelwind, Brüller und Verhöhner sowie eine vorsichtige und genaue Spielweise erforderlich. Gute BP-Teams können Stallteams meist sehr einfach besiegen, allerdings werden sie selten gespielt. In einigen Tiers gibt es inzwischen sogar Regelungen, die den Einsatz von Staffette beschränken.

Überlastung und Lures

Baut der Gegner zuviel Druck auf einen oder zwei Staller auf, spricht man generell auch von Überlastung. Dabei ist das Gegnerteam so aufgebaut, dass z.B. viele physische Drachen die physischen Walls überlasten sollen. Schafft ihr es trotz ständigem Einsatz von Heilungsattacken nicht, eure Staller bei einigermaßen vollen KP zu halten, ist es wahrscheinlich, dass der Gegner dann irgendwann durch die Defensive bricht. Ein gutes Verteilen der Lasten ist daher wichtig, z.B. können Panzaeron und Hippoterus zusammen sehr stark sein, da sie sich gegenseitig etwas entlasten können. Auch ist es wichtig, dass ihr euer Feld sauberhaltet, da bereits allein Tarnsteine auf Dauer extremen Schaden machen können. Eine besondere Erwähnung finden hier außerdem noch Lures. Dies sind Pokémon, die ihre üblichen Counter durch besondere Movesets überraschen und so besiegen wollen. Ein Beispiel wäre z.B. Jirachi mit Kraftreserve [Eis], um Demeteros-T zu überraschen und so den Weg frei für die anderen Sweeper zu machen. Wichtig ist deswegen, vorsichtig zu sein und die gegnerischen Sets genau zu überprüfen.

Trickbetrug

Gegnerische Pokémon mit Trickbetrug können eine erhebliche Gefahr für Staller darstellen. Erhält ein Staller nämlich auf diese Weise ein Wahlitem, ist man in der Attackenauswahl stark eingeschränkt, sodass dieses Pokémon dann oft nicht mehr seine Aufgabe erfüllen kann. Eine gute Kontermethode ist z.B. ein Wahlschal-Despotar, welches mit Leichtigkeit in viele typische Trickbetrüger einwechseln und diese dann effektiv mit Verfolgung besiegen kann, da es sich häufig um Psycho-Pokémon wie Latios handelt. Hat man gar kein Pokémon mit Wahlschal zur Hand, kann es manchmal interessant sein, ein Gift-Pokémon mit Giftschleim zu spielen. Doch Vorsicht! Der Gegner kann den Giftschleim auch geschickt an einen anderen Staller von euch weiterverteilen und so durch Itemtausch gleich 2 eurer Pokémon stark schwächen!

Letztes Pokémon

Stallteams müssen besonders aufpassen, wenn der Gegner nur noch ein einziges Pokémon übrig hat, da dadurch die Kampfbedingungen geändert werden: Wirbelwind und Brüller funktionieren z.B. nicht und dadurch können Pokémon wie Fluch-Relaxo oder Gedankengut-Suicune zu unaufhaltsameren Gefahren werden. Auch Sweeper wie defensives Schwerttanz-Scherox können problematisch werden, hat man keine Feuerattacke mehr zur Hand. Gegen solche Strategien kann man vorgehen, indem man sich ein Pokémon mit Abgesang aufhebt oder eine Notfallabsicherung wie Jirachi benutzt, die dem Gegner mit Trickbetrug ein Wahlitem schenkt. Eine seltener gesehene Möglichkeit ist ein Geist-Pokémon mit Fluch, z.B. Kryppuk. Hat man keine dieser Methoden zur Hand, muss man den Gegner clever umspielen, sodass das letzte Pokémon des Gegners, z.B. dank der Entry Hazards, mit wenig KP aufs Feld kommt und man es sofort besiegen kann, bevor es seine Boostattacken benutzen kann.

Sei kreativ!

Häufig bekommen Stallspieler zu hören, alle Stallteams sähen gleich aus. Dies stimmt bei weitem nicht! Stall bietet oft Platz für ein oder sogar mehrere ungewöhnliche Pokémon aus unteren Tiers, manchmal etablieren sich sogar häufig offensiv gespielte Pokémon als defensivstarke Optionen, wie z.B. Garados in Gen4 oder Despotar in Gen5. Beispiele für interessante Staller aus unteren Tiers sind Morlord, Tangoloss, Laschoking und Lahmus, Xatu und viele andere. Simsala und Latias machen Probleme? Probiert doch einfach mal Grypheldis als Counter aus. Kapilz und Keldeo bereiten Probleme? Warum nicht Hutsassa benutzen? Auf diese Weise lassen sich häufig Pokémon integrieren, die ungewöhnlich sind und selten benutzt werden. Manchmal machen diese ihren Job sogar besser als OUs! Wenn ihr ein Stallteam baut, bezieht auf jeden Fall auch ungewöhnliche Pokémon mit ein!

Zum Abschluss eine kleine Checkliste:

  • Alle wichtigen Sweeper abgesichert?
  • Tarnsteine im Team? Gegebenenfalls weitere Auslegerware?
  • Counter gegen alle wichtigen Wetterarten?
  • Hazardkontrolle? Spinner?
  • Notfallabsicherung?
  • Antwort auf wichtige Stallbreaker vorhanden?
  • Gute Balance gegenüber physischen und speziellen Walls?
  • Evtl. weitere Attacken zur Untersützung vorhanden (Heilung (!), Phazing, Statusveränderungen usw.)?
  • Ist eine gewisse eigene Offensive vorhanden?

Wichtig ist, dass ihr die Checkliste nur als grobe Richtlinie wahrnehmt. Zudem sollte der Fokus natürlich auf dem Abdecken von Sweepern liegen.

Im Kampf

Spielplan

Natürlich ist ein gutes Team zu bauen wie immer nur die halbe Miete, man muss damit auch umgehen können. Zwar ist es unmöglich, einen Leitfaden zu erstellen, der jede Situation umfasst, jedoch sollte man das "Mindset" kennen, mit dem man diese Spielweise umsetzt, also die Idee bzw. den Grundgedanken hinter Stall.

Grundsätzlich sollte euer Spielplan folgendes umfassen: Legt eure Entry Hazards aus, um Druck auszuüben, haltet euer Team gesund und identifiziert genau, welche Möglichkeiten der Gegner hat, euer Team zu sweepen. Wichtig ist, immer den Überblick zu behalten. Hat der Gegner ein Regenteam mit Quaxo und Keldeo, dann passt z.B. besonders auf eure Wasserresistenzen und eure Keldeocounter auf. Hat der Gegner stattdessen ein Team mit vielen physischen Angreifern, wie Terrakium und Scherox, sind eure physischen Walls im Kampf besonders wichtig! Zuletzt solltet ihr immer versuchen, schrittweise Siege zu erringen, z.B. indem ihr es schafft, den gegnerischen Spinner immer weiter zu schwächen oder einen starken gegnerischen Sweeper mit einer Statusveränderung belegt und ihn so unschädlich macht. Häufig gilt: Je länger der Kampf dauert, desto besser für euch! Denn als Stallspieler verfügt ihr über Heilung, die der Gegner vielleicht nicht hat.

Opfern

Manchmal wird auch die beste Defensive in nahezu ausweglose Situationen gedrängt. Dann kann es helfen, ein Pokémon, dass ihr nicht / am wenigsten benötigt, gezielt zu opfern, um so eine Freirunde zu erhalten, in der entweder eure Notfallabsicherung den gegnerischen Sweeper besiegen kann oder eines euren Pokémon Zeit hat, sich zu heilen. Ein Beispiel: Der Gegner benutzt ein Leben-Orb-Keldeo. Leider ist dein Hauptcounter, Apoquallyp, stark geschwächt auf 60% Leben und könnte von 2 Treffern der Kraftreserve [Geist] besiegt werden. Darum sucht ihr ein Pokémon aus eurem Team, was nicht mehr gebraucht wird, da der Gegner z.B. keine Sweeper mehr hat, für die dieses Pokémon nötig wäre und opfert es, indem ihr es in Keldeo einwechselt. Anschließend könnt ihr Apoquallyp wieder einwechseln. Es muss jetzt nur einmal die Kraftreserve einstecken und kann sich dann mit Genesung hochheilen. Wichtig: Natürlich sind Opfer eine Notlösung, irgendwann kommt ihr in Situationen, wo ihr eigentlich kein Pokémon mehr opfern dürft, weil alle zu wichtig sind und ihr so das Spiel verliert.

Risiko

Wichtig beim effektiven Ausspielen eines Stallteams ist, das man einschätzen kann, wie viel Risiko man bei seinen Spielzügen eingehen kann bzw. ob dies überhaupt nötig ist. Aggressiv ausgespielte Stallteams können extrem gefährlich sein, da man mit Doppelwechseln z.B. schneller als gewöhnlich seine Auslegerware aufs Feld bekommt. Jedoch sollte man Vorsicht walten lassen! Ein grober Fehler, der ein ganzes Pokémon kosten kann, kann in einem Stallteam sehr schnell so verhängnisvoll sein, dass man dadurch das ganze Match verliert, weil man hinterher eine Lücke in der Defensive hat. Auch sollte man analysieren, ob es überhaupt nötig ist, Risiko einzugehen. Baut der Gegner kaum Druck auf, reicht es, vorsichtig zu spielen. Deshalb sollte man riskante Züge durchaus in Erwägung ziehen, aber in keinem Fall zu aggressiv spielen, da Stallteams sehr grobe Fehler kaum verzeihen.

Stallwars und wie man sie gewinnt

Als "Stallwars" bezeichnet man Kämpfe, bei denen 2 verschiedene Stallteams aufeinander treffen. Diese Kämpfe bieten normalerweise eine hohe strategische Tiefe, da der Kampf hauptsächlich durch den Passivschaden und nicht durch direkte Attacken ausgetragen wird. Ein Stallwar wird meist durch 2 Hauptakteure entscheiden, nämlich durch den Spinner und durch den Spinblock der beiden Teams. Auf Grund der defensiven Ausrichtung von Stallteams können Pokémon wie Panzaeron sehr leicht ihre Aufgabe erfüllen und Stacheln auslegen. Kann eines dieser Teams diese nicht mehr loswerden, das andere jedoch schon, ist das Spiel meist entschieden. Deshalb hat es in Stallwars oberste Priorität, dass ihr versucht, euren Spinner und euren Spinblock gesund zu halten und dabei die gegnerischen Gegenparts immer weiter schwächt.

Zusammenfassung

Entgegen vieler Vorurteile ist Stall auch im BW OU eine gut spielbarer Spielstil. Es sind jedoch gute Kenntnisse über diesen Spielstil erforderlich, um ihn spielen zu können bzw. um gegen gegnerische Stallteams bestehen zu können. Auf jeden Fall lohnt es sich, einmal ein Stallteam zu bauen und diesen Spielstil auszutesten!

An diesem Inhalt haben mbh, Delirium und Gockel mitgearbeitet.


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