Film: Der seltsame Fall des Benjamin Button

Bewertung: 4 Ein seltsamer Fall
Rezension verfasst von The Libertine am 23.12.2010:
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Die Verfilmung der fantastischen Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald weckte hohe Erwartungen. Herausgekommen ist zwar ein sehenswerter Film, aufgrund zahlreicher Schwächen blieb dieser jedoch hinter seinen Ansprüchen zurück. Eine Filmkritik.

Benjamin Button wurde „unter ungewöhnlichen Umständen geboren“, am Ende des ersten Weltkriegs. Benjamin Button ist keineswegs ein normales Baby. Sein Körper entspricht, abgesehen von seiner Körpergröße, dem Körper eines Greises. Er leidet bereits bei der Geburt an Arthritis, sein Gesicht ist voller Falten. Die Ärzte bescheinigen ihm nur ein kurzes Leben, seine Mutter stirbt bei der Geburt und sein Vater setzt das Baby einfach aus. Doch wie durch ein Wunder verstirbt Benjamin nicht frühzeitig, sondern sein Körper verjüngt sich während der Junge geistig reift.

Alleine die Ankündigung, dass Regisseur David Fincher die Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald verfilmen würde, versetzte Cineasten in Ekstase. Fincher gilt immerhin als begnadeter Regisseur, er hat mit Fight Club, Se7en und Zodiac mehrfach sein herausragendes Können unter Beweis gestellt. Bereits seit dem Jahr 2007 wurde der Film in einschlägigen Diskussionsforen als potentieller Oscar-Anwärter genannt. Neben einer fantastischen Geschichte und einem tollen Regisseur sprach auch die hochkarätige Besetzung für den Film: Brad Pitt in der Hauptrolle, dazu Cate Blanchett, Julia Ormond und Tilda Swinton in Nebenrollen. Zumindest in Bezug auf die Oscars hatten die Filmfans recht – unglaubliche dreizehn Oscar-Nominierungen sind es geworden.

Doch „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ kann den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Rein technisch gesehen ist der Film brillant – die Bildsprache ist umwerfend, Maske und Spezialeffekte machen den Alterungsprozess der Darsteller optisch glaubwürdig. Dennoch mangelt es dem Film an dem gewissen Etwas, das ich rational kaum erklären kann. Benjamin Button ist – trotz seiner fantastischen Geschichte – schlicht und einfach eine todlangweilige Figur.

Button wird ausschließlich durch das kuriose Faktum definiert, dass er jünger statt älter wird. Über Buttons Innenleben erfahren wir hingegen nichts. Dies führt schlussendlich dazu, dass erst in den letzten 10 Minuten des rund 160 Minuten langen Films erstmals Gefühle beim Zuschauer aufkommen. Fincher konnte mit seinen Thrillern zwar die Zuschauer auf die Folter spannen, bei der Gefühlswelt seiner Filmfigur besteht jedoch akuter Nachholbedarf. Ebenso störend war die Rahmenhandlung: Retrospektiv gesehen ist diese eigentlich recht gut, aber während des ersten Sehen des Films nervten die Unterbrechungen einfach.

Vielleicht wäre der Film ja besser gewesen, wenn er sich stärker an der Vorlage orientiert hätte: Da durfte Button in den ersten Jahren seines Lebens bereits rauchen. Da erzählt Fitzgerald von Buttons Erfahrungen an der Universität. Die Filmversion wurde hingegen großteils auf eine Liebesgeschichte reduziert. Ein bisschen mehr Zynismus hätte dem seltsamen Film über Benjamin Button möglichweise geholfen.

Den Film retten jedoch die zahlreichen Figuren in den Nebenrollen. Während Button eine unglaublich langweilige Figur ist, gilt das für die Figuren in Buttons Umfeld keineswegs. Buttons Lebensabschnitte werden über ihm nahestehende Personen definiert. Erst die Pflegemutter Queenie (gespielt von Taraji P. Henson), dann die junge Daisy (Jungschauspielerin Elle Fanning), der Captain Mike (Jared Harris), die unglücklich verheiratete Elizabeth Abbott (eine überragende Tilda Swinton) und schlussendlich wieder Lebensliebe Daisy (diesmal Cate Blanchett) sowie Tochter Caroline (Julia Ormond). Sie sind es, die den Film sehenswert machen. Das ist auch mein Resümee: Sehenswert, aber nicht überragend. Ein Forrest Gump des 21. Jahrhundert, nur eine Spur schlechter.

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