10 Jahre Pokémon: Wie Pokémon entstand

10 Jahre Pokémon heißt es 2009 auch in Europa. Ein Resumee über 10 Jahre Wahnsinn, initiiert von einem Mann mit Träumen und Hobbys. Ein Welterfolg made in Japan!

Die Pokémon waren keine gezielte Entwicklung, keine marktstrategische Überlegung, auch keine Idee von der Stange eines Weltkonzerns. Die Geschichte einer der bekanntesten und beliebtesten Spieleserien beginnt mit einem Mann und seiner Kindheit. Eine erfüllte Kindheit voller Abenteuer die eben jener auch anderen Kindern vermitteln wollte. Die Geschichte eines Welterfolges, der nunmehr 10 Jahre anhält, sie beginnt lange vor den Editionen Rot und Grün...

Ein Mann - eine Passion

Die Geschichte der inzwischen 493 Pokémon beginnt vielmehr am 28. August 1965 in einem Vorort von Tokio (Machida) mit der Geburt des Pokémon-Schöpfers Satoshi Tajiri. Die größte Leidenschaft des nahe Tokio lebenden Tajiri war bereits in seiner Kindheit (späte 70er Jahre) das Fangen von Insekten, besonders Käfern in Wäldern, in Ebenen und an Teichen und Tümpeln sowie die Erprobung vielerlei Anlockmöglichkeiten für Insekten.
Deswegen wurde er von Freunden "Dr. Bug" (Doktor Käfer) genannt. Die gefangenen Insekten zeichnete er mit großer Begeisterung, fütterte und zähmte sie. Er ließ sie in seinen Bildern gegeneinander kämpfen. Tajiri hasste die Schule und wollte nicht Elektriker werden, wie es der Vater von ihm verlangte. Stattdessen wollte er Entomologe (Insektenforscher) werden.

Die Natur, die Tajiri so sehr liebte, wurde später mit Wohn- und Parkhäusern völlig ruiniert. Dieser Flächenversiegelung gibt Tajiri auch die Schuld daran, dass die nächsten Generationen dieses Naturerlebnis nicht mehr machen konnten. Eine Sache, die Tajiri traurig stimmt.

Erste Ideen

Wohl auch deshalb begann Satoshi Tajiri an der Technikschule, die er später besuchte, mit ersten Überlegungen und Planungen für Pokémon. Sein Ziel war es, der nächsten Generation so schöne Erlebnisse in einer Umgebung der Abenteuer zu geben, wie er sie einst erleben durfte. Viele Pokémon sind noch heute echten Lebewesen nachempfunden; die Karten der Regionen im Pokémon-Universum (ob Kanto, Johto,...) lassen sich außerdem in der Karte Japans wiederfinden.

GAME FREAK

Der von Videospielen besessene Tajiri, der regelmäßig Space Invaders in sogenannten Arcades (Spielhallen) spielte, Ultraman im Fernsehen sah und sogar einen Spielautomaten geschenkt bekommen haben soll, gab die Schule auf und veröffentlichte ab 1982 mit einigen Freunden, darunter James Hanzatko und Yuusuke Santamaria sowie Ken Sugimori (siehe nächsten Abschnitt) das Videospiel-Magazin GAME FREAK. Dort veröffentlichten sie (handgeschrieben) Cheats und Tipps zu ihren Lieblingsspielen - und erreichten dennoch eine Auflage von 10.000 Stück.

Ken Sugimori gibt den Pokémon ihr Gesicht

Ken Sugimori, beteiligt am Magazin GAME FREAK, ist kein geringerer als der alleinige Zeichner aller 493 Pokémon, hauptsächlicher Gestalter der Pokémon-Karten und Charakter-Gestalter für die TV Serie und der Filme 1-3. Sugimori ist also einer der wichtigsten Leute um Tajiri und prägte bis heute stark das Aussehen des Pokémon-Universums.

Eine Idee...

In den 80er Jahren gewann Tajiri, erst 16, mit einem von ihm entwickelten Spiel einen Wettbewerb von Sega. Sein erstes Spiel, Quinty, wurde von Namco für das NES veröffentlicht. Nach Erscheinen des GameBoy begann Tajiri schließlich, sich für den Handheld von Nintendo zu interessieren. Fasziniert vom Link-Kabel stellte er sich vor, das Link-Kabel gut in seine Idee von einem Käfer-Sammelspiel integrieren zu können:

I imagined an insect moving back and forth across the cable. That's what inspired me.
Ich stellte mir vor, wie ein Insekt auf dem Linkkabel hin- und herwandern würde. Das ist es, was mich inspiriert hat...

Daher begann Tajiri mit der stärkeren Ausarbeitung seiner Spieleidee. Große Mithilfe und Inspiration erhielt Tajiri vom Spieleentwickler Creatures (zu Deutsch: Kreaturen) - der auch heute noch an jeder Edition mitwirkt. Er begann einen Job bei Nintendo und verbrachte nebenbei die nächsten 6 Jahre an der Entwicklung der Pokémon-Grundstrukturen. Ging ihm das Geld aus, lieh er sich welches von seinem Vater, der Autoverkäufer bei Nissan war. Tajiris Firma, mit der er die Entwicklung vorantrieb, nannte er GAME FREAK - wie sein altes Magazin. Natürlich holte er auch seine Freunde als führende Köpfe mit ins Boot.

In seiner Zeit bei Nintendo lernte Tajiri den bekannten Entwickler Shigeru Miyamoto (Mario, The Legend of Zelda,...) kennen. Beide wurde Freunde. Außerdem war Miyamoto Mentor und Förderer Tajiris:

I really look up to Miyamoto-san. I memorized every piece of advise he gave me, and it was with his advice that Pokémon was made with.
Ich sehe wirklich empor zu Miyamoto. Ich merkte mir jedes Quentchen Rat das er mir mitgab, und es war sein Rat, durch den Pokémon gemacht wurde

Nicht umsonst tragen die Ur-Charaktere Ash Ketchum und Gary Eich in den japanischen Spielen die Namen Satoshi (Ash) und Shigeru (Gary)...

Tajiris Arbeit wird belohnt

Tajiri wurde mit seiner ausgearbeiteten Idee bei Nintendo vorstellig. Das Geschäft mit dem GameBoy stagnierte zu der Zeit; und man glaubte nicht, dass das Spiel Pokémon ernsthaft Erfolg haben könnte. Man erwartete nur eine schmale Käuferschicht. Rot und Grün hatten eine Auflage von 200.000 Exemplaren. Verkaufsstart war der 27. Februar 1996.

Bei Nintendo hatte man sich geirrt. Gründlich sogar. Die Rote Edition wurde aus den Regalen gerissen; Händler gaben etliche Nachbestellungen auf. Nur die grüne Edition - sie blieb aus bis heute ungeklärten Gründen in den Regalen liegen. Heute fungiert sie als beliebtes Sammlerstück. Nachdem man das Potenzial der Spiel erkannt hatte, vergab man zahlreiche Lizenzen (etwa für die TV Serie, Merchandising Produkte,...)

Satoshi Tajiri, der Käfersammler, der Abenteurer, hatte es geschafft! Die Marke Pokémon ist inzwischen zu einem riesigen Geschäft geworden. Alleine die hauptsächlichen Editionen (also ohne Nebenspiele) verkauften sich mehr als 100 Millionen Mal.

Ein erfolgreicher Mann...und glücklich?

Das würde man zu gerne meinen. Doch bei Tajiri wurde das Asperger-Syndrom diagnostiziert, eine schwächere Form des Autismus. Autistische Personen neigen zu großer Kreativität und außergewöhlichen Talentierungen; haben aber Probleme mit dem typisch menschlichen (etwa Freundschaft, Kommunikation, Zusammenleben,...) Sie binden sich nur an wenige Personen enger.

Nintendo Mitarbeiter beschrieben Tajiri als exzentrisch, aber hoch kreativ; eine Beschreibung, die leider genau auf autistische Menschen zutrifft.

Ein Rückblick geht zu Ende

All das ist schon längst Geschichte. Du und ich waren mit dabei, als ein Mann vor 10 Jahren voll durchstartete und zu einem kleinen Teil auch die Welt veränderte.

Trotz seiner Behinderung glaube ich ganz persönlich allerdings, es gibt keinen glücklicheren Menschen. Seht nur dieses Strahlen auf den Bildern...er hat genau das getan, was er immer wollte und was er am besten konnte. Er hat sein Ziel erreicht; Flugzeuge, Freizeitparks, Hotels, Läden und Menschen widmen sich einzig seiner Idee. Und diese Idee wird noch lange viele millionen Kinder glücklich machen. Und wenn ich diesen Mann denke, dann freue ich mich mit ihm und der Gedanke solchen Glücks erfüllt mein Herz tief im Inneren...

An diesem Inhalt haben Marty McFly und Wiivolution mitgearbeitet.


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