Judge The Game: Pokémon Schwert und Schild Reviews

Pokémon Schwert und Schild sind die ersten Pokémon-Spiele der achten Generation. In diesem Community-Artikel sprechen drei Mitglieder unserer Community darüber wie sie diese Pokémon-Spiele erlebt haben und was für positive als auch negative Punkte diese Spiele für sie haben.

TTJonas19


Die am 15.11. weltweit erschienen Spiele Pokémon Schwert und Pokémon Schild sind wohl die Spiele, über die im Vorfeld am hitzigsten und kontroversesten diskutiert wurde. Viele langjährige Fans waren sich unsicher, ob sich ein Kauf überhaupt lohnt, andere konnten den Release der Spiele vor Hype kaum erwarten. Ich möchte an dieser Stelle nach dem Durchspielen meine Meinung zu den Spielen gerne teilen. Diese wird nicht spoilerfrei sein, also seid an dieser Stelle gewarnt, wenn ihr die Spiele noch nicht gespielt habt. Ich möchte eine Grundlage für eine vernünftige Diskussion bilden und bewerte die Spiele anhand der für mich wichtigsten Punkte: Neue Pokémon, Story, Charaktere, Gameplay, Region sowie Grafik + Soundtrack. Viel Spaß beim Durchlesen!


Pokémon 10/10

Von den neuen Pokémon her konnte mich das Spiel vollends überzeugen. Während der gesamten Reise traf man auf neue, unbekannte Pokémon oder auch überraschende Galar-Formen. Das Betreten jeder neuen Route war aufregend. Ich verbrachte viel Zeit, einfach im hohen Gras zu suchen, um vielleicht noch ein cooles, neues Pokémon zu finden. Insgesamt benutzte ich 15 verschiedene Pokémon während der Story, weil ich mich kaum auf sechs Pokémon festlegen konnte. Erst zum Challenger-Vorturnier legte ich mich auf sechs Pokémon fest:

  • Intelleon, Infernopod, Bellektro, Mortipot, Sanaconda und Krarmor.
  • Vorher verwendete ich noch Cottomi, Zwollock, Montecarbo, Maritellit, Galar-Gallopa, Mottineva, Patinaraja, Drapfel und Riffex.
  • Meine absoluten Favoriten sind Mortipot, Wolly und Memmeon.
Aus kompetitiver Sicht muss ich jedoch leichte Kritik äußern. Die Stat-Verteilungen gefallen mir nur bei wenigen Pokémon wirklich gut.


Story 3/10

Die Story dieses Spiels war in meinen Augen relativ schwach. An die Legende um Zacian und Zamazenta wurde man sehr schön herangeführt, allerdings gab es kaum Anzeichen (außer, dass Olivia irgendwie merkwürdig rüberkam), dass Liga-Präsident Rose am Ende der "Bösewicht" war. Es wirkte sehr weit hergeholt, als würde man krampfhaft versuchen, noch Story in das Spiel zu bringen. Die Post-Story hat mir schon besser gefallen. Hier wurde das Dynamax-Phänomen sehr gut eingebunden. Ansonsten fehlten dem Spiel aber die Elemente, die die Geschichte weiterbrachten neben der Arena-Challenge.


Charaktere 9/10

Die Charaktere, die ich ausdrücklich von der Story trennen möchte, fand ich wiederum sehr gut ausgearbeitet! Die Arenaleiter spielen eine größere Rolle als in vielen vorherigen Spielen und erhalten durch die Ligakarten jeweils eine schöne Hintergrundgeschichte, die sie lebendig wirken lassen. Andere Charaktere erhielten ihre eigene Geschichte und man erlebte vor allem bei Betys, Hop und Sania ein schönes Character-Development. Das möchte ich ausdrücklich loben. Zu Mary hätte ich mir noch etwas mehr gewünscht, da man sie und Team Yell im Vorfeld explizit angekündigt hatte. Team Yell ist übrigens als das, was sie letztlich sind, vollkommen in Ordnung. Man darf sie nämlich bloß nicht mit Team Rocket, Plasma und co. vergleichen, denn sie sind nicht das böse Team der Region sondern einfach ein Fanclub.


Gameplay 7/10

Prinzipiell hat das Gameplay sehr viel Spaß gemacht, wies jedoch an vielen Stellen Schwächen auf. Von der Schwierigkeit her war das Spiel keinesfalls fordernd. Ich habe konsequent auf "nicht wechseln" gespielt und hatte dennoch keine Probleme. Im finalen Match wurde leider sehr "künstliche" Schwierigkeit erzeugt, indem man die Level von Delion Pokémon aus dem Nichts deutlich anhob. So etwas gibt große Minuspunkte an einer so entscheidenden Stelle.
Die Levelkurve allgemein war prinzipiell in Ordnung für mich, auch wenn ich nicht verstanden habe, warum die wilden Pokémon auf eine Route ein höheres Level als die Trainer-Pokémon hatten. Das machte es etwas schwer, sich zu orientieren. Gegen Ende war ich immer etwa auf Levelniveau, musste dafür aber auch 11 Pokémon verwenden und immer wieder hochgelevelte Pokémon auf die Box legen. Ich musste also aktiv mich bemühen, nicht zu überleveln. Dies ist vor allem dem neuen, nicht abstellbaren, EP-System geschuldet, dass ich an dieser Stelle deutlich kritisieren muss. Wäre es abstellbar, wäre alles gut, dann könnte man das viel besser steuern. So aber levelt man, ohne es zu wollen. Das führt auch dazu, dass ich zum Beispiel mein Wolly am Anfang des Spiels deutlich häufiger benutzen musste als meinen Starter. Wolly braucht nämlich mehr EP anfangs und muss mehr selbst kämpfen. Memmeon levelte dann eher mit.
Gut geregelt war jedoch das Dynamax-Feature, das nur in den Arena-Kämpfen verwendet wurde. Die Beschränkung auf diese besonderen Orte war genau richtig. Außerhalb wäre es viel zu overpowert gewesen. Die Arenen allgemein haben mir gut gefallen. Die Aufgaben und Trainerkämpfe waren gut gewählt. Ein Kritikpunkt an den Arenen ist, dass sie etwa ab der vierten Arena viel zu schnell aufeinander folgen und man kaum Trainerkämpfe auf Routen dazwischen hat. Man kann sich zwar die Zeit immer in der Naturzone vertreiben, aber geht man direkt weiter, folgt es etwas zu schnell für meinen Geschmack. Ich hätte mir ruhig mal mehrere Routen oder Gebiete zwischen den Arenen gewünscht. Gerne auch mit etwas Story dabei.
Zum Abschluss dieser Sektion muss ich die Raids in der Naturzone positiv hervorheben. Diese machen überaus viel Spaß, geben gute, befriedigende Belohnungen und sind gut in Szene gesetzt. Durch die EP-Bonbons, die man als Belohnung erhält, wird es einem sehr leicht gemacht, niedrig gelevelte Pokémon auf das Teamniveau zu heben. Eine sehr angenehme Neuerung!


Region 8/10

Das Reisen in der Galar-Region war eine sehr schöne Erfahrung! Die Region ist abwechslungsreich und sieht größtenteils wirklich umwerfend aus! Meine Lieblingsorte sind wohl Galar-Mine 1 sowie der Schlummerwald. Es gefällt mir allgemein gut, wie es Game Freak geschafft hat, die Elemente Großbritanniens ins Spiel einzubauen - sei es über Orte oder die Pokémon. Darüber hinaus ist die Region sehr lebendig dank der Overworld-Pokémon. Ein sehr guter Schritt, diese auch in den Hauptreihenspielen einzuführen. Negativ fällt mir auf, dass die Region doch recht klein ist. Es gibt - zumindest soweit ich bisher gespielt habe - kein größeres Post-Game-Gebiet, das es noch zu erkunden gilt. Die Naturzone ist zwar recht groß, hat man aber auch relativ schnell erkundet. Das haben andere Pokémon-Spiele besser gemacht.


Grafik + Soundtrack 7/10

Allzu großen Wert lege ich auf diese Aspekte zwar nicht, aber dieses Mal habe ich nach den ganzen Diskussionen im Vorfeld doch etwas darauf geachtet. Die Grafik in der Overworld war für mich vollkommen ausreichend. Bei den Attacken-Animation und den Pokémon-Animationen allgemein hätte man mehr rausholen können, denke ich. Das hätte man dynamischer, interaktiver gestalten können (Liberlos Animation bei Feuerball ist ein gutes Beispiel, dass es tatsächlich möglich ist). Positiv hervorheben möchte ich die Cut-Scenes mit Zacian und Zamazenta am Ende sowie die bei der Vorstellung der Starter. Diese sind jeweils sehr gut gelungen!
Zum Soundtrack möchte ich nicht zu viel sagen, das nehme ich eher nebenbei wahr. Im Schlummerwald gab er auf jeden Fall ein gutes Feeling, im Rose-Tower jedoch war es extrem monoton ohne Musikwechsel zwischen Kampf und außerhalb eines Kampfes. Allgemein gefielen mir die dynamischen Übergänge zum Kampf von Grafik und Musik in den Arenen beispielsweise nicht wirklich. Ich habe lieber diesen "Jetzt geht der Kampf los"-Moment und nicht einen "Hoppla, wann hat denn der Kampf angefangen?"-Moment.
Ich finde es zudem schade, dass sich GameFreak nicht an eine Sprachausgabe herangewagt hat. Direkt in der ersten Szene als Liga-Präsident Rose im Stadion die Zuschauer begrüßt, hätte sich das perfekt angeboten und sicher hätte man es auch im Rest des Spiels noch einbauen können. Würde es klasse finden, mal echte Stimmen in einem Pokémon-Spiel zu hören und mit dem Schritt auf die Switch wäre es auch möglich gewesen.


Nachhaltiges Spielvergnügen 3/10

Stand jetzt fehlt es mir ein wenig an der Motivation, das Spiel weiterzuspielen. Ich muss sagen, dass die Raids gemeinsam mit Freunden wirklich viel Spaß machen. Dies ist eine gute, spaßige Methode für die Competitive-Spieler, um an Pokémon mit ihrer versteckten Fähigkeit und mit guten DVs heranzukommen. Das Züchten geht tatsächlich auch ein wenig schneller, finde ich. Jedoch gibt es für mich kaum Gründe, überhaupt zu züchten und zu raiden, denn die Metagame-Veränderungen sowie der stark veränderte Timer sorgen dafür, dass ich mich nicht für Wi-Fi-Kämpfe interessiere. Das Fehlen einiger Pokémon ist hierbei nicht das Problem. Vielmehr finde ich die Attacken-Veränderungen sehr schade. Kaum ein Pokémon kann mehr Toxin, Rückkehr und Kraftreserve wurden komplett gestrichen, bestimmte Pokémon müssen auf Recovery-Moves verzichten bis Pokémon Home erscheint. Dann gibt es Pokémon, die durch zusätzliche Attacken plötzlich gebufft wurden (vor allem Resladero), während andere, die es nötig gehabt hätten, keine Buffs erhalten haben. Warum bitte lernen Jiutesto und Toxiquak kein Nahkampf, während Cavalanzas, Durengard, etc. das nun bekommen haben? Warum lernt Meistagrif Auflockern? Hier ist GameFreak einfach extrem inkonsequent und untransparent. Hinzu kommt die für Einzelkämpfe wohl lächerlichste Mechanik, die es in 23 Jahren Pokémon je gegeben hat: Dynamaxing und auch Attacken wie Kiemenbiss, die einfach vollkommen lächerlich sind. Ich finde es sehr schade, dass GameFreak so wenig Wert auf die kompetitive Einzelkampf-Szene legt und ich halte es auch für einen schweren Fehler, denn die Präsenz der Szene auf YouTube sollte nicht unterschätzt werden und allgemein kaufen viele ältere Spieler die Spiele, weil sie eben im CP aktiv sind. Mir persönlich gefallen diese Veränderungen nämlich überhaupt nicht und nehmen mir sehr viel Motivation. Für mich wiegt das sehr schwer.


Fazit: Pokémon Schwert 7/10

Alles zusammen ergibt das meine persönliche Bewertung von 7. Eine extrem coole Auswahl an neuen Pokémon und gut ausgebildete Charaktere treffen auf eine schöne Region mit schwacher Story. Das Gameplay im Spiel selbst macht Spaß, hat jedoch einige Schwächen an manchen Stellen. Akustisch und visuell hätte man denke ich aus dem Spiel noch mehr herausholen können. Die Naturzone ist ein sehr schönes Feature, mit dem man viel Zeit verbringen kann. Das Camping und das Kochen brauche ich jetzt nicht unbedingt, aber die Raids sind ein sehr schönes Element. Allgemein möchte ich Game Freak zwar loben für den Mut, mit Traditionen zu brechen und viele Kleinigkeiten zu korrigieren, aber auch stark kritisieren dafür, dass sie der kompetitiven Szene durch Streichungen und Änderungen so hart ins Gesicht geschlagen haben.
Die Spiele an sich haben einen positiven Eindruck hinterlassen. Ich bin immer noch froh, dass wir im Vorfeld so wenige neue Pokémon gesehen haben. Über die Herausnahme bestimmter Attacken hätte ich im Vorfeld aber gerne bescheid gewusst. Da hat GameFreak die Spieler etwas auf die Schippe genommen. Pokémon Schwert und Schild bleiben für mich kontrovers. Als einmaliges Spielerlebnis gelungen, auf lange Sicht gesehen aber Stand jetzt nicht wirklich überzeugend - ich hoffe sehr, sie können das in kommenden Pokémon-Spielen korrigieren.

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Shiny Raito


Auf den 15.11 habe ich mich schon sehr gefreut. Im Gegensatz zu dem quasi überall vorhandenen Hate gegenüber der neuen Generation hatte ich eine sehr positive Einstellung zu den beiden kommenden Spielen und all das, was ich gesehen hatte, hat dem auch keinen Abbruch getan. Einzig und alleine das Thema Dynamax und natürlich auch das Cutten von vielen Pokémon waren so die Dinge, die mir im Vorfeld nicht gefielen. Ersterem stand ich aber zumindest soweit offen als, dass es mich im Spiel selbst noch überzeugen könnte und bei Letzterem bin ich nach wie vor der Ansicht, dass es ein Zustand "Stand jetzt" ist mit dem ich mich trotz der vielen eigenen Pokémon, die ich gerne mitnehmen möchte, arrangieren kann. Auf der anderen Seite ist das auch die Chance für manch andere Pokémon in neuen Rollen zu glänzen. Was definitiv eine große Rolle beim Spielen von Schwert gespielt hat, ist, dass ich ab dem Zeitpunkt an dem die Leak-Welle aufschwappte mich quasi von allen News abgeschottet hatte. Dadurch hatte ich sehr wenig Kenntnis darüber was mich an neuen Pokémon erwartet und auch was diese können. Dazu schaute ich während des Spielens so gut wie gar nicht nach, was bestimmte Fundorte oder Gegebenheiten betraf. Bei Gen 7 mit Sonne und Mond war das anders. Da wusste ich vor dem Spielen quasi schon alles und während dem Spielen wurde auch alles nachgeschaut. Das wollte ich dieses Mal anders machen. Quasi spoilerfrei konnte ich so auch in die Games einsteigen und diese durchspielen. Wie sich meine positive Einstellung zu den Spielen entwickelte, das wird nun mit den einzelnen Punkten und dem Schlussfazit abgearbeitet.


Die Grafik

Die Vorfreude, die ich auf die Games hatte, wurde auch direkt zu Beginn nicht enttäuscht. Dazu sei auch noch gesagt, dass ich Let's Go Pikachu und Evoli nicht gespielt, nur Videos dazu gesehen habe und so das Feeling des ersten Pokémon-Games auf dem Fernseher auch noch dazu hatte und auch daneben wenige Spiele auf der Switch gespielt habe. Dementsprechend positiv kann ich nur von der Grafik sprechen. Für mich war das schon ein großer Sprung von Ultrasonne und Ultramond zu Schwert, was die Grafik betraf. Verstärkt vor allem dann eben auch durch den viel größeren Bildschirm. Es gab einige echt schöne Gebiete, wie den Wirrscheinwald oder Fairballey, die so auch viel besser zur Geltung kamen. Und auch die alten Pokémon wie z.B. Guardevoir in neuem Glanz, wenn auch altem Aussehen, zu sehen, fand ich echt schön. Die Animierung vom Dynamaxen hat mir auch sehr gefallen und dem definitiv einen positiven Schub gegeben, wo ich doch vorher gerade bei der Mechanik eher skeptisch und negativ eingestellt war. Natürlich gibt es hier einige Punkte, die man hätte deutlich besser umsetzen können, wie die berühmten Bäume in der Naturzone. Aber solche Kleinigkeiten spielen für mich eher eine Nebenrolle. Insgesamt kann ich über die Grafik nicht meckern, aber wie erwähnt liegt es auch hier einfach an dem Sprung auf die Switch und hätte ich da mehr Vergleichmöglichkeiten würde das womöglich auch anders aussehen.


Musik

Es gab ein Musik-Track, der mich bereits vor Release der Games sehr begeistert hat und das war das bereits lange in der Kurzform bekannte Arenaleiter-Theme. Als dies dann in der Woche des Releases der Games in der Vollversion bekannt wurde, habe ich es noch mehr geliebt. Und dann kam eben jener Soundtrack im Game, in dem es dann wirklich ein sehr großer Höhepunkt war. Schon in der ersten Arena war das ein wirkliches tolles Erlebnis. Ich finde, gerade mit der Anfeuerung zum Schluss in den Kämpfen kommt dieses Stadionfeeling noch besser zur Geltung. Ähnlich gut haben mir auch die finalen Kampf-Soundtracks von Mary und Hop gefallen. Generell waren viele Kampf-Themes wirklich sehr gut und haben die leider meist sehr unspektakulären Kämpfen aufgepeppt. Die Kämpfe gegen Olivia, Rose und Betys waren auch mit ihrer eigenen Musik noch ein gutes Stück besser. Keelton als Stadtmusik fand ich auch noch sehr gut. Im Gegensatz dazu hat mir die Arenaleitermusik im Abschlussturnier und Delions Champ-Musik eher weniger gefallen. Aber insgesamt war gerade durch die Musik jeder Arenakampf noch ein größeres Highlight für mich gewesen und viele der Tracks höre ich auch nach wie vor sehr gerne einfach so zwischendurch. Es ist auch nett gemacht, dass man im Kampfturm zufällige Kampfmusik einstellen kann und so dann auch dort ein wenig Abwechslung zwischen den guten Tracks hat von Kampf zu Kampf.


Story

Punkt 3 auf meiner vorgegebenen Liste ist die Story. Die war in Ordnung, würde ich mal sagen. Wie man es halt kennt, ist man selbst als Kind der stärkste Trainer, der alle Erwachsenen und weitaus erfahreneren Gegner und selbst am Ende den ungeschlagenen Champ mit noch gar nicht so lang trainierten Pokémon besiegt. Dazu ist man schlussendlich selbst auch der Held vor der Katastrophe und schafft es sogar ein schier unbesiegbares Monster zu besiegen. Ja, es ist halt immer so und dementsprechend normal wie ein Pokémon-Spiel war es dann auch. Roses Beweggründe für sein Vorhaben wirkten aber etwas random. Ich meine der Hintergrund war schon irgendwo nachvollziehbar, aber die Ausführung und Art und Weise wirkte dann doch erzwungen. Aber von den Kämpfen im Abschluss der Story her, war das schon super, wenn auch der Bezug zu Endynalos irgendwie gefehlt hat. Es war halt dann auf einmal da, aber im Gegensatz zu der Geschichte um die beiden Coverlegis fehlte einfach der Hintergrund zu dem Monstrum. Die Begleiter in der Story in Form der Rivalen, wie auch die Arenaleiter waren alles irgendwo gute Charaktere. Gerade die verschiedenen Rivalen waren unterhaltsam, wenn auch etwas abgekupfert. Betys wirkte halt die ganze Zeit wie ein verkleideter Rivale aus der zweiten Spielgeneration, aber er hatte dafür auch sehr lustige Momente. Hop als netter bzw. langweiliger Rivale, war am Ende dann gar nicht so langweilig gewesen. Er wirkte anfangs wie eine Art Tali 2.0, jedoch hat sich dann schon verändert und es wäre ungerecht ihn immer noch mit dem wie ich finde sehr schwachen Rivalen der Vorgeneration zu vergleichen. Der finale Kampf gegen ihn, in dem er auch dann sein legendäres Pokémon hatte, war auch ein sehr schönes Erlebnis im Spiel mit der ganzen Atmosphäre herum. Das wurde schon sehr gut umgesetzt, finde ich. Die Story selbst war halt für ein Pokémon-Spiel in Ordnung. Vergleicht man diese mit normalen Storys aus anderen Games, ist die natürlich schon relativ stumpf und klischeehaft. Aber etwas anderes erwarte ich halt auch gar nicht von einem solchen Spiel und ehrlich gesagt ist die Story sowieso eher zweitrangig für mich in den Games bzw. erwarte ich auch einfach nicht die Tiefgründigkeit und ausgeklügeltesten Plots. Dafür waren der Kampf gegen Endynalos und die finalen Bosskämpfe wirklich sehr cool gemacht mit allem drum und dran und das stand für mich dann eher im Vordergrund.

Der Abschluss mit Delions Kampf war wirklich gelungen und war auch ein würdiges Finale des Games. Zu dem Zeitpunkt war ich auch schon in Gedanken dabei den Dex füllen zu wollen. Eine große Postgame-Story wollte ich da gar nicht mehr haben. Dementsprechend habe ich den Part auch etwas durchgerushed. Ich fand Schwerthold und Schildrich nicht nur von den Namen her albern, die Story war auch sehr plump. Dass man nochmal die Arenen für ein paar Dyna-Raids abklappert war ok, aber es gab weder EP noch irgendeine vernünftige Belohnung dafür. Einzige Entlohnung war dann das Fangen des Cover-Legis zum Abschluss, wie auch der finale Kampf gegen Hop. Der Abschluss war auch hier das positiv Heraushebbare der Postgame-Story, da auch der Abschluss mit Hop schon nett war. Ansonsten war es aber doch eher viel Lärm um nichts, was man auch für mich mit einem einfachen Fangen vom Cover Legi hätte austauschen können.


Schwierigkeit

Nun zum Schwierigkeitsgrad des Spieles. Es sah ganz am Anfang noch ok aus, aber artete dann sehr schnell aus. Der eingebaute und unausstellbare EP-Teiler versorgte alles mit so viel EP, dass man schon Trainer und wilde Pokémon skippen müsste, um nicht overleveled zu sein. Da ich aber die Trainer alle gemacht hatte und dazu auch noch viele wilde Pokémon für einen Teil des Pokédex gefangen hatte, war die Overlevelung nicht mehr aufzuhalten. Die Arenaleiter wären aber auch ohne diese Overlevelung wohl selten eine große Herausforderung geworden. So cool die Kämpfe auch waren, so einfach wurden die Arenaleiter immer von meist einem einzigen Pokémon gesweeped. Selbst das Dynamax oder gar Gigadynamaxte Pokémon fiel am Ende nach einem Hit um. Das war dann schon sehr enttäuschend, wenn ich auch sagen muss etwas in Richtung von selbst Schuld. Aber die Option, dass man die EPs nicht auf alle verteilen möchte, wie man halt in anderen Games einfach den EP-Teiler ausschalten kann, das habe ich vermisst. Zumindest aber die Kämpfe im Finalturnier, der Kampf gegen Rose und vor allem der Kampf gegen Delion waren auf einem höheren Schwierigkeitslevel. Bei Delion war die Overlevelung dann auch nicht mehr vorhanden, da die Level schon rapide anstiegen. Allzu schwer war er dann zwar auch nicht, aber er hatte ein cooles Team mit gut gelevelten Pokémon, die einem schon mal Probleme bereiten können, vor allem wenn ein paar Haxes dazu kommen. Aber insgesamt war es wirklich ein sehr einfaches Game. Es hat sich mittendrin wie XY vom Niveau angefüllt, nur dass man den EP-Teiler eben nicht ausschalten kann. Am Ende ging die Kurve zumindest etwas nach oben, was XY vermissen ließ. Diantha ist im Vergleich zu Delion halt schon ein Witz was die Schwierigkeit betrifft. Aber trotz meiner Unwissenheit, was da alles kommt und auch was die gegnerischen Pokémon überhaupt können, war das alles sehr einfach. Pokémon wird eben immer einsteigerfreundlicher und wenn man sich so Spiele wie DPP oder SW/2 anschaut, ist das mit den letzten Games alles deutlich vereinfacht worden und es gibt auch sehr viele neue Hilfestellungen, die gerade die alten Spieler unnötig finden. Generell habe ich da nichts gegen, aber wie erwähnt sollte es zumindest die Option geben, sich das Spiel ein wenig zu erschweren und das Overleveling aufzuhalten, ohne Content in Form von Trainern oder dem Sammeln von Pokémon skippen zu müssen. Sonst spielt man das Game dann am Ende nur halb, nur damit es halt schwerer ist.


Die neuen Pokémon

Zum letzten Punkt den neuen Pokémon war es doch irgendwie ein hin und her gewesen. Es gab viele Pokémon, die von ihrer ersten Stufe her sehr verheißungsvoll aussahen, das aber mit der Weiterentwicklung für mich nicht gehalten haben. Größte Enttäuschung ist dabei Montecarbo. Klonkett sah so cool aus und mit der Weiterentwicklung zu Wagong wurde meine Hoffnung, dass es sich in eine Art Zug entwickelt weiter geschürt. Dass am Ende so eine Art Rizeros mit einem Haufen Kohle auf dem Rücken herauskommt, fand ich enttäuschend. Die Stats gingen dann leider auch gepaart mit der defensiv äußerst schlechten Typenkombination gänzlich in die falsche Richtung. In der Story gefallen hat mit Montecarbo dennoch. Es war bis zum Schluss ein solides Pokémon und hat dann auch gegen Delion sein Signature-Glurak geplättet, was aber wohl auch viele andere Pokémon hätten erledigen können. Generell mag ich Montecarbo trotzdem und ich finde es von den neuen Pokémon auch trotzdem ganz gut, aber da hatte ich mir einfach mehr von erhofft.

Positiv überrascht auf der anderen Seite hat mich definitiv Bellektro, die Weiterentwicklung von Voldi. Voldi selbst fand ich ok, mehr aber auch nicht. Wollte das zu Anfang auch gar nicht mitnehmen, schleppte es nur wie vieles andere dann mit, um zu schauen, ob mir die Weiterentwicklung, die ich zu dem Zeitpunkt nicht kannte, zusagt und ich es dann vielleicht im Team behalte. Voldi kam dann in Kates Arena zum Einsatz und hat trotz Langsamkeit die ganze Arena geplättet. Dass es sich dann danach in einen schnellen und coolen Hund entwickelt, hat es dann direkt ins Team befördert. Hatte da eher mit einer Art Bissbark vom Design und eher langsamer Geschwindigkeit gerechnet. Bellektro war auch dann die ganze Story über ein sehr solides Pokémon. Die Hoffnung auf einen besseren Elektro-STAB als Donnerzahn und Stromstoß starb dann aber leider zum Schluss. Aber immerhin hat ihm seine Fähigkeit bezüglich des Donnerzahns geholfen, womit sich das etwas ausglich. Mit dem Erlernen von Knuddler war es dann sogar auch eine Antwort auf einige Drachen, was während der Story auch wirklich nützlich war.

Mortipot war auf alle Fälle ebenfalls eine positive Überraschung. Zwar war es teils doch etwas fragil, gerade wenn es einen physischen Treffer kassierte, stand es schon mit einem Bein im Grab, aber dafür hat es offensiv sehr geglänzt. Der Movepool mit Ränkeschmied und Kraftabsorber hat mir auch sehr zugesagt, wenn auch Letzteres dank Bruchrüstung des Öfteren sinnlos wurde. Aber es haute schon sehr gut rein und fühlte sich ein wenig wie Skelabra an, was stets positiv in den Playthroughs war.

Krarmor als sofort feststehendes Teammitglied erfüllte einen sehr guten Job und war einfach äußerst solide. Die meisten Arenen hat der Vogel im Alleingang bewältigt und es war immer Verlass auf das Pokémon. Definitiv eines meiner Favoriten, was auch bereits vor dem Spielen feststand, sich aber damit gefestigt hat und auch einen Spot meiner Lieblings-Stahlpokémon eingenommen hat und das ist für mich bei der Konkurrenz schon schwer.

Legios war im Endeffekt das einzige Teampokémon in der Story, von dem ich keine Entwicklungsstufe kannte, welches es ins Team geschafft hatte. Das hatte mich aber auch direkt erobert, als ich es erblickt hatte und der Kampftyp hat auch sehr gut das Team ergänzt. Hat mir auf jeden Fall auch sehr gut gefallen.

Nach der Story wurde dann der ganze Dex komplettiert und sich auch etwas mehr mit einigen anderen Pokémon beschäftigt und dadurch sind auch andere Pokémon verdient in den Fokus gekommen. Daher hat es in meine Top 3 auch nur ein Pokémon aus dem Storyteam geschafft, welches halt eh schon fast sicher einen Platz der Favoriten innehatte. Also meine Top 3 sind Krarmor, Katapuldra und Mottineva. Krarmor hat sich einfach bewährt und Katapuldra ist so ein cooles Pokémon, welches mit seinen Werten auch direkt auf sich aufmerksam gemacht hat. Mottineva ist vom Design her einfach ein sehr schönes Pokémon und dabei auch nicht uninteressant mit seiner einmaligen, wenn auch nicht so optimalen, Typenkombination. Die Drei waren auch direkt mit die ersten Ziele fürs Shiny Hunting für mich gewesen. Mottineva ist für mich durch die schöne Hinterlegung in Grün auch definitiv eines, wenn nicht mein Lieblings-Shiny von den neuen Pokémon. Katapuldra ist auch nett, da sogar die beiden Grolldra, die es bei sich hat den Shiny-Look haben. Und Krarmor überzeugt auch sehr mit seinem stählernen Look. Vor allem die Gigadynamax-Form von Krarmor sieht sehr gut in Shiny aus.

Die beiden legendären Pokémon mit denen ich direkt zu tun hatte, also Zacian und Endynalos, fand ich auch sehr cool und gerade Zacian ist auch das Raid-Pokémon Nr. 1 bei mir. Bei anderen Pokémon ist das Potenzial auf jeden Fall auch noch da, dass sie im Ansehen steigen können, wenn ich mich noch mehr mit denen auseinandersetze und vor allem diese auch irgendwo benutze. Die Fossile haben mir beispielsweise zu Beginn überhaupt nicht gefallen. Sowohl von dem Design her wie auch von den Werten her. Aber dass gerade 2 von diesen wirklich sehr stark sind, hat sie zumindest interessanter gemacht und von daher haben auch diese das Potenzial sich positiv zu entwickeln. Insgesamt gibt es momentan für mich einige Perlen aus der neuen Generation, einige wenige Pokémon die ich wirklich gar nicht mag und vieles dazwischen, was sich noch oben einordnen kann. Generell bin ich mit den neuen Pokémon durchaus zufrieden.


Mein Fazit

Die Spiele haben für mich während des Spielens das gehalten, was ich mir von diesen versprochen hatte. Die Arenen waren die besten aus allen Pokémon-Games für mich mit all dem, was sie ausmachten. Die Rätsel waren interessant und der Arenakampf zum Schluss mit Dynamax und dem Soundtrack war jedes Mal ein Highlight. Stadien als Arenen finde ich von der Idee auch einfach gut und passt auch einfach wie aufs Auge zu Großbritannien, insbesondere England. Als Fußballfan steht man dem ja sowieso noch positiver gegenüber. Als erstes Pokémon-Game auf der Switch war es für mich einfach ein sehr cooles Game und ich habe es echt genossen. Aber auch wenn ich vieles positiv sehe und auch mit vielem zufrieden bin, kann ich vieles auch nicht übersehen und abstreiten, was nicht so gut ist. Leider gibt es einige Punkte, die einfach nicht gut umgesetzt sind oder alte Features, die man wieso auch immer nicht mit übernommen hat. Das kam dann alles so Stück für Stück nach dem Spielen zum Vorschein als es dann auch intensiver in das Game mit allen Mechaniken hereinging und ich will auch gar nicht auf alles eingehen. Neue Möglichkeiten wie die Minzen zur Wesensänderung oder auch die Raids zum Items farmen wie den EP-Bonbons und Kronkorken sind hingegen eine tolle Sache. Auch die Overworld Encounter, mit denen ich mich erst anfreunden musste, machen Pokémon an sich als Spiel interessanter. Man kann auch noch einiges im Game machen, vor allem wenn man wie ich dann noch viel in Shiny hunten möchte und der Neustart ohne alte Pokémon ist auch irgendwo interessant im Spiel selbst sich das wieder aufzubauen. Aber vieles fühlt sich doch irgendwie unfertig an. Das Fehlen der Kampfkamera ist da als Beispiel so ein Punkt, der mich sehr stört, da es für interessante oder lustige Kämpfe zwischendurch oder sowas wie die Kampfbaumchallenge, die man hier im Turm hätte machen können schon einfach praktisch und unabdingbar wäre. Der Kampfturm selber ist auch sehr einfach gehalten und nicht so wirklich eine Herausforderung, was auch schade ist. Die Tausch- bzw. allgemein die Online-Funktionen sind auch nicht das Wahre, wie dieser humoristische Chatverlauf zeigt. Es ist teilweise schwer den anderen zu finden und durch die merkwürdig undurchdachte Passwort-Funktion bekommt man per Zufall teilweise wirklich einen ganz anderen Tauschpartner, als man wollte. Dazu sieht man auch nicht mal direkt, mit wem man überhaupt tauscht und das Pokémon des Gegenübers auch erst direkt vor Abschluss des Tausches. Das ist alles insgesamt einfach sehr spielerunfreundlich und schlecht gelöst. Das war halt davor einfach besser gewesen.

Das Thema Dynamax ist auch so eines für sich. Sah es für mich erst danach aus, als hätte man die Luftballon-Pokémon aus dem Supertraining von Gen 6 in die Games als neues Features eingebaut, finde ich die Mechanik an sich mittlerweile schon nicht schlecht bzw. sogar ganz nett. dazu hat es in der Story in Form von Gigadynamax doch einen guten Job als "Ersatz-Mega" gemacht. Mega-Entwicklungen sind nach wie vor natürlich besser, aber da ich eine Wiedereinführung des Themas mit neuen Megas sowieso schon seit Gen 7 für unwahrscheinlich gehalten habe, trauere ich dem auch nicht so nach. Zurückwünschen tue ich mir die alten Megas natürlich aber schon, wenn ich auch nicht Dynamax + Mega erleben möchte, wenn ich ehrlich bin. Gigadynamax ist dazu ja auch so eine Art Mega-Entwicklung, zumindest bekommen einige spezielle Pokémon neue Formen dadurch, was in Beispielen wie Machomei obwohl es mal wieder ein Bonus für ein Gen 1-Pokémon ist, für mich ein sehr netter Push war. Aber gerade, dass jedes Pokémon sich normal dynamaxieren kann, macht das ganze doch zu unberechenbar und artet mit dem falschen Pokémon dann auch einfach sehr schnell aus. Da wäre es dann doch besser gewesen, wenn man es wie bei den Mega-Entwicklungen auf wenige Einzelne, also dann nur auf Gigadynamax beschränkt hätte.

Generell kann ich den Hate, der den Spielen gegenüber gebracht wurde und wird mittlerweile schon etwas nachvollziehen. Für mich haben die Spiele trotzdem viel Spaß bereitet und ich werde auch noch viel Zeit in diese investieren, was aber dann - muss ich auch so ehrlich zugeben - einfach daran liegt, dass es Pokémon ist und ich gerne vor allem die neuen Pokémon in Shiny hunten möchte und weniger daran, dass das Game wirklich als solche so gut ist. Vieles hätte schon einfach besser umgesetzt werden können und manche Features hätten einfach auch wieder mit integriert werden und nicht wieso auch immer gecuttet werden sollen. Es ist da doch irgendwie einiges auf der Strecke geblieben. Dennoch mag ich die Spiele, aber es war halt einfach viel mehr möglich gewesen mit der Basis die Pokémon an sich und auch die Grundlage der Spiele hergegeben haben.

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Yusel


Pokémon Schwert und Schild waren wohl auch für mich die kontroversesten Pokémon-Spiele seit Beginn meiner Pokémon-Reise, damals im Jahre 2003. Ich denke auch, dass ich damit zu der Mehrheit gehöre. Nachdem mir die Spiele der siebten Generation konzeptionell gar nicht gefallen wollten, war ich doch umso gespannter, was GameFreak für ihr erstes Heimkonsolenspiel in petto haben würden - schließlich wurden viele Schwachstellen der Pokémon-Spiele, wie das lineare Spielkonzept, die Grafik und der Umfang, stets auf die technischen Grenzen der Handheld-Konsolen geschoben. (Und dabei gibt es hervorragende 3D-Spiele auf dem 3DS, die Pokémon Sonne und Mond in allen Belangen ausstechen.) Mit der E3-Ankündigung, dass nicht alle Pokémon in den Spielen implementiert sein würden, hatte ich gefühlsmäßig mit den Spielen bereits abgeschlossen. Ein Pokémon-Spiel, dass mit dem Serienmotto “Gotta catch ‘em all” nun vollständig brechen würde. Kann das was werden? Ich war absolut skeptisch und der Shitstorm auf Twitter, Reddit und co. ist mir auch nicht entgangen. Ich war und bleibe auch bis heute Vertreter von #BringBackNationalDex.

Ich widme mich nun den einzelnen Komponenten der Spiele, um zu einer abschließenden Bewertung der Spiele zu kommen. Schließlich besteht ein Pokémon-Spiel aus mehr als einem Nationaldex, auch wenn ich an der Stelle einmal deutlich betonen muss, dass dieser ein wichtiger Punkt für mich ist - das jahrelange Sammeln fühlt sich so sinnlos an, seitdem ich weiß, dass ich über die Hälfte meiner Pokémon nicht einmal mit auf die Nintendo Switch nehmen kann.


Die Musik des Spiels

Ich fange mal mit einem der größten Pluspunkte der Spiele an: Die Musik. Sie ist, und da brauch ich nicht lange um den heißen Brei reden, hervorragend. Und vor allem: innovativ, für GameFreaks Standards. Selten haben mich die Pokémon-Soundtracks so mitgerissen wie in Pokémon Schwert und Schild. Es wurde modernere Musik eingesetzt, mit vielen elektronischen Elementen, und ganz neue, gar Pokémon-untypische Melodien verwendet. Paradebeispiel hierfür ist der Kampfturm-Track von Toby Fox, der einfach wunderbare Undertale-Vibes mit Pokémon-Feeling kombiniert. Aber auch das Arenakampf-Theme gehört zu meinen Favoriten: Modern, der Anspannung während des Kampfes gerecht und einfach anders. Der Beginn des Soundtracks ist so gut, dass ich ihn fast schon gerne in Dauerschleife höre. Dazu kommen wunderschöne Stücke in der Naturzone, auf den Routen und Hops Kampf-Theme, die im Gegensatz zu den Vorgängerspielen mal nicht auf die Nerven gehen.


Der Schwierigkeitsgrad

So viele Spiele schaffen es, dem Spieler von Beginn an verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Auswahl zu stellen, die gut balanciert sind und das Spielerlebnis massiv (positiv) beeinflussen können. Sogar Nintendo selber hat mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild einen Mastermodus eingeführt, der (vor allem zu Beginn des Spiels) eine wirkliche Herausforderung darstellt. GameFreak hatte sich in der fünften Generation an das Konzept eines variablen Schwierigkeitsgrades herangetastet, danach aber aus mir unerklärlichen Gründen nie wieder angerührt. Seit vielen Jahren beschweren sich tausende Fans, dass Pokémon-Spiele zu leicht sind. Oder vielmehr, leichter werden. Es ist schwer, objektiv zu beurteilen, ob wir als “Veteranen” einfach besser geworden sind oder wirklich die Spiele einfacher, aber man kann nicht leugnen, dass Pokémon Schwert und Schild keine Herausforderung darstellen. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass meine Gegner eine Übermacht sind; dass wilde Pokémon, die mich interessieren, sich als richtig harte Nüsse herausstellen; oder dass mich irgendjemand wirklich daran hindern will, Champion der Galar-Region zu werden. Obwohl sich in diesen Spielen alles darum dreht, dass verschiedenste Leute an der Arena-Challenge teilnehmen und Champ werden wollen, schafft es doch keiner der Rivalen, vor dem Champion Cup ein einigermaßen bedrohliches und vor allem vollständiges Team aufzustellen. Insbesondere war Hop fürchterlich unterlevelt und hatte kein ansatzweise ausgewogenes Team, erst im letzten Kampf im Schlummerwald wurde er gefährlich, aber auch einzig und allein durch sein legendäres Pokémon. Dazu kommt, das die Spiele wenig Gelegenheit zum Scheitern bieten: Man wird ständig geheilt, das Geld fließt in Strömen und die eigenen Pokémon leveln dank des aufgezwungenen EP-Teilers unentwegt mit. Vor allem, wenn man wie ich viel Spaß an der Naturzone hat und an vielen Raids teilnimmt oder viele Pokémon fängt. Ich war zu keinem Zeitpunkt der Hauptgeschichte sonderlich überlevelt, und dennoch habe ich keinen Kampf verloren. Hier wird für mich klar: Ein variabler Schwierigkeitsgrad hätte mein Spielerlebnis wesentlich verbessert. Höhergelevelte Gegner mit besserer KI, stärkere wilde Pokémon und ein ausschaltbarer EP-Teiler hätten geholfen, wirklich. Warum Gamefreak sich dagegen so wehrt, ist mir ein Rätsel; oft höre ich irgendwie selbst aus der Community, dass Pokémon doch für Kinder sei und man dementsprechend den Schwierigkeitsgrad verringern müsste. Aber wieso nicht einfach einen “einfachen Modus” anbieten, so wie in vielen anderen Nintendo-Spielen auch? (Hier ist Super Mario ganz weit oben - Hilfsmodus richtig gemacht!)


Die Story und die Welt

“Welche Story?”, könnte der geneigte Leser fragen, und ich würde wahrscheinlich leicht nicken. Die Spiele haben im Prinzip keine Story abgesehen von der Arena-Challenge und das ist schade, wenn ich an Klassiker wie Pokémon Schwarz und Weiß zurückdenke. Die Charaktere sind stumpf, eindimensional und haben keine nennenswerte persönliche Entwicklung im Verlauf der Geschichte durchgemacht; vor allem Hop nicht, auch wenn einem dies suggeriert wird. Er ist und bleibt einer der nervtötendsten, unfähigsten und uninteressantesten Rivalen der Serie und reiht sich damit zu bisherigen Rivalen wie Tali und der XY-Gang (an die ich mich nicht mal wirklich erinnern kann) ein. Während des Champion Cups kommt es zu einem kleinen Ausraster von Liga-Präsident Rose, der aus einem herbeigezogenen Grund ein böses legendäres Pokémon erweckt und damit Galar zu zerstören droht. Die ganze Geschichte darum kommt ohne nennenswertes Setup aus dem Nichts, und verschwindet auch schnell danach wieder genau dorthin. Die legendären Pokémon der Spiele haben keine interessante Historie und ihr Auftreten war auch nur deus ex machina, besonders Endynalos. Auch nach dem Champion Cup passiert nichts Spannendes, die Geschichte um Schwerthold und Schildrich hat überhaupt keinen Sinn ergeben und bestand auch nur daraus, zig bereits besuchte Arenen nochmal zu betreten, um ganz repetitiv irgendwelche Dynamax-Pokémon niederzustrecken. Das kann sogar GameFreak besser, wie sie ja schon bewiesen haben!

Nichtsdestotrotz hat mir die Reise durch Galar trotzdem gewissen Spaß bereitet, das lag aber nicht an der Geschichte, sondern an der schönen Welt. Galar bietet einzigartige Orte wie den Wirrscheinwald, die Naturzone oder Chirchester, wo ich gerne auch einfach nur so rumlaufe, um die gute Musik und die Aussicht zu genießen. Ein bisschen schade ist jedoch, dass Galar fürchterlich linear aufgebaut ist. Im Wesentlichen geht die Reise von Süd nach Nord, brav den Routen entlang und ohne Möglichkeit, andere Pfade einzuschlagen. Auch auf den Routen selber gibt es eigentlich immer nur einen Weg mit kürzeren, zumeist in Sackgassen endenden Nebenpfaden. Weiters sind die meisten Routen recht kurz oder bieten abgesehen von generischen Trainerkämpfen nicht viel. Einzig die Naturzone macht hier eine Ausnahme, da man von Beginn an jeden Bereich (bis auf die von Wasser umgebenen Gebiete) betreten kann, was aber dadurch überschattet wird, dass die wilden Pokémon dort nicht ans eigene Level angepasst sind und man daher zu Beginn des Spiels die meisten wilden Pokémon nicht einmal fangen darf. Die Levelbeschränkung zerstört für mich auch ein wenig den Grundgedanken des freien Erkundens in der Naturzone und darf für mich auch gerne im nächsten Spiel entfernt werden. Wieso darf nicht jeder selbst entscheiden, ob er sich starke Pokémon fängt, wenn es einem schwer genug gemacht wird? Hohes Risiko sollte belohnt werden können.


Die Grafik

Für mich der enttäuschendste Punkt an den Spielen, da die Hauptgeschichte mich meistens eher weniger interessiert, sondern das Sammeln. Nach der Ankündigung des Dexit, oder eher des Thanos Masuda Snaps, war GameFreaks Ausrede über Wochen, dass man keine Zeit gehabt habe, alle Pokémon zu implementieren, da man für wesentlich bessere Modelle und Animationen Zeit aufwenden wolle (sinngemäßes Zitat). Dass das eine Lüge war, ist sicherlich nicht umstritten. Die Modelle der Pokémon haben fast ausnahmslos ähnlich viele Polygone wie schon ihre 3DS-Counterparts, die GameFreak nach eigener Aussage damals ja auch “future proof” machen wollte; sehen also absolut gleich aus, wenn man die Überbelichtung in Schwert und Schild ignoriert. Die Animationen sind ebenfalls Eins zu Eins aus Pokémon Sonne kopiert und damit wurde sich nicht so viel Mühe gemacht, wie den Fans versprochen wurde. Davon, dass der Dexit deswegen besonders hart ankommt, kann sich im Internet jeder überzeugen.

Was mit dem Kopieren der 3DS-Animationen einhergeht: Langweilige und unnatürliche Bewegungen, ja gar steife Modelle, die vor allem in Kämpfen blöd herumstehen und gar nichts tun. Charaktere bewegen sich wie schlecht programmierte Roboter, als ob sie maximal ein Körperteil gleichzeitig ansteuern können, und das zieht sich durchs gesamte Spiel. Selbst beim Camping sind die meisten Animationen nur generische, zweckentfremdete Kampf-Animationen, die für die wenigsten Pokémon auch tatsächlich gut aussehen. Man muss nur mal so einen Pokéball werfen und zusehen, wie schrecklich animiert die Pokémon ihn wieder aufheben und herbringen. Für das größte Franchise der Welt, mit all dem Geld und den Möglichkeiten, ist dies einfach inakzeptabel; man muss im eShop nicht lange suchen, um kleinere Entwicklerstudios zu finden, die dem Ganzen um Lichtjahre voraus sind (sogar im eigenen Hause Nintendo!).

Davon abgesehen ist die Grafik in den Spielen nicht wirklich atemberaubend und hängt den meisten Switch-Titeln, allen voran Breath of the Wild, hinterher. Man sieht ganz deutlich, dass die Grafik-Engine hingeschlampt wurde und keine Zeit für den Feinschliff war; Schatten rendern viel zu langsam und ungenau, es gibt ständige Pop-Ins auf einem Level, das mir bisher unbekannt war, und die meisten Texturen sind schwammig und flach. Die Naturzone ist von der Idee her wirklich toll, sieht aber schlicht und ergreifend scheiße aus - da fällt mir kein anderes Wort ein. Die N64-Bäume der Naturzone stehen für alles, was in diesen Spielen falsch läuft!


Die neuen Pokémon

Im letzten Punkt dieses Reviews möchte ich noch auf die rund 80 neuen Pokémon eingehen, die uns GameFreak in Schwert und Schild beschert. Kurzum: Sie sind toll. Inspiriert von der Designlinie der sechsten und siebten Generation hat GameFreak in der achten Generation endlich wieder einen Stil gefunden, der mir richtig gut gefällt. Es gibt so viele neue Designs, tolle Typenkombinationen und interessante Formen, dass ich gar nicht so recht wusste, welche Pokémon es überhaupt ins Team schaffen. Mir gefallen fast ausnahmslos alle neuen Pokémon und in dem Stil dürfen auch gerne noch viele weitere folgen. Einzig bei den Startern würde ich fast schon sagen, dass sie an meinen eigenen Vorstellungen vor der Enthüllung sehr weit vorbei sind. Gortrom und Liberlo fühlen sich ein bisschen aufgewärmt an, während Intelleon zwar ein supercooles Pokémon ist, aber irgendwie nicht zu Memmeon passt.

Wenn ich meine drei Lieblingspokémon aus Galar aufzählen müsste, wären das wohl Snomnom, Infernopod und Galar-Ponita. Ich denke, für jeden ist in der neuen Generation etwas dabei!

Eine weitere Neuerung ist die Dynamaximierung, die meine heißgeliebte Mega-Entwicklung leider ersetzt. Und das zu einem großen Preis: Viele der Pokémon, die eine Mega-Entwicklung hatte, sind zwar im Galar-Pokédex vertreten, aber durch das Fehlen der Mega-Entwicklung wieder total uninteressant für mich geworden. Statt dieses von Fans in einem breiten Maße akzeptierte Feature weiter zu verbessern und andere Pokémon, die nicht aus Generation 1 kommen, in ein neues Licht zu rücken, wurden halbherzige und generische Dynamax- bzw. Gigantamax-Formen neuer Teil der Kampfrealität. Dadurch, dass sich jedes Pokémon dynamaximieren kann, aber anzahlmäßig fast keine Gigantamax-Formen existieren, fühlt sich dieses Element im Kampf wahnsinnig schnell ausgelutscht an und wird nicht der Aufregung gerecht, die eine Mega-Entwicklung mit sich brachte.


Mein Fazit

Pokémon Schwert und Schild sind schwierig. Die herbe Enttäuschung des Dexits schwebt stets über meinen Gedanken zum Spiel, vor allem da selbst mein Lieblingspokémon es nicht nach Galar geschafft hat. Der Sammelaspekt war seit jeher der wichtigste für mich und wurde durch diese ominöse und in sich selbst widersprüchliche Entscheidung GameFreaks total untergraben. Die im Gegenzug für die fehlenden Pokémon versprochenen grafischen Aufwertungen blieben aus und hinterlassen damit den sehr bitteren Nachgeschmack der Kundentäuschung. Während die neuen Pokémon zeigen, dass GameFreak noch Liebe für diese Serien in sich trägt, zeugt die uninspirierte Spielwelt und Geschichte von Lustlosigkeit und Faulheit, die einem Franchise dieser Größenordnung unwürdig ist. Das ist sicherlich der bisherigen Geschäftsstrategie geschuldet, in einem jährlichen Zyklus neue Pokémon-Spiele auf den Markt zu schießen, die ja auch finanziell Früchte trägt, aber deutliche Spuren an der Qualität hinterlässt. Pokémon Schwert und Schild haben mir Spaß bereitet, mehr als es Sonne und Mond je getan haben, und dennoch sind sie wirklich keine guten Spiele. GameFreak sollte sich endlich mal mehr Zeit dafür nehmen, ihre Visionen vollends umzusetzen und die Krankheiten, die die Spiele seit den Anfängen begleiten, endlich auszumerzen. Ich hatte meine eigenen Erwartungen wohl viel zu hoch angesetzt - ich erwartete mit Generation 8 einen qualitativen Neuanfang á la Breath of the Wild oder Super Mario Odyssey, bekam aber nur die aufgewärmte Pokémon-Formel in neuem Gewand zu sehen. Ich kann jedem Pokémon-Fan die Spiele ans Herz legen; so ist es nicht. Jeder wird mit diesen Spielen Spaß haben, aber wenn ich sie mit AAA-Titeln aus anderen Entwicklerhäusern vergleiche, so ziehen sie den Kürzeren.

Meine Wertung: 6 / 10

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