Die besten Draft-Pokémon - eine empirische Herangehensweise

Mein Artikel "Die besten Draft-Pokémon - eine empirische Herangehensweise" beschäftigt sich mit dem Versuch, Ranglisten über die besten Draft-Pokémon anhand der Analyse ihrer Usage zu erstellen. Dieser Artikel richtet sich zum einen an erfahrene Draftliga-Spieler, die sich für allgemeine Tendenzen im Draftmeta interessieren sowie auch an Draftliga-Einsteiger, für die dieser Artikel nützliche Tipps bereithält, das erste eigene Draftteam zu erstellen.

Einleitung

Jeder Pokémonspieler hat sich sicherlich schon einmal mit der Frage auseinander gesetzt, welches denn das beste Pokémon ist - sei es im kompetitiven Bereich auf der Showdown-Ladder in einem bestimmten Tier, während eines regulären Playthroughs für das eigene Team oder auch ganz allgemein alle Bereiche übergreifend. Auch bei Draftligen gibt es sehr häufig Diskussionen darüber, welches die besten Draft-Pokémon sind oder ob ein bestimmtes Pokémon besser ist als ein anderes. Die Schwierigkeit in der Beantwortung dieser Frage liegt an der Vielschichtigkeit, die das Spiel Pokémon mit sich bringt. Objektive Werte der einzelnen Pokémon wie die Basiswertsumme müssen mit vielen anderen Faktoren abgeglichen werden, um zu einem umfassenden Urteil über die Stärke eines Pokémon zu kommen. So geht es unter anderem um die Movepools, die Typenkombinationen oder die Fähigkeiten der einzelnen Taschenmonster, aber auch um sehr subjektive Faktoren wie der Eignung des Pokémon für den eigenen präferierten Spielstil - dies alles spielt eine Rolle, wie hoch ein bestimmtes Pokémon in einer Qualitäts-Rangliste rutschen kann.

Da all diese Faktoren und besonders deren Zusammenspiel empirisch nicht fassbar sind, ist eine Klassifizierung und Beurteilung der Pokémon hiernach praktisch unmöglich. (Selbst unser Pokefans Viability-Ranking ist letztlich nur eine Sammlung subjektiver Meinungen.) Dennoch möchte ich mich dieser Herausforderung annehmen und mit diesem Artikel versuchen, diese Vielfalt an Faktoren irgendwie unter einen Hut zu bringen und am Ende ein aussagekräftiges Ranking über die besten (oder zumindest über gute) Draft-Pokémon zu präsentieren. Denn ich hatte da eine Idee…

Die Herangehensweise

Meine Strategie beruht auf folgender Prämisse: Kompetitive Pokémonspieler wollen gewinnen und wählen dementsprechend diejenigen Pokémon ins Team, von denen sie sich die größten Gewinnchancen versprechen. Mit anderen Worten: Sie sind von der Qualität ihrer Teammitglieder überzeugt. Durch eine solche Herangehensweise funktioniert das Tiering-System des normalen Smogon-Metagames, das auf die Usage, also die tatsächliche Nutzung der Pokémon basiert. Dies bedeutet, dass Pokémon, die sehr häufig benutzt werden und dadurch als sehr erfolgversprechend gelten im obersten Tier landen (z.B. Demeteros-T oder Heatran), während sehr selten bis so gut wie nie benutzte Pokémon im untersten Tier landen (z.B. Sandamer oder Galoppa). Durch dieses System lässt sich allgemein sagen (und jeder Pokémon-Spieler wird zustimmen), dass Demeteros-T ein besseres, weil erfolgversprechenderes, Pokémon ist als Sandamer (bezogen auf das OU-Metagame).

Die Besonderheit dieses Artikels ist nun, dass ich dieses Usage-Prinzip erstmalig auf Draftligen ausgeweitet habe. Hier muss natürlich gesagt werden, dass meine Prämisse etwas idealistisch ist. Spieler suchen sich ihre Teammitglieder nicht immer nur nach dem Kriterium der Erfolgswahrscheinlichkeit aus, sondern nehmen auch gerne Pokémon in ihr Team, auf die sie einfach einmal Lust haben oder auch Pokémon, die sie einfach mögen. Dies kann also unter Umständen zu ein paar Verzerrungen führen. Dennoch denke ich, dass ich genug spannende und Interessante Erkenntnisse damit liefern kann.

Als Vorbereitung auf diesen Artikel habe ich mir also die Teamübersichten aus 20 verschiedenen Draftligen angeschaut und damit eine Datenbank aus über 2000 gepickten Pokémon erstellt. Die Draftligen, darunter unter anderem Liga 1 und 2 der GPL Season 5 und Kanto-, Johto-, Hoenn-, Sinnoh- sowie die Einall-Liga aus der ersten Season der PFDL, spielten alle mit einer extrem ähnlichen Tierliste, das heißt 5 Tiers (S-Tier, A-Tier, B-Tier, C-Tier und D-Tier) und jeweils mit drei Picks im B-Tier und zwei Picks in den restlichen Tiers. Geringe Abweichungen gab es nur bei wenigen einzelnen Pokémon, die in manchen Ligen ein Tier hoch- oder heruntergestuft wurden im Vergleich zu den anderen Ligen. Die Ähnlichkeit der Tierlisten erschien mir notwendig, um erstens die Vergleichbarkeit unter den Ligen zu gewährleisten und zweitens repräsentative Daten für die nächste Season der PFDL zu erhalten, die wieder nach diesem Tierlist-System spielen wird. Pokémon, die für die zweite Season der PFDL in ein anderes Tier verschoben wurden, liste ich hier noch in ihrem alten Tier auf, da sie eben dort gepickt worden sind. Auf diese Pokémon werde ich dann jeweils noch eingehen.

Als ich alle Daten also zusammengetragen hatte, habe ich die Pokémon nach der Anzahl ihrer Picks untersucht und sortiert. Da ein Pokémon (oder eine Form eines Pokémon) in einer Liga jeweils nur einmal gepickt werden kann, ist eine Anzahl von 20 Picks also das Maximum, das ein Pokémon erreichen kann. Vorneweg sei gesagt: Diesen Wert konnte nur ein einziges Pokémon erreichen.

Was sagen die Daten aus?

Wie bereits erwähnt besagt die Theorie, dass ein Pokémon mit einer hohen Pick-Quote auch von der Qualität her hoch einzustufen ist: Die Beliebtheit spiegelt wider, dass dieses Pokémon zuverlässig ist, in mehrere verschiedene Spielstile hineinpasst und allgemein gute Erfahrungen in der Vergangenheit damit gemacht wurden, sodass es erneut gepickt wurde. Trügerisch wäre es jedoch, den Umkehrschluss zu ziehen und zu behaupten, dass jedes Pokémon mit einer geringeren Pick-Quote automatisch als schlecht einzustufen ist. Wenngleich dies für manche Pokémon sicherlich zutreffen mag, so ist das doch etwas differenzierter zu betrachten. Eine geringe Pick-Zahl kann nämlich auch bedeuten, dass ein Pokémon eher schwierig zu spielen ist und/oder in eher wenige Spielstile hineinpasst, sodass sie unbeliebter sind als die "Selbstläufer" mit einer hohen Pick-Quote. Richtig eingesetzt können diese Pokémon durchaus sehr effektiv sein. Es benötigt lediglich mehr Erfahrung des Spielers oder ein gutes Team um dieses Pokémon herum. So kann es passieren, dass ein Pokémon mit einer hohen Wertung im Pokefans Viability-Ranking hier in dieser Liste eine eher niedrige Pick-Zahl hat, weil dieses Pokémon eben ein sehr hohes Potential hat, es jedoch schwierig ist, dieses Potential richtig zu nutzen und es deshalb nicht allzu beliebt ist.

Zuletzt muss erwähnt werden, dass die Qualität eines Pokémon immer in Relation zu seinem Tier zu sehen ist. Pokémon im S-Tier sind generell stärker als Pokémon im D-Tier (weshalb sie ja höher eingestuft sind), aber oftmals ist ihre Stärke nicht unbedingt ihrem "Preis" entsprechend. Die Pick-Quote bewertet also gewissermaßen das Preis-Leistungs-Verhältnis eines Pokémon. In anderen Worten: Sie beschreibt wie gut ein bestimmtes Pokémon in seinem Tier ist.

Ein weiterer nützlicher Aspekt davon, die Usage der Pokémon zu untersuchen, zeigt sich in der Draftplanung. Hat man vor Augen, dass ein Pokémon, das man gerne im Team haben möchte, auch bei anderen sehr beliebt ist, kann man sich darauf einstellen, dass man es relativ früh picken sollte, während man bei eher unbeliebten Pokémon eventuell das Risiko eingehen kann, länger zu warten und sich zuerst um andere, wichtigere Picks kümmern kann. Diesen Punkt sollte man in der Draftplanung beachten: Besteht dein Wunschteam aus den 11 beliebtesten Pokémon, so solltest du dir einen guten Plan B überlegen, denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass deine Mitstreiter ebenfalls auf die Idee kommen, diese Pokémon zu picken und sie dir wegschnappen, bevor du an der Reihe bist. Zudem lassen sich allgemeine Tendenzen aufzeigen, welche Rollen in welchen Tiers am liebsten gepickt werden. Es wird interessant sein zu sehen, welche Strategien die Spieler bei der Teamplanung verfolgen, um all ihre Rollen in ihrem Team unterzukriegen.

Doch damit genug zur Theorie. Sicher wartest du schon gespannt darauf zu sehen, was das populärste Pokémon des S-Tiers ist oder ob dein Starplayer deiner letzten Liga auch in der Allgemeinheit sehr beliebt ist. Ich hoffe, dass ich all deine Fragen in den nächsten Abschnitten beantworten kann. Zunächst wird es eine Übersicht mit den beliebtesten Pokémon aus den einzelnen Tiers geben, dann werde ich ausgewählte Typen und deren am häufigsten gepickten Vertreter vorstellen. In der Regel werde ich auf die Vorteile einzelner Pokémon dann erst im zweiten Teil eingehen und vorher nur über allgemeine Auffälligkeiten im jeweiligen Tier sprechen. So weit, so gut: Let’s get started!

Ranglisten nach Tiers

Das S-Tier

Im S-Tier herrschen die Stärksten der Stärksten. In der Regel bauen die Teilnehmer ihre Teams um Pokémon aus diesem Tier. Sie bauen ihre Grundstrategie auf diese Pokémon auf und nehmen sie in der Mehrzahl der Matches auch ins Team. Der S-Tier-Core fällt dem Gegner in der Teamvorbereitung als erstes ins Auge; besonders auf ihn gilt es, sich vorzubereiten. Im Draft geht die Mehrzahl der S-Tier-Pokémon bereits in den ersten zwei Runden weg. Die Wahl der S-Tier-Picks ist also unfassbar wichtig für das Team und auch ich persönlich war im S-Tier sehr gespannt zu sehen, welches Pokémon das Beste der Besten ist.

Platz Pokémon Pick
1 19
Kyurem-SchwarzKyurem-Schwarz
19
19
4
Boreos-TBoreos-Tiergeistform
16
Demeteros-TDemeteros-Tiergeistform
16
Mega-SchlaporMega-Schlapor
16
7
Mega-BisaflorMega-Bisaflor
14
8 13
Mega-LatiosMega-Latios
13
10 12
12
12
ZygardeZygarde-50%
12
Mega-DiancieMega-Diancie
12

Wer hier das Pokémon mit der 100%-Quote erwartet hat, täuscht sich. Interessanterweise wurde keines der S-Tier-Pokémon 20 von 20mal ausgewählt. Dennoch kristallisierten sich unter den Draftliga-Spielern drei klare Favoriten heraus: Das Schwarze Kyurem, Kapu-Riki und Jirachi.

Dass diese drei Pokémon sehr beliebt sind, sollte kaum einen erfahrenen Draftliga-Spieler überraschen. Jirachi und Kyurem-Black bestechen durch ihre Vielseitigkeit. Während Jirachi gleichzeitig als offensiver und defensiver Threat gesehen werden muss, ist es beim schwarzen Kyurem quasi unmöglich, dauerhafte sichere Switch-Ins zu finden. Kapu-Riki wiederum ist ein exzellenter offensiver Pivot, der allein durch Voltwechsel viele Teams schon stark unter Druck setzt und potentielle Checks dank des Z-Moves mit Z-Strauchler oder Z-Sturzflug sogar für sich selbst aus dem Weg räumen kann.

Für die Tiergeistformen von Boreos und Demeteros auf den weiteren Plätzen gilt ähnliches wie für Jirachi: Sie sind sowohl offensiv als auch defensiv gut spielbar und können dank Kehrtwende für Momentum sorgen, um andere gefährliche Pokémon des eigenen Teams in den Kampf zu bringen. Dazu gehören sicherlich die Mega-Formen von Schlapor, Latios und Diancie sowie Victini und Snibunna, die ebenfalls in dieser Liste zu finden sind, dank ihrer Fähigkeit, extrem viel offensiven Druck aufzubauen. Komplettiert wird diese Liste durch Kapu-Toro und Mega-Bisaflor, die sich sehr gut in defensive Cores einbauen lassen, Zygarde-50%, welches immer eine Win-Condition darstellt sowie den Stahl-Pokémon Stalobor und Kaguron, zu denen wir später noch genauer kommen wollen.

Allgemeine Tendenzen

Vielseitigkeit und Momentum prägen die Top-Picks des S-Tiers. Mit Ausnahme von Snibunna, Mega-Schlapor und Kapu-Riki können alle gelisteten Pokémon sowohl austeilen als auch einstecken. Besonders auffällig ist, dass unter den 6 beliebtesten Picks vier Pokémon die Attacke Kehrtwende beherrschen und die beiden übrigen von einem VoltTurn-Core enorm profitieren. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, im Kampf das Momentum aufrecht zu erhalten. Bereits im S-Tier die entsprechenden Pokémon dafür auszuwählen, ist sicher keine schlechte Idee.

Das A-Tier

In der Regel sind auch die Pokémon des A-Tiers große Gefahren für gegnerische Teams. Einige Spieler tendieren dazu, hier ihre Defensive zu picken, nachdem sie ihr S-Tier mit den großen "Power-Häusern" gefüllt haben. Doch auch an Offensive hat das A-Tier noch einiges zu bieten. Schauen wir uns die beliebtesten A-Tier-Picks einmal an:

Platz Pokémon Pick
1 17
Voltolos-TVoltolos-Tiergeistform
17
3 16
16
16
6 15
Rotom-WaschRotom-Wasch
15
8 14
9 13
10 12
11 11
12 10
10

*In PFDL Season 2 im S-Tier

Feelinara und Voltolos-T führen mit jeweils 17 Picks die Rangliste des A-Tiers an und die beiden sind repräsentativ für die gesamte Rangliste: Defensive auf der einen und Offensive auf der anderen Seite. Mit Feelinara, Tangoloss, Kapu-Kime, Rotom-Wash, Aggrostella, Laschoking, Hippoterus und Suicune finden sich hier sehr viele Walls und Tanks wieder, die zwar teilweise immer noch austeilen können, aber vor allem aufgrund ihrer defensiven Fähigkeiten gepickt werden. Ein anderer passender Begriff ist der des defensiven Pivots. So kann Rotom-Wash zum Beispiel in viele Pokémon dank seiner Typenkombination leicht einwechseln und dann mit Voltwechsel für Momentum sorgen. Auch Laschoking, Tangoloss und Aggrostella erlauben dank ihrer Fähigkeit Belebekraft mehrfache Switch-Ins in offensive Threats des Gegners und funktionieren auch untereinander sehr gut als Belebekraft-Core. Feelinara funktioniert gut als Wunschtraum-Supporter für andere Pokémon, die sich nicht selbstständig heilen können und kann sich mit der Feenschicht-Schallwelle auch ganz gut wehren. Kapu-Kime dient als eine der zuverlässigsten Hazard-Entferner und kann trotz fehlender aktiver Heilung dank seiner Typenkombination sehr oft eingewechselt werden. Hippoterus wiederum bringt noch einmal Tarnstein-Support und kann man Wirbelwind gegnerischen Set-Up verhindern, während Suicune für den unvorbereiteten Spieler dank Gedankengut und Erholung schnell zur unüberwindbaren Wall werden kann.

Auf der anderen Seite des Spektrums befinden sich unter den Top-Picks des A-Tiers mit Voltolos-T, Panferno, Mamutel, Trikephalo und Serpiroyal extrem gute Wallbreaker und Sweeper. Voltolos-T kennt dank seiner Coverage kaum sichere Switch-Ins. Für Panferno gilt ähnliches, besonders wenn es mit dem Z-Move ausgestattet ist. Beide können zudem mit Kehrtwende für Momentum sorgen. Dasselbe gilt für Trikephalo, das entweder als Scarfer großen Druck auf Offensive Teams aufbaut, oder mit dem Leben-Orb als Wallbreaker dienen kann, der sogar dank Zugang zu Ruheort eine gewisse Langlebigkeit besitzt und dank Schwebe und einiger Resistenzen noch eine defensive Utility für das Team mit sich bringt. Mamutels Kombination aus Boden- und Eis-Attacken stellt viele Teams vor Probleme, da selbst der physisch Defensive bulky Water-Type meist zu viel Schaden nimmt und zuletzt muss man vor Serpiroyal immer aufpassen, da es nach ein paar Blätterstürmen schnell eskalieren kann.

Allgemeine Tendenzen:

Im Vergleich zum S-Tier sind die Rollen im A-Tier viel klarer verteilt. Auf der einen Seite sind defensive Pokémon hier sehr beliebt, auf der anderen Seite gibt es immer noch starke offensive Threats, wenn man lieber an anderen Stellen für die Defensive sorgen möchte.

Das B-Tier

Das B-Tier sticht unter den Tiers ein wenig heraus durch die Tatsache, dass man sich hier drei statt zwei Pokémon picken kann. Dies hat zur Folge, dass die Pick-Werte allgemein etwas höher sind als in den anderen Tiers. Darüber hinaus ist das B-Tier größer als die beiden höheren Tiers; mehr Pokémon für mehr Rollen stehen hier den Teilnehmern zur Verfügung. Doch ein Pokémon kann sich nicht nur als König des B-Tiers auszeichnen, sondern „gewinnt“ mit 20 von 20 möglichen Picks auch die Krone für den Titel des beliebtesten Draftpokémon:

Platz Pokémon Pick
1 20
2 17
17
17
17
6 15
15
15
Rotom-HitzeRotom-Hitze
15
10 14
14
14
14
14 13
13
16 12
12
12
12

*In PFDL Season 2 im A-Tier

Das beliebteste Draft-Pokémon heißt Arkani und schaut man sich an, was Arkani alles kann, ist das auch keineswegs überraschend: Dank des Typings ist es ein guter Switch-In in die beliebten Stahl- und Feen-Pokémon, mit dem Bedroher kann es physische Angreifer zudem zusätzlich schwächen. Seine Defensivwerte sind mit 90 KP sowie 80 in beiden Verteidigungswerten allgemein nicht so schlecht und mit Morgengrauen besitzt es eine zuverlässige Heilungsmöglichkeit. Mit 110 Angriffs- und 100 Spezial-Angriffs-Base steht Arkani auch auf der offensiven Seite gut da. Die Feuer-Elektro-Coverage mit Flammenblitz und Stromstoß ist gefährlich; der Nahkampf rundet diese Coverage ab und mit Turbotempo kann ein offensives Arkani auch als Revenger oder Cleaner eingesetzt werden. 95 Speed ist nicht überragend, reicht jedoch locker um die gegnerischen Walls zu outspeeden und mit dem Wahlband breaken zu können. Zudem ist auch der Wahlschal ein gutes Item auf Arkani, um damit am Ende aufräumen zu können. Das einzige, was Arkani wirklich fehlt ist gute Coverage auf der speziellen Seite, aber sonst kann es in einem Team sehr viele verschiedene Rollen einnehmen, wodurch es in beinahe jedes Team extrem gut hineinpasst.

Neben Arkani finden wir in der Top-Liste der B-Tier-Picks die verschiedensten Rollen wieder: Milotic, Florges und Cresselia sind beeindruckend zuverlässige Walls, gegen die viele nur ungerne spielen. Kyurem, Hariyama und Lucario sind gefürchtete Wallbreaker. Blitza, Iksbat und mit auch Quajutsu fungieren als schnelle, offensive Pivots und sorgen für die Geschwindigkeit im Team. Daneben findet man noch gute Tanks wie Metagross oder Impoleon sowie Allrounder wie Celebi oder Rabigator.

Allgemeine Tendenzen

Im B-Tier gibt es keine klaren Tendenzen, welche Rollen hier besonders gerne gepickt werden. Alle möglichen Rollen haben hier ihre Plätze auf den oberen Rängen und diejenigen Pokémon, die diese Rollen am besten erfüllen, landen dann in den Teams der Teilnehmer. Vor allem aber scheint eine Sache sicher zu sein: Arkani geht immer weg.

Das C-Tier

Wenn die Spieler ihre Pokémon für das C-Tier planen, steht meistens schon der Kern des Teams. Der Großteil der wichtigen Rollen ist bereits vergeben, aber falls noch eine fehlt, bietet das C-Tier noch ein paar Optionen. Dennoch, die Spieler sind sich bewusst, dass die Qualität der Pokémon im C-Tier im Vergleich zum B-Tier schon deutlich nachlässt. Die guten Pokémon sind hier rar und gehen gerne mal schneller weg, als man glauben mag. Doch welche sind das? Schauen wir es uns an:

Platz Pokémon Pick
1 14
14
Wolwerock-ZwielichtformWolwerock-Zwielichtform*
14
4 13
13
13
7 12
12
9 11
11
11
11
13 10
10
10
10

*In PFDL Season 2 im B-Tier

Tatsächlich wird die C-Tier-Rangliste von defensiven Pokémon dominiert. Aquana oder Apoquallyp sind bulky Water-Types – eine Rolle, die die Mehrzahl der Spieler gerne in seinem Team hat. Mit Tangela, Pumpdjinn und Moruda befinden sich hier auch drei bulky Grass-Types, die oftmals dazu genutzt werden, um defensive Cores zu vervollständigen. Keifel ist nicht nur ein hervorragender Tank, der einstecken und austeilen kann, sondern dient auch als wichtiger Check gegen Elektro-Pokémon und zuverlässiger Tarnsteinleger und genießt deshalb hohe Beliebtheit. Elfun und UHaFnir sind im C-Tier die besten Optionen, um Geschwindigkeit ins Team zu holen. Unlicht-Pokémon (vor allem mit Abschlag) möchten ebenfalls die meisten gerne im Team haben. Im C-Tier werden sie mit Fuegro und Piondragi fündig. Zuletzt tauchen hier noch zuverlässige Tarnsteinleger in Form von Selfe und Forstellka auf, die defensiv gut aufgestellt sind und dank Kehrtwende bzw. Voltwechsel für langsames Momentum sorgen können.

Die restlichen Pokémon fallen aus den klassischen Rollen etwas heraus: Die Zwielichtform von Wolwerock vereint mehrere Sachen – sie bringt noch einmal Geschwindigkeit und kann als Wallbreaker (mit Z-Stein) oder als klassischer physischer Sweeper mit guter Coverage agieren. Bissbark ist ein guter und vor allem günstiger Pick, wenn sich im Team ein Sandsturm-Bringer befindet. Sabbaione und Curelei teilen sich zwar den Feen-Typen mit Pokémon wie Florges oder Feelinara und wirken auf den ersten Blick ähnlich zu ihnen, spielen sich jedoch meist anders, da sie mehr auf eigenes Set-Up aus sind, als das Team zu unterstützen. (Sabbaione kann dies mit dem Klebenetz auf eine andere Weise tun).

Allgemeine Tendenzen

Das C-Tier hat seine Juwelen für wichtige Rollen und genau diese Juwelen sind die Pokémon, die am häufigsten gepickt werden. Habe dies im Kopf, wenn du dein Team draftest und picke deinen C-Tier-Pick lieber etwas früher, wenn du eins dieser Juwele in deinem Team haben möchtest, denn bei einem Snipe wird es sehr schwer, guten Ersatz zu finden.

Das D-Tier

Die Herangehensweise der Spieler an die D-Tier-Picks ist sehr unterschiedlich. Die meisten Spieler haben ihre wichtigen Rollen bereits verteilt und suchen lediglich nach Ergänzungen. Andere suchen im D-Tier noch nach brauchbaren Ersatzpicks, da sie Snipes von wichtigen Pokémon erleiden mussten; wiederum andere picken hier Pokémon, auf die sie einfach mal Lust haben, denn generell gilt: Mit einem D-Tier-Pick kann man nicht viel falsch machen, er kann eigentlich nur positiv überraschen. Dies alles hat zur Folge, dass die Picks im D-Tier am breitesten auf alle Pokémon verteilt sind. Nur einige wenige Pokémon wurden einigermaßen häufig gepickt, sodass sie sich das Prädikat „beliebt“ verdienen können:

Platz Pokémon Pick
1
Wolwerock-TagformWolwerock-Tagform*
14
2 10
10
4 9
AmigentoAmigento(Feen-Disc)
9
9
9
8 8
8
8
8
8

*In PFDL Season 2 im C-Tier

Der klare König des D-Tiers ist die Tag-Form von Wolwerock. Sehr ähnlich zu seiner Zwielicht-Form bringt die Tag-Form noch einmal Geschwindigkeit ins Team. Sehr beliebt ist auch das Tarnsteine + Notsituation Suicide-Lead-Set, mit dem man schnell und zuverlässig die Tarnsteine auf die Gegnerseite bringt und wenn es gut läuft noch ein Pokémon des Gegners bedeutend anschwächen kann.

Lanturn kann als speziell defensiver Pivot einige Pokémon aus höheren Tiers checken und für Momentum sorgen. Auch die beiden Amigento-Formen, die es in die Liste geschafft haben, sowie Rotom können gut als Pivot fungieren – defensiv wie offensiv. Auch Koalelu kann für Momentum sorgen, bringt jedoch auch andere Sets mit sich: Die Wahlband-Variante ist ein nicht zu unterschätzender Wallbreaker; Wunschtraum und Turbodreher können das Team supporten. Gufa wiederum ist als nervige Wall nicht zu unterschätzen, schafft man es nicht, seine Passivität richtig auszunutzen. Colossand ist eine durchaus zu beachtende Alternative als Boden-Pokémon, konnte man dieses in keinem anderen Tier bisher unterbringen.

Zuletzt befinden sich im D-Tier noch Hazard-Setter mit Amoroso und Maskeregen, sowie mit Tornupto und Raichu gute offensive Pokémon, die dank ihrer Typen in viele Team noch hineinpassen, ist dieser Typ noch nicht vorhanden.

Allgemeine Tendenzen

Es fällt schwer, etwas zu allgemeinen Tendenzen im D-Tier zu sagen. Wolwerock-Tag sticht sicherlich heraus als gute Ergänzung für viele Teams, aber sonst kann man das von keinem Pokémon sicher behaupten. Was ein guter D-Tier-Pick ist, ist sehr individuell und hängt vor allem von der bereits vorhandenen Teamstruktur ab. Sollte dir aber auffallen, dass eins der genannten Pokémon eine Lücke in deinem Team schließen würde, ist es sicherlich keine schlechte Wahl.

Zusammenfassung aller Tiers

Die Usage-Daten haben uns einen guten Einblick gegeben, welche Arten von Pokémon in den einzelnen Tiers gepickt werden:

S-Tier: Variabilität und Momentum

A-Tier: Offensive auf der einen, Defensive auf der anderen Seite

B-Tier: Alles Mögliche

C-Tier: Klar definierte Rollen, bestimmte Juwele

D-Tier: Ergänzungen

Alle Pickzahlen auf einen Blick

Die Tier-Shifts und mögliche Konsequenzen

Für die zweite Season der PFDL haben wir im Strategie-Team ein paar Veränderungen der Tier-Liste beschlossen. Einige Pokémon hielten wir für zu stark, beziehungsweise zu schwach in ihrem bisherigen Tier und wurden dementsprechend um ein Tier nach oben, bzw. nach unten verschoben. Dies bedeutet natürlich auch, dass sich das Preis-Leistungs-Verhältnis der Pokémon ändert. Manche Pokémon wie Milotic, Voltolos-T oder Fuegro werden teurer, es wird also interessant sein zu sehen, auf welche Pick-Zahlen diese Pokémon dann in den jeweils höheren Tiers kommen. Andere Pokémon wiederum wie Grandiras, Aranestro oder Branawarz, die in ihren Tiers bisher kaum gepickt wurden, werden dementsprechend günstiger und könnten dann höhere Pick-Zahlen aufweisen. Hier gilt es dann in Zukunft bei einer weiteren Analyse diese Veränderungen zu beobachten.

Rangliste nach Typen

Nun, da wir die Tiers abgeschlossen haben, widmen wir uns anderen Aspekten, nach denen wir die Pokémon einteilen können. Ich habe in diesem Artikel oftmals von Rollen gesprochen, die die Pokémon einnehmen. Am liebsten würde ich an dieser Stelle auch gerne Tabellen über Wallbreaker, physische Walls oder Supporter präsentieren, jedoch ist die Klassifizierung aller Pokémon in diese Rollen mehr als schwierig. Gerade im Draftformat können einige Pokémon viele verschiedene Rollen einnehmen. Rabigator beispielsweise ist mit der Fähigkeit Hochmut und einem Wahlschal-Set ein gefährlicher Cleaner. Es ist jedoch auch dank Bedroher und ordentlicher Defensiv-Werte ein angenehmer Tank und Tarnsteine-Leger. Darüber hinaus könnte man ihm noch die Rollen „STAB-Abschlag-Nutzer“ oder „Elektro-Immunität“ verleihen. Es wäre also extrem fehlleitend, wenn man eine Rangliste der Cleaner erstellen würde und dann Rabigator als einen der besten Cleaner bezeichnet. Schließlich nimmt es meist eher andere Rollen ein. Darüber hinaus ist es oftmals schwierig, eine Rolle genau zu definieren. Ab welcher Durchschlagskraft zählt ein Pokémon als Wallbreaker? Wie viel muss es aushalten können, um als Wall zu gelten? Ist jedes Pokémon, das Auflockern beherrscht, automatisch eine gute Hazard-Removal? Auf diese Fragen gibt es keine klaren Antworten. Ich verzichte also auf eine Klassifizierung dieser Art.

Stattdessen orientiere ich mich an klar einzusehenden Eigenschaft: Die Typen der Pokémon. Sehr viele Draftligaspieler halten es für essentiell wichtig, bestimmte Typen im Team zu haben, da sie im Teambuilding enorme Vorteile bieten. Die nächsten Abschnitte werden eine Übersicht darüber liefern, warum diese Typen als wichtig angesehen werden und welche Pokémon die beliebtesten Vertreter ihres Typen sind.

Stahl-Pokémon

Der Stahl-Typ gehört seit jeher zu den besten defensiven Typen. Ein Stahl-Pokémon hilft einem allein durch seine Resistenz enorm gegen gegnerische Feen- und Drachenpokémon, die wiederum offensiv zu den gefährlichsten gehören. Auch offensiv sind Stahl-Pokémon sehr oft notwendig, da sie die defensiven Feen besiegen können. In einer Umfrage unter den Teilnehmern nach der letzten PFDL-Season hielten 70% der Teilnehmer an dieser Umfrage ein Stahl-Pokémon für essentiell wichtig für ein Draft-Team.

Platz Pokémon Pick
1 19
2 15
15
4 14
14
6 12
12
12
9 11
11

(*die Daten für Magearna und auch für Mega-Latias sind nicht vollkommen aussagekräftig, da sie in einigen der untersuchten Ligen bereits gebannt waren. Da sie auch für die PFDL Season 2 gebannt sind, gehe ich auf beide auch nicht weiter ein, führe sie aber der Vollständigkeit halber auf)

Die Pickzahlen der Stahl-Pokémon bestätigen das, was allgemein über Stahl-Pokémon gesagt wird: Sie sollen viel einstecken können. Mit Ausnahme von Lucario, das in den meisten Teams eher die Rolle des Kampf-Pokémon einnimmt, haben alle Pokémon in dieser Liste mindestens ordentliche Defensiv-Werte, durch die sie mehrfach in Feen-, Drachen- oder Psycho-Attacken einwechseln können. Die meisten Pokémon in dieser Liste sind so genannte Tanks - sie besitzen keine direkte Recovery und sind deshalb nicht allzu langlebig, können aber dafür auch offensiven Druck auf Gegnerteams aufbauen, wenn sie in ein Pokémon eingewechselt werden, das ihnen nichts anhaben kann. Die meisten verfügen ebenfalls über gute Utility-Optionen, um die Passivität anderen Pokémon ihnen gegenüber auszunutzen - sie legen Tarnsteine oder andere Hazards, entfernen sie mit Auflockern oder Turbodreher oder nerven den Gegner mit Status oder Egelsamen wie im Falle von Clavion bzw. Kaguron. Jirachi sticht aus allen Stahl-Pokémon auf jeden Fall heraus, da es all diese Qualitäten kombiniert mit sich bringt. Es kann extrem viel aushalten auf beiden Seiten, kann Tarnsteine legen, mit Wunschtraum sich selbst oder ein Teammitglied sogar heilen und sich auch noch Momentum mit Kehrtwende holen. Dazu hat es noch gute offensive Werte und angenehme Coverage, mit denen es sogar zu einer offensiven Gefahr werden kann. Jirachi steht also nicht überraschend an der Spitze dieses Rankings.

Wasser-Pokémon

Ähnlich wie der Stahl-Typ ist auch Wasser mit nur zwei Schwächen sehr gut aufgestellt auf der defensiven Seite. Der so genannte „bulky Water-Type“ ist ein Staple für Draftliga-Teams, da er ein sehr guter defensiver Rückhalt für fast jedes Team ist. Den bulky Water-Type hielten 67% für essentiell wichtig für ein Draft-Team.

Platz Pokémon Pick
1 17
2
Rotom-WaschRotom-Wasch
15
15
4 14
14
6 13
7 12
12
9 10
10
10

Auch bei den Wasser-Pokémon sehen wir wie bei den Stahl-Pokémon vorhin, dass die Liste von defensiven Pokémon dominiert wird - hier sticht einzig Quajutsu als rein offensiv Wasser-Pokémon heraus. Anders jedoch als bei den Stahl-Pokémon geht hier die Tendenz weg von den Tanks hin zu klassischen Walls mit einer zuverlässigen Heilungs-Option wie Milotic, Aquana, Apoquallyp oder Suicune (bei dem die Erholung sehr zuverlässig ist). Hinzu kommen mit Aggrostella und Laschoking zwei Pokémon, die sowohl klassisch als Wall fungieren können, als auch dank Belebekraft exzellente Pivots darstellen. Lanturn und Rotom-W können sich zwar nicht zuverlässig heilen, sind aber ebenfalls dank Voltwechsel und ihrer Defensivwerte als gute Pivots zu nennen. Zuletzt finden sich mit Kapu-Kime und Impoleon noch zwei Tanks. Zu Impoleon möchte ich anmerken, dass es aufgrund seiner Kampf- und Boden-Schwäche(welche zwei Typen sind, die bulky Water-Types oftmals checken sollen) in der Rolle als Wasser-Pokémon weit weniger reinpasst als in die oben genannte Rolle des Stahl-Pokémon. Dass Milotic schließlich die Top-Position dieses Rankings einnimmt, liegt sicherlich an seinem starken Preis-Leistungs-Verhältnis, dadruch, dass es ein B-Tier-Pick war. Es wird interessant sein zu sehen, wie Milotic in der nächsten Season im A-Tier performen wird.

Feen-Pokémon

Der Feen-Typ vereint gute offensive Fähigkeiten mit guten defensiven Fähigkeiten. Feen sind die besten Antworten auf starke gegnerische Drachenpokémon und können mit Kampf-Pokémon klarkommen, die oft gefährliche Wallbreaker darstellen. Wie bei den Stahl-Pokémon sehen auch hier 70% Feen als essentiellen Bestandteil von Draftliga-Teams an.

Platz Pokémon Pick
1 19
2 17
17
4 15
15
6 13
13
13
9
Mega-DiancieMega-Diancie
12
10 11
11

*siehe oben

Bei den Feen-Pokémon ist das Spektrum viel breiter als bei den Wasser- und Stahl-Pokémon. Auf der einen Seite finden wir hier defensive Feen mit Florges und Feelinara, die als Walls und Clerics fungieren (auch Sabbaione und Curelei kann man mit ein paar Abstrichen in diese Kategroie zählen, sie haben aber meist auch offensive Funktionen), auf der anderen Seite sind auch schnelle, offensive Feen wie Kapu-Riki, Mega-Diancie und Elfun in dieser Liste vertreten. Clavion und Kapu-Kime stellen wie in den beiden ersten Kategorien bereits erwähnt Tanks dar. Kapu-Toro möchte ich hier extra aufführen, da es vom Feen-Typen lediglich in der Defensive profitiert, der ihm nützliche Resistenzen und eine Immunität bringt. Offensiv kann es den Feen-Typen in der Regel nicht nutzen.

Als Fazit für die Feen-Pokémon kann man also ziehen, dass es für die Spieler im Vergleich zu Wasser- oder Stahl-Pokémon nicht entscheidend ist, speziell ein defensives (ebenso wenig wie speziell ein offensives) Feen-Pokémon im Team zu haben. Beide Seiten dieses Spektrums (sowie Abstufungen dazwischen) scheinen für ein Team angemessen zu sein.

Elektro-Pokémon

Um Antworten auf gegnerische bulky Water-Types zu haben, greifen viele Spieler auf Elektro-Pokémon zurück. Mit ihren STAB-Angriffen können sie eben diese Water-Types enorm unter Druck setzen. Gerade der Voltwechsel ist eine sehr gute Attacke, da sie sowohl guten Schaden anrichtet, als auch Momentum bringt. In Kombination mit einem Pokémon, das Kehrtwende beherrscht, können Elektro-Pokémon einen guten VoltTurn-Core bilden, der im Verlauf des Kampfes dafür sorgt, das Momentum aufrecht zu erhalten. In der Umfrage von letzter Season stimmten zwar nur 38% für Elektro-Pokémon als fester Bestandteil von Draftliga-Teams, ich persönlich halte sie aber für außerordentlich gut und gehe selbst nie ohne Elektro-Pokémon in eine Draftliga.

Platz Pokémon Pick
1 19
2
Voltolos-TVoltolos-Tiergeistform
17
17
4
Rotom-WaschRotom-Wasch
15
Rotom-HitzeRotom-Hitze
15
6 12
7 11
8
Voltolos-IVoltolos-Inkarnationsform
10
10
Rotom-SchneidRotom-Schneid
10

Das Stichwort für die Elektro-Pokémon, die man hier in dieser Liste findet, lautet: Pivot. Die Liste wird auf der einen Seite dominiert von schnellen Elektro-Pokémon, die dank ihrer guten Offensivwerte, eben ihrer Geschwindigkeit und (im Falle der beiden Voltolos-Formen) ihrer Coverage starken Druck auf die Gegnerteams ausüben können, dann mit dem Voltwechsel den Switch-In anchippen und direkt vor ihm fliehen können. Diese Fähigkeit des offensiven Pivoting macht diese Elektro-Pokémon so gefährlich. Kapu-Riki und die beiden Voltolos-Formen sind noch einmal gefährlicher, da sie sogar Kehrtwende lernen können, dank der sie nicht von Boden-Pokémon gestoppt werden. Je nach Match-Up können sie also entweder mit Kehrtwende auch gegen Boden-Pokémon auswechseln oder mit dem Voltwechsel mehr Schaden machen.

Auf der anderen Seite tauchen auf dieser Liste auch defensive Pivots auf, die im Kampf die Attacken der Gegner einstecken sollen und dann mit dem Voltwechsel für Momentum sorgen. Lanturn ist das beste Beispiel dafür. Die Rotom-Formen können sowohl die offensivere Rolle (zum Beispiel mit dem Wahlschal) einnehmen als auch die eher defensivere Rolle. Für Zapdos gilt dasselbe, dieses ist jedoch zudem noch als klassische Wall geeignet, dank seiner zuverlässigen Recovery.

Alles in allem gehören Elektro-Pokémon zu den besten Momentum-Bringern, die man sich ins Team draften kann. Sie werden mehrheitlich als offensive Pivots gedraftet, jedoch gibt es auch Picks mit eher defensiven Aufgaben.

Boden-Pokémon

Aufgrund der Stärke der Elektro-Pokémon und deren Fähigkeit, sich durch Voltwechsel Momentum zu ergattern, ist es für Draftliga-Teams erforderlich, diese Pokémon aufhalten zu können. Dies geht am leichtesten mit einem Boden-Pokémon. Eine „Elektro-Immunität“ möchten tatsächlich auch wieder 70% der Teilnehmer auf keinen Fall in ihrem Team missen.

Platz Pokémon Picks
1 17
2
Demeteros-TDemeteros-Tiergeistform
16
16
4 14
5 12
12
7 11
8 10
10
10

Bei den Boden-Pokémon zeigen sich in der Top-Liste keine klaren Tendenzen in eine Richtung. Auffällig ist aber, dass die Mehrzahl der hier aufgelisteten Pokémon auch gleichzeitig gute Tarnstein-Leger sind. Da man in vielen Teambuildings seinen Elektro-Check mitnehmen muss (besonders wenn man seinen bulky Water-Type beschützen will) und auch immer gerne Tarnsteine dabei hat, ergibt es Sinn, diese beiden Rollen auf einem Pokémon zu vereinen. Interessant finde ich persönlich die hohen Usage-Daten von Donphan und Libelldra - zwei Pokémon, die wir für Season 2 sogar ein Tier hinuntergestuft haben, weil wir sie als nicht gut genug für das B-Tier empfunden haben. Dass sie trotzdem gepickt wurden, kann natürlich zum einen (gerade bei Libelldra) auf deren allgemeine Beliebtheit zurückgeführt werden, zum zweiten auf eine abweichende Meinung der Teilnehmer der untersuchten Ligen zu diesen Pokémon im Vergleich zum Strategie-Team, zum dritten könnte es aber auch ein Indiz für die Wichtigkeit von Boden-Pokémon sein, wenn selbst die mit vermeintlich (aus Sicht des Strategie-Teams) schwächeren Preis-Leistungs-Verhältnissen noch gepickt werden. Die Antwort auf diese Frage bleibt offen.

Kampf-Pokémon

Als letzten Typen möchte ich hier noch Kampf-Pokémon aufführen. Spätestens wenn im Draft Relaxo oder Porygon2 gepickt werden, beginnen die anderen Spieler erfahrungsgemäß fieberhaft damit, gute Kampf-Pokémon zu suchen. Aber auch sonst sind Kampf-Pokémon in der Regel extrem gefährliche Wallbreaker, da sie meist über hohe Angriffswerte verfügen, starke Attacken wie Turmkick, Nahkampf oder Kraftkoloss beherrschen und angenehme Coverage mit sich bringen. Es hielten zwar nur 44% Kampf-Pokémon für essentiell wichtig, doch wie bei Elektro-Pokémon finde ich sie persönlich sehr stark und mag es, wenn mein Wallbreaker ein Kampf-Pokémon ist.

Platz Pokémon Picks
1 16
16
3 14
14
5 11
6 9
7 8
8
8
8

Schaut man sich nun diese Liste an, so stellt man fest, dass man tatsächlich jedes Pokémon mehr oder weniger als Wallbreaker bezeichnen kann. Für (Mega-)Meditalis, Hariyama und Lucario steht der Begriff Wallbreaker außer Frage. Terrakium, Kobalium, Wie-Shu und Panferno können dank Zugang zu Set-Up ebenfalls gut als Wallbreaker dienen, stellen aber auch gute Cleaner mit dem Wahlschal dar. Ähnliches gilt für Mega-Schlapor, das im Mid-Game ein guter Breaker sein kann, aber auch dank seines Speeds im Late-Game gut aufräumt. Einzig Resladero fällt etwas heraus, da es in den meisten Teams als Terrain-Sweeper fungiert. Wenig überraschend stellen also die beliebtesten Kampf-Pokémon tatsächlichen mehrheitlich gute Wallbreaker dar.

Weitere Typen

In der kompletten Übersicht sind auch die Statistiken für die restlichen, nicht genannten Typen zu finden. Bei den meisten kann man schon anhand der Pick-Zahlen der einzelnen Pokémon sehen, dass dieser Typ generell nicht so belliebt ist (z.B. Käfer oder Normal). Erwähnenswert ist in meinen Augen die Diskrepanz zwischen den einzelnen Vertretern des Eis-Typs. Hinter Kyurem-B, Mamutel, Keifel, dem normalen Kyurem und Snibunna klafft eine große Lücke zu Sniebel. Aus dieser Statistik kann man schließen, dass es fünf wirklich gute Eis-Pokémon im Draftformat gibt und der Rest schon deutlich abfällt.

Andere Rollen

Boden-Immunität

Aufgrund der Präsenz von Boden-Pokémon und allgemein der Attacke Erdbeben hält die Mehrzahl der Spieler (65%) eine Boden-Immunität für einen essentiellen Bestandteil von Draftliga-Teams. Flug-Pokémon und Pokémon mit der Fähigkeit Schwebe lassen nicht nur Boden-Attacken ins Leere laufen, es ist auch sehr angenehm, nicht von Stachler, Giftspitzen oder Klebenetz getroffen zu werden.

Platz Pokémon Picks
1
Voltolos-TVoltolos-Tiergeistform
17
2
Boreos-TBoreos-Tiergeistform
16
Demeteros-TDemeteros-Tiergeistform
16
4
Rotom-WaschRotom-Wasch
15
Rotom-HitzeRotom-Hitze
15
15
7 14
8
Mega-LatiosMega-Latios
13
13
10 12
12

Es fällt schwer, klar zu beurteilen, was Boden-Immunitäten genau machen. Die meisten der hier aufgezählten Pokémon werden in der Regel für andere Rollen gepickt und bringen eher als Bonus die Boden-Immunität mit sich. Auffällig ist einzig, dass 8 der 11 aufgezählten Pokémon über Kehrtwende oder Voltwechsel verfügen. Dies bedeutet, dass sie in die Boden-Attacken nicht nur sicher einwechseln können, sondern auch noch in der Lage sind, auf einen anschließenden Wechsel des Gegners passend zu reagieren.

Mega-Entwicklungen

Zu ORAS-Zeiten war es in vielen Draftligen noch Pflicht, sich ein Mega zu picken. Diese Pflicht existiert heute in der Regel nicht mehr, dennoch werden auch heutzutage noch kaum Teams gedraftet, die kein Mega-Pokémon beinhalten. Dies hat auch seine Gründe: Mega-Pokémon verbrauchen keinen Item-Slot – man hat so beispielsweise ein stark reinhauendes Pokémon, dem man nicht den Leben-Orb geben muss oder ein gutes defensives Pokémon, auf das man nicht die Überreste verteilen muss. So hat man diese Items noch für den Rest des Teams übrig. Darüber hinaus nehmen Mega-Pokémon nur den ungeboosteten Schaden von Abschlag – sie eignen sich also oft als Switch-In dafür, wenn man die Items auf den anderen Teammitgliedern behalten möchte (und sie nicht gerade eine Unlicht-Schwäche haben).

Platz Pokémon Picks
1 16
2 14
3
Mega-LatiosMega-Latios
13
4
Mega-DiancieMega-Diancie
12
5 11
6
Mega-LatiasMega-Latias*
11
7
Mega-GaradosMega-Garados
8
Mega-SimsalaMega-Simsala
8
8

Allgemein sollte zunächst gesagt werden, dass es für Mega-Pokémon schwieriger ist auf hohe Pick-Zahlen zu kommen als für Nicht-Mega-Pokémon. Dies liegt daran, dass es in jedem Team nur ein Mega-Pokémon geben darf. In einer Liga mit 12 Teilnehmern kann es also nur 12 Mega-Pokémon geben. Umso bemerkenswerter ist daher die hohe Pickzahl für Mega-Schlapor, das die Liste einführt und damit in 80% der untersuchten Ligen einen der Teilnehmer mit seinen Fähigkeiten als Breaker und Cleaner überzeugt hat.

Es lässt sich herauslesen, dass tendenziell eher offensive Pokémon als Mega-Pokémon gepickt werden. Die einzigen wirklich defensiven Vertreter in dieser Liste sind Mega.Bisaflor und das inzwischen gebannte Mega-Latias. Dieses Phänomen kann damit erklärt werden, dass der Verzicht auf ein Item bei defensiven Pokémon schwerer wiegt als bei offensiven. Den Verlust der stetigen Überreste-Recovery oder die fehlende Möglichkeit, dank einer Anti-Beere einmal eine bestimmte Attacke besser auszuhalten, möchten einige Spieler nicht eingehen. Sie draften sich dann lieber offensive "Power-Häuser" wie Mela-Latios, Mega-Diancie oder Mega-Diancie, um dem Gegner im Teambuilding Kopfzerbrechen zu bereiten.

Z-Move-User

Durch die Einführung der Z-Moves wurde das komplette Metagame in Generation 7 ein Stück unberechenbarer. Um in Draftligen diese Unberechenbarkeit etwas einzuschränken, greifen die Ligaleiter auf die Regelung zurück, dass nur ein nach dem Draft festgelegtes Pokémon in allen Kämpfen mit einem (beliebigen) Z-Kristall gespielt werden darf. Der Z-Move-User will also gut überlegt sein.

Um die beliebtesten Z-Move-User zu untersuchen, muss man nun anders als bei den anderen Kategorien zwei Faktoren beachten. Zum einen geht es um die absoluten Zahlen. Hier führt Kapu-Riki, das 13mal als Z-Move-User gepickt wurde. Jedoch wurde es ja insgesamt 19mal gepickt, das heißt es wurde nicht immer als der geeignete Z-Move-User für das Team gehalten. Von der relativen Zahl her (also wie oft das Pokémon, wenn es gepickt wurde, dann auch wirklich mit dem Z-Move ausgestattet wurde) führt mit einer Quote von 100% Terrakium. Für mich sagt die relative Zahl mehr über die Qualität des Z-Move-Nutzers aus, da eine hohe Quote beschreibt, dass seltener ein anderes Pokémon des Teams als besserer Z-Move-User angesehen wurde. Dennoch möchte ich den absoluten Wert nicht ganz außer Acht lassen, denn sonst tauchen absolute Nischen-Picks wie Sarzenia, das mit einer 1 von 1-Quote ebenfalls auf 100% kommt, auch in dieser Liste auf. Das folgende Ranking bezieht sich also auf die Quote, wie oft ein Pokémon mit Z-Move ausgestattet wurde unter der Bedignung, dass es in mindestens 5 Teams zum Z-Move-Träger ernannt wurde.

Platz Pokémon Quote
1 100%
2 75%
3 70%
4 68,40%
5 60%
60%
7
Voltolos-TVoltolos-Tiergeistform
58,82%
8 55,55%
9 54,54%
10
Boreos-TBoreos-Tiergeistform
50%
Wolwerock-ZwielichtformWolwerock-Zwielichtform
50%
50%
50%
14
Kyurem-SchwarzKyurem-Schwarz
47,37%
15 42,86%
16
Demeteros-TDemeteros-Tiergeistform
37,50%
17 26,31%

Die hier aufgelisteten Z-Move-User lassen sich grundlegend in drei Kategorien einteilen:

In die erste Kategorie fallen die Z-Move-User, die den Z-Move meist nach Set-Up einsetzen, um einmalig eine unglaublich starke Nuke raushauen zu können, die selbst ihre Checks hart schädigen oder sogar besiegen kann. Darunter fallen vor allem Terrakium, Panferno, Wolwerock-Z, Lucario, Jirachi und Knakrack.

In die zweite Kategorie fallen jene Pokémon, die den Z-Move in der Regel ohne Set-Up nutzen, entweder um eine (auch ohne Set-Up) einmalig relativ starke Nuke zu haben oder um einen Drawback (zum Beispiel geringe Genauigkeit (Orkan) oder eigener Stat-Verlust (Draco Meteor)) ihres normalen Angriffes zu umgehen. Sie versuchen oft auch durch einen überraschend starken Coverage-Move ihre Checks aus dem Weg zu räumen. Unter diese Kategorie fallen Boreos-T, Kapu-Riki, UHaFnir, Quajutsu, Victini und Kyurem-Black.

Die dritte Kategorie kombiniert die ersten beiden. Die Pokémon hier verfügen über Set-Up, nutzen den Z-Move manchmal aber auch lediglich um einen bestimmten Nachteil zu umgehen, bzw. werden auch ohne Set-Up öfters mit dem Z-Move ausgestattet. In diese Kategorie fallen dann Latias, Latios, Demeteros-T, Voltolos-I und Voltolos-T.

Dies sollte einen guten Überblick geben, welche Arten von Pokémon besonders vom Z-Kristall profitieren können. Welches Pokémon dann der ultimativ beste Z-Move-User ist, lässt sich dennoch nicht klar sagen, da auch die oben aufgezählten Pokémon je nach dem Team den Z-Move nicht immer gut ausspielen können. Wird Terrakium in einem Team beispielsweise als Revenger oder Cleaner benötigt und wird meist mit dem Wahlschal ausgestattet, ist der Z-Move an anderer Stelle höchstwahrscheinlich besser aufgehoben.

Fazit

Die Qualität von Pokémon in Draftligen anhand deren Usage zu bewerten ist nach meinen Erkenntnissen durchaus eine mögliche Herangehensweise. Die Pokémon, die hohe Pickzahlen aufweisen können, werden auch im allgemeinen Kanon als gut angesehen und die erhalten auch im Pokefans Viability Ranking gute Bewertungen. Um jedoch die Behauptung, dass Qualität und Usage in einem gleichmäßigen Verhältnis zueinander stehen, komplett zu Bestätigen, muss man den Begriff Qualität etwas anders definieren. Rechnet man in die Qualität eines Pokémon die Faktoren ein, dass das Pokémon a) zuverlässig ist, b) relativ leicht auch für Einsteiger zu spielen ist, c) sich gut in Teams einbauen lässt und d) wenig Support ermöglicht dann trifft diese These zu. Bezieht man sich jedoch lediglich auf das Potential eines Pokémon, wenn man von dessen Qualität spricht, so stimmt diese These nicht unbedingt. Die Erfahrungen zeigen, dass auch selten gepickte Pokémon in den richtigen Teams sehr gut funktionieren können. Als Beispiel eignet sich da Azumarill, das nur 6mal gepickt wurde, aber durchaus ein gefährlicher Set-Up-Sweeper oder Wallbreaker sein kann. Auch für Mega-Pokémon trifft die These nur bedingt zu, da sie allgemein auf nicht so hohe Pickzahlen kommen können aufgrund der Begrenzung, dass man nur ein Mega-Pokémon im Team haben darf.

Ansonsten zeigen die Rankings und deren Analysen einige Interessante Aspekte auf. Sie unterstreichen noch einmal deutlich die Bedeutung von Momentum und Vielseitigkeit. Zudem zeigen sie, auf welche Pokémon du dich im Draft-Meta wirklich verlassen kannst, wenn du sie dir in dein Team draften möchtest. In jedem Tier stechen einige Pokémon als wirklich gut heraus, wenn du dir diese in dein Team holst, kannst du nicht viel falsch machen. Doch sei gewarnt: Sie sind sehr beliebt, andere haben sie sicher auch auf der Rechnung!


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