Die richtige Vorbereitung für dynamisches Draften

Der Schlüssel zum erfolgreichen Bestreiten einer Draftliga ist selbstverständlich dein eigenes Team. Die elf Pokémon, die du dir im Draft zusammenstellst, begleiten dich die ganze Season über. Daher spielt der Draft eine fundamentale Rolle innerhalb der Season und ein guter Draftplan ist essentiell für deinen Erfolg. Dieser Guide zeigt dir, wie du dich optimal auf den Draft vorbereitest und Snipes besser wegstecken kannst.

Was macht einen guten Draftplan aus?

Bevor du mit dem Planen startest solltest du verinnerlichen, dass es kein perfektes Team gibt: so wie jedes einzelne Pokémon bringt auch jedes Team irgendwo Schwächen mit. Wie du dir ein möglichst gutes Draftteam theoretisch zusammenstellst, haben wir in einem anderen Guide zusammengestellt. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass in einem guten Kader möglichst viele Rollen besetzt sind, möglichst kleine Lücken innerhalb der Initiative-Werte auftauchen und eine möglichst gute offensive wie defensive Typenabdeckung im Kader gegeben ist. Eine offensive Abdeckung meint dabei, dass deine Angreifer möglichst viele Pokémon sehr effektiv treffen können - eine defensive Abdeckung zielt darauf, dass du in möglichst jeden Angriffstypen einen passenden Switchin hast.

Dies ist in der Theorie schon schwer genug, doch wenn ein bis zwei Snipes in den ersten Runden deinen Plan komplett vereiteln, ist besagter Plan nicht wirklich robust. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass deine Mühen umsonst waren. Daher ist es nicht nur wichtig, eine gute Elf an Pokémon zusammen zu stellen, sondern auch einen Plan B in der Tasche zu haben. Wer die komplette Kontrolle behalten will, der reizt das Alphabet bis hin zu Plan Z aus.

Doch wenn man sich schon so viel Mühe macht, kann man seine Zeit auch effizienter investieren. Insbesondere wer in der ersten Runde der Draft-Reihenfolge sehr spät zum Zuge kommt, hat kaum Möglichkeiten seinen ersten Pick vorherzusehen, außer er baut sein Team um einen A-Pick. Daher gibt es Methoden sich auf einen Draft vorzubereiten, ohne ein eigenes fertiges Team zu planen.

Methoden zur Vorbereitung

Das erste, das du tun solltest, wäre die Tierlist zu verkleinern, indem du Pokémon raus streichst die du sowieso nicht draften willst. Wenn du mit einem Pokémon schlechte Erfahrungen gemacht hast, ist es vielleicht besser ein anderes Taschenmonster zu wählen - auch wenn dieses auf dem Papier schlechter ins Team passt. Der Wohlfühlfaktor ist ein nicht zu unterschätzendes Element hierbei. Ein weiterer Schritt ist es, ein persönliches Stärke-Ranking der Pokémon innerhalb der Tiers vorzunehmen. So bekommst du ein Gefühl welche Pokémon günstig sind und früher weggehen könnten.

Die Rollen-Tierliste

Eine optimale Vorbereitung beinhaltet in jedem Fall eine Übersicht, welche Pokémon in welchem Tier welche Rollen übernehmen können. Dementsprechend kannst du eine Tabelle anlegen, in der du alle Tarnsteinleger nach Tier sortierst. Gleiches machst du auch für Hazard-Removals und andere wichtige Rollen. Wird dir dann eines deiner Wunsch-Pokémon vor der Nase weggepickt, so hilft dir ein Blick in die Tabellen der zugehörigen Rollen um einen adäquaten Ersatz zu finden. So kannst du auch während einem Draft schnell die Rollen innerhalb der Tiers austauschen und so einen großen Teil deines Plans anpassen.

Das Core-Pairing

Wie der Name schon impliziert sind Cores der Kern deines Teamgerüsts. Cores sind Zusammenstellungen von zwei oder mehr Pokémon oder Rollen, die zusammen gut synergieren. Das kann heißen, dass sie gegenseitig ihre Schwächen gut abdecken (zum Beispiel Mega-Latias und Tentantel oder Jirachi und Trikephalo), sich gegenseitig offensiv ergänzen (zum Beispiel Mega-Simsala und Terrakium oder Mega-Glurak X und Quajutsu) oder sich in besonderem Maße supporten (zum Beispiel Stalobor und Sandsetter, Resladero und Feldsetter). Bekannte typische Cores sind der Elementarcore aus Pflanze-Feuer-Wasser und der Fantasy-Core aus Drache-Stahl-Fee. Insbesondere wer spät innerhalb der ersten Draftrunde an der Reihe ist, hat bessere Chancen sich direkt einen zusammenpassenden Core aufzubauen.

Um von diesen Synergien zu profitieren, solltest du dir im Vorfeld mehrere Cores notieren, die du dir wünschst - inklusive natürlich einem Plan B wenn dir der Core gesniped wird. Auch solltest du versuchen einzuschätzen, wann du spätestens die einzelnen Pokémon deines Cores draften willst. Stalobor geht zum Beispiel in den ersten zwei Runden meistens sicher weg, während du dir für dein Sandsturm-Pokémon Zeit lassen kannst und im Notfall funktioniert Stalobor auch ohne das Wetter. Offensive Feuer-Pokémon sind sehr oft in der Mitte der Tierlist in einem Tier gruppiert, wodurch du viele Snipes ohne Probleme wegstecken kannst.

Hilfstools

Was haben die meisten großen Detektive und Agenten der Fernsehwelt gemeinsam: sie alle warten mit einer Menge an Gadgets auf, die ihnen aus der Patsche helfen. Während ein Narchose-Chronometer hier wenig Vorteile mitbringt, gibt es jedoch vielfältige Möglichkeit sich beim Draft von der Technik helfen zu lassen. Pokefans stellt dir ein Teambuilding-Tool zur Verfügung, mit dem du live deine Schwächen und Speedtiers anzeigen lassen kannst. Wenn dir eine Lücke auffällt, so hilft dir die Expertensuche unseres Pokédex Taschenmonster im gewünschten Speedtier zu finden. Trägst du "60-100" in das passende Feld, so werden dir nur Pokémon mit einer Basis-Initiative von 60 bis 100 angezeigt.

Ein Beispiel: Die Camelot's Cavaliers

Im Folgenden lassen wir einmal einen Draft im Gen7-Meta Revue passieren, den ich selbst mitgemacht habe. Vorab sei schonmal angemerkt, dass dessen Tierliste nicht mehr auf dem aktuellen Stand ist und drei Picks im A-Tier zuließ - es ist also nicht so einfach möglich das folgende Team in der PFDL nachzubauen.

Da ich in der ersten Draft-Runde als elfter dran war, gab es keine Garantien dafür, welche S-Picks ich mir sichern kann. Daher bin ich ohne ein festes Team im Hinterkopf in den Draft gegangen - dafür hatte ich die Rollen bereits stark durchgeplant: Die Tierlist enthielt einige defensiv starke Wassertypen im A-Tier, viele offensive Feuer-Pokémon mit Breaker-Qualitäten im B-Tier und dort auch gleich mehrere Drachen, die ob der großen Beliebtheit der Latis und anderen S-Drachen sehr sicher erschienen. Damit hatte ich direkt drei wichtige Rollen an Tierslots gebunden, in denen ich genügend Ausweichmöglichkeiten hatte.

Der Draft begann besser als ich es mir erträumt hatte und so konnte ich mir in den ersten beiden Runden Boreos-T und Mega-Schlapor sichern. Hätte ich mir ein festes Team vorgenommen, wäre ich wahrscheinlich nicht davon ausgegangen diese beiden beliebten Monster zu ergattern. Als nächstes musste ich mich um ein Pokémon kümmern, das ich unbedingt wollte: Feelinara. Ich hatte eine Cleric-Fee fest eingeplant und konnte absehen, dass die Eeveelution und ihr Ersatz Florges früh weggehen könnten. Vor allem ist es so, dass wenn eine Person eine Fee wählt meist alle anderen nachziehen, aus Angst keinen adäquaten Ersatz mehr zu bekommen.

Mein Plan hinsichtlich Feuer- und Drachenpokémon im B schien überhaupt nicht gefährdet, weswegen ich meine Defensive komplettieren wollte. Da durch meinen Feelinara-Pick direkt Primarene und Kapu-Kime mit über den Tresen gingen, beschloss ich in die Wasserflut einzusteigen und Lahmus als physisch defensive Mauer in mein Team zu holen. Darauf folgte dann auch schnell Stahlos, welches als Fairy-Steel-Kombo sehr gut mit Feelinara synergiert und die hohe Elektro-Schwäche von Lahmus zusätzlich ausmerzt. Dieser Dreiercore kam in den meisten Matches auch zusammen zum Einsatz.

Da ich insgesamt noch zu wenig Durchschlagskraft gegen bulky Watertypes hatte, entschloss ich mich den letzten A-Pick spontan dafür zu nutzen, diese mit einer starken Offensive unter Druck zu setzen. Die verbliebene Auswahl enthielt jedoch nur noch Raikou und Serpiroyal, für das ich mich letztendlich wegen der speziellen Breaker-Qualitäten entscheid. Darüber hinaus hatte ich im D-Tier ein Auge auf das normale Rotom geworfen.

Die folgende Runde versetzte mich ordentlich in Panik, da mit Alola-Knogga, Fuegro und Entei direkt drei starke offensive Feuertypen auf meiner Liste von anderen Spielern besetzt wurden. Demnach wurde es Zeit zu handeln und Skelabra auszuwählen, das insbesondere mit Serpiroyal offensiv sehr schön synergiert und gegnerische Pflanzen- und Stahlpokémon unter Druck setzt. Zu diesem Zeitpunkt musste ich dann leider auch von meinem Plan mit einem Drachen im B-Tier Abschied nehmen, da ein Blick auf meine Rollen-Tierliste verriet, dass das geplante Libelldra keine Tarnsteine legen kann - es wäre jedoch sträflich gewesen diese Rolle Stahlos allein zu überlassen. Ich musste ausweichen und entschied mich für Wolwerock-Zwielicht, welches mit seiner Prioritätsattacke Turbofelsen einen weiteren sehr großen Vorteil für das Team einbrachte.

Zu diesem Zeitpunkt hätte ich im C-Tier auch Shadrago picken können und damit die beiden eigentlich geplanten Rollen von Libelldra direkt auffüllen können, doch diesen Slot hatte ich mir extra aufgehoben. Nachdem ich mit Sen-Long mir meinen Drachen im D-Tier geholt hatte, wollte ich nämlich unbedingt (und wirklich nur für die Stilpunkte) meinen C-Pick für das Teammaskottchen Cavalancas nutzen.

Um das Beispiel abzuschließen, kommt hier eine kleine Übungsaufgabe: nutze unseren Guide zur Erstellung eines möglichst guten Draftteams und analysiere wie stark dieses Team ist, welche Rollen ihm vielleicht fehlen und ob es in Speedtiers oder Typenabdeckung größere Lücken gibt.


Fehler gefunden? Einen Verbesserungsvorschlag? Bitte schicke uns dein Feedback!

Du möchtest andere Pokefans mit deinem Wissen unterstützen? Dann werde Teil unseres Strategieteams!