Film: Tatort: Er wird töten

Bewertung: 2 Zwischen Vorhersehbarkeit und emotionaler Beziehungslosigkeit
Rezension verfasst von N-Friend am 10.06.2013:
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Erstausstrahlung: 09.06.2013, Bremen, Folge 876

Kaum ist der überaus freundliche und charismatische Kommissar Leo Uljanoff uns im Februar zum ersten Mal begegnet, schon dankt er vier Monate später im Juni (oder besser gesagt, eine (!) Folge später) ab. Prinzipiell immer ein interessantes Stilmittel, um die Dramatik einer Filmserie zu erhöhen. Doch so sehr man die ersten Minuten noch auf einen spannenden Tatort hoffen mag, so enttäuscht ist man mit der Zeit dann doch.

Im Bremer Tatort haben wir es mit einem eingespielten Pärchen zu tun. Hauptkommissarin Lürsen und Hauptkommissar Stedefreund treten zum 23. Mal gemeinsam auf (in Lürsens 28. Fall). Erstere hat im letzten Fall Kommissar Leo Uljanoff kennengelernt und mit eben dieser Person auch eine Liebesbeziehung angefangen, Stedefreund war dagegen im Auftrag in Afghanistan und kommt von dort mit traumatischen Erinnerungen zurück. Als eine pathetisch schreiende, mit desillusioniertem Blick dreinschauende und von ihrem Ex-Mann bedrohte Frau die Kommissare mit dem sich immer wiederholenden Satz "Er wird töten! Er wird töten!" auf Trab hält, kommt es zum Mord an dem lieben Uljanoff in der Toilette. Die Ermittlungen führen zu erwähntem ehemaligen Gatten der Frau und dessen Zwillingsbruder. Lürsen ist zutiefst betrübt, nimmt sich aber vor, diesen Fall zu verfolgen und den Mörder ihres Geliebten zu stellen.

Hauptaugenmerk dieses Tatorts war sicher die emotionale Ebene, die beide Kommissare, Lürsen durch den Fall, Stedefreund durch seine Afghanistan-Reise, sehr gut ausspielen konnten. In der Tat war die Trauer von Lürsen (gespielt von Sabine Postel) sehr überzeugend gespielt und auch Stedefreund (gespielt von Oliver Mommsen) war zurecht ziemlich ruhig und betrübt. Doch was mag dem Zuschauer diese gut gespielte Verzweiflung bringen, wenn selbst die Verbindung zum Mordopfer fehlt. Uljanoff (gespielt von Antoine Monot jr.) hatte durchaus Potential, sein Tod kam aber zu früh, als dass man selbst eine Verbindung zu ihm aufbauen konnte - und auch die Geschichte von Lürsen und ihm wurde nur kurz angeschnitten, sodass die gute Idee des Spannungsaufbaus und der emotionalen Wende (durch ein postmortales Video) leider keine Entfaltung finden konnte. Bremer Tatorte suggerieren Zeitdruck, nicht unbedingt auf die Fälle bezogen, sondern viel mehr auf die zwischenmenschliche Ebene. Gäbe es noch ein, zwei weitere Fälle zwischen dem Erstauftritt von Uljanoff (in "Puppenspieler") und "Er wird töten", ich bin mir ziemlich sicher, dann wäre der gewünschte emotionale Effekt auch gut rübergekommen.

Nebenbei spielte die Handlung, die wohl auch zurecht nicht den Vordergrund darstellen sollte. Der Fall war durchaus vorhersehbar, man muss nicht einmal Experte auf dem Gebiet der Krimis sein, um zu sehen, wohin sich dieser Film entwickeln wird. Die Drehorte waren zwar überzeugend inszeniert, jedoch boten sie letztlich zu wenig Abwechslung und der Verhörsaal wurde ein ums andere Mal zentrum brüllender, hysterisch lachender oder verzweifelt schreiender Nebencharaktere. Ihr Schicksal wurde dem Zuschauer fast gleichgültig, sie waren schon vom ersten Auftritt an unsympathisch und nervtötend - Keine gute Voraussetzung, um den zuschauer vor dem Fernseher zu halten. Wer dennoch aufmerksam dabei geblieben ist, der ärgerte sich über offensichtliche Hinweise, die unser Ermittlerpärchen gekonnt übersieht, ebenso wie über entscheidene Begebenheiten, die schließlich doch zu zufällig aufgetreten sind. Wenig Lob an die Ermittler, demzufolge auch eher wenig Lob an das Drehbuch. Wer es dann doch noch bis zum Ende geschafft hat, sollte sich nicht nur für seine Geduld auf die Schulter klopfen, sondern auch für seine Törichtheit die Handfläche gegen die Stirn schlagen. Weder eine unerwartete (und gewünscht zufällige) Wende noch ein stichhaltiges Motiv wurden einem letztendlich präsentiert. Die Auflösung machte alles falsch, was der Anfang richtig gemacht hat. Es ist nur zu wünschen, dass der nächste Bremer Fall den Tod von Uljanoff noch einmal aufgreift, wenn dieser dann komplett vergessen sein sollte, taugt dieser Tatort nichtmal mehr als gute Vorgeschichte.


Zusammengefasst: Ein meiner Meinung nach unterdurchschnittlicher Tatort, mit überzeugender Schauspielkunst der Kommissare, mit fehlender emotionaler Ebene in einer tendenziell emotionalen Geschichte, einer vorhersehbaren Handlung zum Vergessen, trüben und langweiligen Schauplätzen und ordentlicher Kameraführung und Musik.

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