Film: Tatort: Letzte Tage

Bewertung: 2 Stumpfer Fall mit emotionalem Leckerbissen
Rezension verfasst von N-Friend am 24.06.2013:
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Erstausstrahlung 23.06.2013, Konstanz, Folge 878

Konstanz ist gerne mal auf der Schwelle zwischen schweizerisch und deutsch, man hat das Gefühl, der Tatort kann sich nie entscheiden, was er nun eigentlich darstellen soll. Doch dieser Tatort war zeitweise sogar richtig französisch, wenngleich der Fall selbst gerne an eine leichte Brise erinnert: Schwach und konsistenzlos.

Die Frage Selbstmord oder Mord schwebt wie ein transparenter Geist über dem 25. Fall von Blum (gespielt von Eva Mattes) und Perlmann (gespielt von Sebastian Bezzel). Ein totkranker Passagier einer Autofähre sitzt tot in seinem Wagen. Die beiden Hauptkommissare gehen von Mord aus, ihr Schweizer Kollege Lüthi (gespielt von Roland Koch), dem der Fall zugesprochen wird, besteht auf Selbstmord. Im Zwist um die Sachlage landen die Ermittler bei einer Selbsthilfegruppe für Leukämie-Erkrankte, wo Perlmann seine ganz persönliche Erfahrung mit einer Medizinstudentin macht und auch Lüthi scheint bezüglich dieses Falles etwas zu verbergen...

Dieser Tatort war sehr mehrgleisig. Neben dem Fall selbst kam vor allem die Liebesgeschichte zwischen Perlmann und der Medizinstudentin nicht zu kurz, aber auch der Zwist zwischen den Kriminalstationen in Deutschland und der Schweiz wurde wieder aufgegriffen. Besonders ersteres kann ich loben, einerseits die schauspielerische Leistung von Bezzel (sein Monolog ist auf jedenfall erinnerungsträchtig) aber besonders auch der Hintergrund, dem Umgang des Menschen mit dem bevorstehenden Tod, der neben dem gesamten Film auch oder gerade diese Beziehung heimsuchte, machte diesen emotionalen und menschlichen Teil des Tatorts sehr interessant. Ein Lob gilt an dieser Stelle außerdem der Musik, die die Spannung im guten Mittelteil aufrechterhalten hat.

Von dem sehr erwachsenen "Austausch" im Kino mal abgesehen, galt der komödiantische Teil eher den Ermittlungen von Blum und Lüthi. Doch neben der schleppenden Auflösung des Falles erreichte auch der Witz kein angenehmes Niveau. Versinkend in der Absurdität gab es eine naive Vorstellung der Ermittler und eine peinliche Festnahme mit Handschellen. Die Aktionen der Kommissare war nicht immer realistisch, ebensowenig wie die Situation am Ende (den Spoiler erspare ich mir an dieser Stelle mal). Dass der Fall in keiner Weise mitreißend war und nur die Liebesgeschichte die Spannung hochzuhalten vermochte, ist besonders der klischeehaften Handlung zu verdanken. Das Hintergrundthema wurde in diesem Fall nicht vollkommen ausgespielt, nur durch den emotionalen Part, der jedoch erst mit der Zeit seinen Lauf nahm, kam das Thema ins Rollen. Und wenn ein Krimi nur von seinen Emotionen lebt, dann ist etwas falschgelaufen.
Enttäuschend war auch das Fehlen des roten Fadens. Komplexe Fälle sind zwar durchaus interessant und für Krimifans gut zu verfolgen, allerdings sollte die Linie nicht komplett verlassen werden. Bei diesem Fall war man als Zuschauer teilweise komplett aus aus dem Geschehen raus, wenn die Romanze mal etwas länger lief. Die Ermittler machten auch nicht den Eindruck, dass sie den Fall lösen wollten, viel eher stritten sie sich mit ihren Kollegen. Möglicherweise könnte ein zweites Anschauen, wenn man bereits weiß, woran man ist, diesen Fall sinnvoller erscheinen lassen - doch das sollte nicht der Anspruch eines Tatorts sein.

Zusammengefasst haben wir also ein ordentliches Drama, was dem Titel Krimi aber nicht unbedingt gerecht werden mag. Gute schauspielerische Leistung steht im Kontrast zu einem Drehbuch, dass die Kommissare naiv und klischeebehaftet erscheinen lässt. Ohne die Musik wäre in diesem Film auch keine Spannung aufgekommen, denn der Fall an sich enttäuschte. Es bleibt ein vielversprechendes Hintergrundthema, das jedoch nicht so gut genutzt wurde.

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