PC-Software: KVIrc

Bewertung: 5 Der "Universalclient"
Rezension verfasst von Weegee am 26.12.2010:
#   

Es dürfte wohl vielen ehemaligen mIRC-Nutzern so gehen, die auf ein Linux-System wechseln: Es gibt einfach keinen vertrauten IRC-Clienten, der die gleichen Aufgaben so leicht erfüllen kann wie mIRC. Natürlich gäbe es da noch die Möglichkeit, Wine zu nutzen, allerdings endet dies größtenteils in Crashs, unlesbaren Schriften, Programmfehlern und einem riesigen Lag. Aber unter sämtlichen Linux-Distributionen gibt es einfach keinen Clienten, der genau so gut ist wie mIRC … oder?

Tatsächlich stimmt es, dass es keinen Clienten gibt, der genau die selben Dinge machen kann wie mIRC. Eine gute Alternative jedoch existiert, und diese nennt sich KVIrc. Angefangen als IRC-Programm mit voller Abhängigkeit zu KDE (woher rührt sonst das K am Anfang?) hat es sich zu einem modernen und einfach zu nutzenden Clienten gemausert, der nur darauf wartet, von der Öffentlichkeit entdeckt zu werden.

Das Aussehen von KVIrc erscheint auf den ersten Blick nicht wesentlich anders als jenes von mIRC, zeigt allerdings dennoch Unterschiede. Die Nicks lassen sich je nach Status einfärben, Nachrichten mit Highlights (= Hervorhebung bestimmter Wörter) erscheinen je nach Einstellung in einer anderen Schrift- und/oder Hintergrundfarbe.

Die Window List gibt es in zwei Ausführungen: Einmal in der classic-Variante und einmal in der tree-Variante. Ich persönlich bevorzuge die klassische Ansicht mit ihren Buttons, da die Baumansicht bei mir aufgrund der Fülle an Channels nicht genügend Platz hat. Die Statusbar (in welcher der aktuelle Server zu sehen ist) lässt sich mit Applets ausrüsten, zum Beispiel mit einem Onlinetimer.

Doch was kann KVIrc überhaupt? Eine passende Antwort darauf wäre wohl: Konfiguriert werden. Die Einstellungsmöglichkeiten von KVIrc sind zwar nicht so umfangreich wie z. B. von irssi, jedoch ist die Fülle an Konfigurationen groß, weswegen man auch schnell den Überblick verlieren kann. Vor allem bei den Theme-Einstellungen kann dies durchaus vorkommen.

Der Einstellungsdialog für das Standardverhalten von KVIrc jedoch ist schön gegliedert und verständlich. Und genau hier zeigen sich unter anderem auch die Fähigkeiten von KVIrc: Während man unter anderen Clients Autoperform oder Scripte erstellen muss, um sich automatisch mit NickServ zu identifzieren, bringt KVIrc einen eigenen Reiter mit NickServ-Präferenzen mit. Das ist sowohl übersichtlich und vor allem auch einfacher zu bedienen als ein Script.

Und wo wir gerade bei Script wären: Wie sieht es eigentlich mit der Scriptfähigkeit von KVIrc aus? Die Antwort lautet: Gut. Zwar dürfte es klar sein, dass man nicht einfach irgendein MSL-Script in KVIrc benutzen kann, jedoch ist die hauseigene Sprache KVS leicht verständlich und einfach zu erlernen. Allerdings muss man hier erwähnen, dass KVIrc deutlicher zwischen Aliasen und Ereignissen unterscheidet wie z. B. mIRC. So kann in einem Script für ein Ereignis nicht plötzlich eine Definition für ein Alias auftauchen. Da streikt KVIrc, und das ist auch der einzige Punkt, der dem 0815-MSL-Scriptschreiber schwer fallen dürfte.

Dafür sind die Editoren der verschiedenen Scriptfunktionen schlicht gehalten und einfach zu benutzen. Ich persönlich bevorzuge allerdings das externe Schreiben von Scripts in einem Textfile. Hilfe dazu findet sich übrigens in der umfangreichen KVIrc-Dokumentation, die sich – sofern beim Kompilieren angegeben – in jedem KVIrc unter Hilfe befindet.

War es das etwa schon? Nein, war es nicht. Denn KVIrc kann noch mehr. Es bringt von Haus aus Tools mit, die den Umgang mit dem IRC vereinfachen. Da wären zum Beispiel der Log Viewer, der SocketSpy sowie die URL List.

Der Log Viewer zeigt die neuesten Logs aus allen besuchten Channels und geführten Queries und filtert die Nachrichten je nach Wunsch. Wer allerdings längere Logs anschauen will, hat Pech gehabt – dafür wird ein externer Texteditor benötigt, denn ab einer bestimmten Menge an Logs schneidet der Log Viewer diese ab und zeigt sie nicht mehr an. Verloren sind diese dadurch übrigens nicht. Der SocketSpy zeigt die gesamte Aktivität auf einem Netzwerk in einem einzigen Fenster, was nützlich sein kann, wenn man die Übersicht über die besuchten Channels behalten will. Die URL List enthält jede genannte URL, und filtert diese sogar aus dem Log Viewer.

Insgesamt ist KVIrc ein nützlicher Client, der das Chatten (und Idlen ;)) im IRC durchaus erleichtern kann. Die Handhabung und Konfiguration ist einfach und übersichtlich, auch wenn an manchen Stellen die Einstellungen ziemlich zahlreich sind. Wer also mIRC unter einer Linux-Distribution vermisst, sollte ruhig mal die aktuelle stabile Version als Paket herunterladen oder selbst kompilieren. Natürlich kann man KVIrc auch unter Windows nutzen ;)

Links:
Download von KVIrc
KVIrc-Bugtracker und SVN-Repository

Du musst dich zuerst bei Pokefans anmelden um einen Bericht zu schreiben.