Videospiel: Nier

Bewertung: 5 Erst voller Wut, dann voller Reue - Das ist Nier!
Rezension verfasst von Metallica am 19.01.2011:
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Nier ist ein Rollenspiel von Square Enix (Final Fantasy X-2,XII & XIII) für die Konsolen Playstation 3 und Xbox 360. Von einem Rollenspiel, auf dessen Cover der Schriftzug Square Enix zu finden ist, erwartet man normalerweise jede Menge Zuckerguss, grandiose Cutscenes, bunt gemischte Truppen und gelegentlich auch eine schöne Lovestory - ganz anders bei Nier.

Erstmal das Wesentliche:

Von Nier gibt es zwei Versionen. Diese Versionen unterscheiden sich eigentlich nur durch den Charakter Nier, der in der einen Version entweder der Bruder und in der anderen Version der Vater des Mädchens Yonah ist. Dementsprechend gibt es wesentliche Unterschiede:

- der Bruder-Nier sieht deutlich jünger und schmächtiger aus. Er ist 16 Jahre alt
- der Vater-Nier wurde entworfen, um den westlichen Markt anzusprechen. Er rennt auf die Vierziger zu und ist ein muskelbepackter Mann mit mittellangem weißen Haar

dazu muss man jedoch sagen, dass es in Europa nur das Spiel mit dem Vater-Nier (auch Nier Gestalt genannt) gibt. In Asien gibt es für die XBox360 auch die Gestalt-Version, für die PS3 jedoch die mit dem Bruder (Nier Replicant)

Im Folgenden beziehe ich mich auch nur auf die Gestalt-Version des Spiels.


Die Story:

Das besagte Mädchen Yonah leidet an der Runenpest. Diese Krankheit schwächt die Leute und rafft sie langsam dahin. Ihr Vater Nier ist ständig auf Reise, um ein Heilmittel für diese Krankheit zu finden. Wenn er mal zuhause ist, kümmert er sich liebevoll um seine Tochter und schenkt ihr Hoffnung. So erzählt er ihr eines Tages von einer Blume namens Mondträne, die imstande sein könnte, die Krankheit zu heilen. Um ihrem Vater das Leben zu erleichtern, macht sich Yonah allein auf den Weg in einen abgelegenen Tempel, um dort besagte Mondtränen zu pflücken. Nier eilt hinterher, um sie zu retten, findet sie jedoch hinter einer magischen Wand wieder, die von 2 roboterartigen Wächtern (Hänsel und Gretel) bewacht wird. Mit all seiner Macht versucht Nier die Mauer zu durchbrechen und setzt so das magische Buch Grimoire Weiss frei. Dieses Buch ist imstande zu sprechen und birgt die Weisheiten zerstörerischer Magie, die sich Nier zunutze macht, um einen der beiden Wächter zu vernichten. Der andere bleibt stark verletzt zurück. Mithilfe von Grimoire Weiss verusucht Nier nun weiterhin ein Heilmittel für Yonah zu finden. Dies könnte dadurch möglich sein, wenn Grimoire Weiss es schafft, sich an all seine verschollenen magischen Verse zu erinnern. Von hier an streift man durch die Welt, um dem alten Schinken seine Würze wiederzugeben.

Das Spielprinzip:

Ziemlich rollenspieltypisch. Man hat die Auswahl, ob man sofort der Story weiter folgen möchte, oder ab man für die Dorfbewohner Sidequests erledigt, um sich etwas Geld dazuzuverdienen. Hier spaltet sich das Spiel auch in 2 Teile. Der erste Teil endet mit einer schrecklichen Wendung. Der zweite Teil spielt mehrere Jahre nach dem ersten Teil und ermöglicht es Nier nun auch, neue, mächtigere Waffen wie Zweihänder oder Speere zu benutzen.
Generell hat man eine Open-World, das heißt man kann jederzeit dort hingehen, wohin man möchte (sofern der Ort begehbar ist, versteht sich). Im Laufe des Spiels trifft man auf die Charaktere Kaine, einen Hermaphrodit, und Emil, einem kleinen Jungen mit verfluchten Augen, die alles versteinern lassen, was er ansieht. Diese beiden schließen sich eurer Gruppe an und nehmen ab ihrem Auftritt aktiv am Kampf teil. Selbst steuern kann man sie nicht, man kann ihnen nur Befehle erteilen.

Hat man das Spiel geschafft, bietet es einem an, es nochmal durchzuspielen, um Gimmicks, wie Zusatzinformationen oder vorher nicht gesehene Cutscenes zu sehen. In diesem Falle setzt das Spiel wieder am Anfang des zweiten Teils an, so muss man es nicht nochmal komplett von vorne spielen.


Das Kampfsystem:

Leider macht Nier hier nicht alles perfekt. Es basiert auf Echtzeitkämpfe und durch simples Drücken einer Taste schwingt man seine Waffe. Dies weist sich teilweise jedoch als sehr schwierig heraus, da dem Spiel der Auto-Focus fehlt. So kann es passieren, dass man manchmal einfach nur wild um sich schlägt, dennoch keinen Gegner trifft. Dies erschwert sich im ersten Teil des Spiels noch dadaurch, dass Nier bis dahin nur kleine Waffen nehmen kann und so nicht komplett um sich schwingen kann. Die Gegner selbst laufen frei in der Welt rum, von daher gibt es keine Zufallskämpfe und man kann aucn jederzeit vor den Kämpfen fliehen, darf sich aber nicht wundern, dass die Gegner einen erst noch verfolgen. Durch gewonnene Erfahrungspunkte steigert man seine Statuswerte. Ebenso kann man Runen aufsammeln, die man ausrüsten und somit weiteren Einfluss auf seine Statuswerte oder Waffeneffekte nehmen kann.

Die Charaktere:

Hier punktet Nier wieder. Man trifft auf jede Menge Charaktere im Spiel, die alle Tiefe besitzen und früher oder später auch ihren Teil zur Story beitragen. Besonders über Kaine erfährt man nach dem ersten Durchspielen enorm viel, was einen wahrlich mitfühlen lässt.

Die Grafik:

Hier gibts wieder Minuspunkte. Eigentlich ist Nier wie ein Gemälde. Steht man weit genug weg, sieht alles noch ok aus. Zoomt man aber zu sehr ran, merkt man schnell wie detaillos das Spiel sein kann. Das wird oft dadurch versucht zu übertuschen, indem man enorm grelle und nervige Lichteffekte einbaut. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr aus dem Kino kommt und die Sonne noch scheint? Sowas erlebt ihr immer und immer wieder bei Nier.


Boni:

Das ist wahrscheinlich das Beste an Nier: Die verschiedenen Enden.
Insgesamt besitzt das Spiel 4 verschiedene Enden, wobei jedes den Spieler anders beeinflusst.
Aus dem ersten Ende kann man sich nicht allzu viel reimen, außer vielleicht ein kleines Happy End.
Das zweite Ende zeigt das Happy End aus einer etwas anderen Perspektive.
Das dritte Ende schlägt schon eine etwas andere Richtung ein. Dort muss man nämlich eine sehr schwere Entscheidung treffen. Ich werde im Folgenden den Inhalt des Endes verraten. Wer es nicht wissen möchte, überspringt diesen Teil bitte.

SPOILER

In dem Ende übernimmt Kaines innerer Schatten Tyrann langsam die Kontrolle über sie. Kaine bittet Nier jedoch sie einfach zu töten, um sie zu erlösen. Ab hier muss man die Entscheidung treffen, ob man sie töten will oder nicht. Entscheidet man sich dafür, ihr den Gnadenstoß zu geben wird Ende 3 eingeleitet. Hier erlöst ihr Kaine von ihren Qualen und ihr bleibt mit eurer Tochter Yonah alleine zurück. Nur noch die Worte "Ich danke dir" dringen in euer Ohr.

SPOILER ENDE


Nun bleibt noch Ende 4. Dieses Ende ist wohl das krasseste, da der Spieler hierfür etwas opfern muss - und zwar seinen eigenen Spielstand. Das Spiel zwingt euch dazu, euren Spielstand selbst zu löschen, damit sämtliche Erinnerungen von euch gelöscht werden. Dafür wird man aber mit Gänsehaut und Tränen belohnt. Auch das werde ich im Folgenden genauer erläutern, für alle die dies selbst miterleben wollen, NICHT WEITERLESEN!

SPOILER

Entscheidet man sich jedoch dafür sich selbst zu opfern, und damit auch alle Erinnerungen von einem aus den Köpfen der Menschen verschwinden zu lassen um Kaine zu retten, wird es für den Spieler schwer. Das Spiel warnt euch sehr oft, dass ihr hierfür wirklich euren eigenen Spielstand löschen müsst. Hierfür gebt ihr den Namen ein, den ihr Nier am Anfang des Spiels gegeben habt, damit genau dieser Spielstand unwiderruflich gelöscht wird. Habt ihr diese Qual hinter euch gebracht, wird als Abschluss Ende 4 eingeläutet. Nier gibt Kaine zum Abschied einen Kuss und opfert sich für sie. Kaine und Yonah bleiben zurück und keiner der beiden kann sich an Nier erinnern. Kaine jedoch fühlt sich endlich wieder glücklich und das Spiel findet hier sein Ende.

SPOILER ENDE



Fazit:

Man könnte meinen, dass Nier sich zu viele Fehler leistet, um eine volle 5er Bewertung zu bekommen. Aber alleine die verschiedenen Enden geben genug Pluspunkte, dass Nier diese Top-Position verdient hat. Besonders interessant ist die Tatsache, dass man beim ersten Durchspielen seine Taten noch für gerechtfertigt hält. Aber sobald man das Spiel ein zweites Mal durchspielt (was ich auch jedem empfehle), fühlt man stattdessen Trauer und Reue. Man möchte das, was man tut eigentlich nicht machen, aber das Spiel lässt einem keine Wahl. Hier wird ausgenutzt, dass der Spieler selbst mehr weiß als die Spielfigur. So reagiert die Spielfigur zwar genauso, wie beim ersten Durchspielen, jedoch fühlt man sich als Spieler so, als würde man etwas tun, was einfahc nicht richtig ist. Und alleine DAFÜR hat Nier schon ein großes Lob verdient.
Ein schönes Beispiel dafür, dass Spiele mehr sein können als einfach nur Spiele.

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